Ich war heute auf einer Pressekonferenz der Wiener Linien, bei der es eigentlich um eine Kooperation der städtischen Öffis mit der TU Wien ging. Der Termin fand bei Sonnenschein in einer fahrenden Straßenbahn statt, und wir nahmen uns den Kaffee zum dazu passenden Buffet gleich in die Bim mit (Journalisten haben immer Hunger; deshalb gibt es zu jedem Termin was zu essen und trinken); die Gelegenheit, als ich mit den werten Herren Kaffee schlürfend im Waggon saß, nahm ich zum Anlass, mich mal zu informieren, wie es eigentlich um ein Essverbot in den Wiener Linien steht. Und siehe da: Die Wiener Linien führen derzeit tatsächlich eine groß angelegte Studie durch, haben an 30.000 Jahreskartenbesitzer Fragebögen ausgeschickt, ob sie für oder gegen ein Essverbot in den Öffis sind. Normalerweise bekommt man bei einer schriftlichen Befragung dieser Art maximal zehn Prozent der ausgeschickten Fragebögen ausgefüllt zurück; in diesem Fall waren es aber heiße 50 Prozent - ein Zeichen dafür, wie stark das Thema polarisiert. Auch wenn die Fragebögen noch ausgezählt werden müssen und die Arbeit nun fünf Mal so groß ist, ahnt man bei den Wiener Linien bereits: "50 Prozent der Befragten werden dafür sein, 50 dagegen."
Wieso man denn dann überhaupt eine Umfrage mache, fragt ein älterer Mann, der sonst das ganze Gespräch über geschwiegen hatte. Der nette Herr von den Wiener Linien holte aus, um zu erklären, dass man heutzutage dem Kunden das Gefühl gibt, etwas wert zu sein: "Wissen Sie, vor 30 Jahren hätte man das noch so gemacht, das man keine Marktforschung macht..." - "Vor 30 Jahren gab es auch noch kein Kebap und keine Pizza", wurde er unterbrochen.
Bumm. Auf dem Niveau waren wir also plötzlich gelandet.
Plötzlich hatte sich der ältere Herr nämlich warm geredet und fing an zu schwärmen, wie schlimm das mit dem Essen - konkret mit Pizza und Kebap - sei und das das Essen - besonders Pizza und Kebap - verboten gehören. Das andere Essen, früher, das sei ja nicht so schlimm gewesen, aber Pizza und Kebap, das gehöre wirklich verboten. Man wies ihn freundlich darauf hin, dass er gerade einen Kaffee trinke, mit dem er den Waggon ebenso versauen könne wie mit einer Knoblauchsauce, doch der Mann ließ sich nicht beirren - die Pizzen und Kebaps sollen verschwinden. Und dass die Leute telefonieren, sei auch ganz schlimm. Letztens habe ein junges Mädel die Frechheit besessen, in der Straßenbahn hinter ihm zu telefonieren - "Und als ich ihr gesagt habe, sie soll still sein, hat sie zu mir gesagt: 'Du Rassist!'."
Essen ist übriges derzeit nach wie vor in den Wiener Linien erlaubt - wurscht, aus welchem Land es kommt. Wichtig ist nur, dass es die Öffis nicht verdreckt. Und Telefonieren ist auch erlaubt - in jeder Sprache, denn auch Mitmenschen ohne deutsche Muttersprache haben vielleicht gerade einen Notfall, um den sie sich kümmern müssen. Schließlich haben die Wiener Linien viel Geld in die Hand genommen, um zu ermöglichen, dass die Handys auch unterirdisch Empfang haben - dann wäre es wohl ziemlich sinnlos, anschließend Telefonate zu verbieten, gell?
Aber wem gegenüber argumentiere ich hier eigentlich? Manche Leute kommen halt nur auf Pressekonferenzen, um zu essen. Und sich selbst beim Schimpfen zuzuhören.
So, das war's. Die letzte Folge Community.talk haben wir nun hinter uns gebracht. Finito. Die Resonanz war durchaus positiv, den Leuten hat's gefallen. Irgendwie eine schöne Bestätigung, nach drei Jahren gratis hackeln, dass es zumindest den Freunden gefällt.
Gelernt haben wir in den letzten Jahren vieles; vor allem den Umgang mit Kamera und Schnitt-Software. Vielleicht wird das irgendwann mal von Vorteil sein - man hört ja hier und dort, eine gewisse Branche (der Journalismus) sei im Umbruch.
Wie dem auich sei: Nun habe ich endlich Raum für andere Projekte. Was das genau sein wird, wird freilich noch nicht verraten. Aber sobald es Konkretes zu melden gibt, wird es auf diesem Kanal zuallererst bekannt gegeben.
Ja, ganz recht. Ihr habt richtig gelesen. Community.talk, die wohl beste Sendung der gesamten österreichischen Fernseh-Landschaft, wirft das Handtuch. Gründe dafür gibt es viele; bei Bedarf können wir über Details mal unter vier Augen plaudern - bei einem kühlen Bier, einer Leberkäs-Semmel oder einer gepflegten Partie Bierdosen-Golf.
Dass wir natürlich nicht sang- und klanglos untergehen, ist logisch. Daher gibt's am Dienstag, 28. April, um 20:30 Uhr ein fettes Best-of unserer ersten Staffel (entstanden im Jahr 2006). Dort zeigen wir die High- und Lowlights von einem Jahr Community.talk, lassen den einfachen Mann von der Straße zu Wort kommen und beantworten vor allem endlich jene Fragen, die wir im Lauf des regulären Sende-Betriebs offen gelassen haben: Wo kommt das beste Bier her? Was ist die Philosophie hinter unserer Frisuren? Leberkäs oder Käsleberkäs?
Krisen sind kein globales Phänomen, es gibt sie auch in kleinem
Ausmaß. Meine Wenigkeit wurde am vorvergangenen Freitag hart vor der
Hiobsbotschaft getroffen, der Billa um die Ecke werde die kommenden
zwei Wochen über geschlossen haben, weil er renoviert wird. Was sollte ich
tun? Immerhin ernährt mich dieser Supermarkt nun bereits seit Jahren zu
Mittag, bringt mich durch Leberkässemmeln und Chef-Menüs durch den
anstrengenden Tag - sollte ich verhungern?
Meine erste Reaktion: Hamsterkäufe. So lang wie möglich an altem festhalten. Ich habe
mich eingedeckt mit Orangen (die halten relativ lang) und
Mineralwasser. Da beides nicht wirklich nahrhaft ist, war ich schon nach
wenigen Tagen am Ende meiner Ressourcen und hätte wahrscheinlich
körperlichen Konkurs anmelden müssen - dann kam aber doch alles anders.
Ich habe dann nämlich festgestellt, dass ich kochen kann. Kochen
- erinnern Sie sich? Das haben unsere Urgroßeltern gemacht; in einer
weit vergangenen Zeit, in der es noch keine Tiefkühlpizzen und Sushi zum
Mitnehmen gab. Dieses alte Ritual grub ich notgedrungen wieder; aus
und entdeckte schon bald die damit verbundenen Vorteile:
Kosteneffizienz, Synergieeffekte (ich hab gleich für die Kolleginnen
mit gekocht) und ein gesunderer "Betrieb" (Körper dankt für eine Alternative zum fettigen Leberkäs).
Vielleicht könnten sich da auch Unternehmen etwas abschauen: Weniger jammern über die Krise;
weniger an alten Ideen festhalten. Stattdessen mal etwas neues
probieren, um nachher stärker aus dem Dilemma hervor zu gehen. Denn ich
werde wohl auch weiter kochen, wenn der Supermarkt wieder die Pforten
öffnet - es sei denn, ich kriege einen Heißhunger auf was Fettiges
(oder Sushi).
PS: Ich bin nicht der einzige, der diese obskure Analogie zieht. Die Wiener Zeitung brachte am Wochenende eine Reportage aus den USA: Kleingärtner erleben dort wegen der Krise ein Revival, da selbst versorgen billiger ist als Essen zu kaufen. Wahnsinn.
Es ist unglaublich, wie viele kreative Headlines die Krise produziert hat; in Presseaussendungen ebenso wie in Zeitungsartikeln. Jeder versucht, auf das Thema aufzuspringen und seine alten Weisheiten unter dem neuen Deckmantel "Und jetzt erst recht - denn es geht uns schlecht" zu verkaufen.
Bisherige Highlights habe ich mal gemeinsam mit ein paar Freunden zusammen gefasst:
"VCÖ: Bei Fahrradverkäufen droht durch Krise starker Rückgang" (10.3.2009)
"In der Krise trägt "Mann" die Hosen kürzer in Bella Italia" (19.Mär 2009)
"Mölzer: In Krisenzeiten muss auch die EU sparen"
"Die Krise animiert zum Heiraten - Bei Cécile Brautmoden in Dornau boomt das Geschäf" (SZ)
"Gärtner lassen Gras über Krise wachsen" (Der Standard)
"Welche Krise? Parteien und Kammer melden Umsatz- und Gewinnrekorde!" (Salaminews - okay, zugegeben, da haben die Kollegen einfach gute Satire produziert...)
"Experten: Weniger Müll wegen Wirtschaftskrise" (orf.at)
"USA: Computerspiele trotzen der Krise - "Killerspiel" auf Rang 4"
Mein absoluter Favorit machte sich diese Woche in der heimischen Medienlandschaft breit: Die Pressekonferenz "Schwule Kaufkraft trotz Wirtschaftskrise". Da wurde freudestrahlend bekannt gegeben, dass Schwule mehr Geld haben, da sie keine Kinder durchfüttern müssen (man beachte den Newswert dieser Aussage!); außerdem würden sie wahnsinnig viel Geld für Mode ausgeben und Wert auf ihr Äußeres legen. Hetero-Männer hingegen trinken Bier im Verein oder im Gastgarten. So viel zu den wunderschönen Klischees.
Die Medienlandschaft produzierte aus diesen Informationen:
Salzburger Nachrichten: "Homosexuelle sparen auch in der Krise nicht bei Mode und Schuhen."
Wiener Zeitung: "Schwule Männer geben ihr Geld trotz Krise aus"
Kurier: "Schön, schwul und spendabel"
Standard: "Buhlen um die schwule Kaufkraft - Studie: Homosexuelle Männer bleiben auch in der Wirtschaftskrise finanzstark"
Die Presse: "Kaufrausch in Pink"
Ich selbst habe das Thema zum Anlass genommen, mal wieder ins Village zu gehen (meine Lieblings-Gaybar) und dort mit den Gästen zu plaudern. Und siehe da: Einstimmig wird beschlossen, dass die Marktforschung kompletter Blödsinn ist, weil die Community, sofern sie überhaupt existiert, aus ganz vielen Individuen besteht. So was sollte auch mal gesagt werden - und genau das habe ich in meinem daraus entstandenen Artikel gemacht.
Im Prozess des Erwachsen-werdens stellt man sich oft Fragen... Bin ich ein Individuum? Bin ich anders als die anderen? Und, wenn ja: Ist das schlimm? Oder ist es vielleicht die natürlichste Sache der Welt, eine persönliche, individuelle Marke zu haben? Die Antwort auf diese Frage kam mir, als ich eine Packung Bio-Eier aus meinem Kühlschrank holte und öffnete: Da lag es nun, das einzig weiße Ei zwischen den braunen, und dabei ein Zettel, der sagte: "Ja! Natürlich."
Anders sein ist die natürlichste Sache der Welt. Wirklich rührend.
Gratulation in Bezug auf das Spiel im vorherigen Eintrag: Alexandra und meine Mutter haben Arnie mit Erfolg gefunden... Bravo, bravo!
Da mir diese Form von Interaktion mit den Leserinnen und Lesern dieses Blogs gefällt, habe ich beschlossen, ein Gewinnspiel auszurufen. Denn bei der CeBIT wurde freilich wieder eifrig mit Werbegeschenken um sich geworfen. Von der Deutschen Messe bekam ich eine Sonnenbrille im Arnold-Schwarzenegger-80erJahre-Terminator-Stil (Der Beipackzettel wies freundlich darauf hin, dass die Brille nicht vor Sonnenstrahlung schützt),von Kaspersky - bekannt für ihre abgefahrene Unternehmenskultur (mehr Infos? Hier klicken!) - gab es einen Schal. Und bei Intel bekam ich ein Shirt des "BMW Sauber F1 Team". Und dieses möchte ich hier verlosen.
Denn das Shirt sieht klasse aus und ist vermutlich der Traum eines jeden Formel 1-Fans oder Möchtegern-Boxenluders. Leider ist es aber Größe L und ist mir somit viel zu groß...
Deshalb verlose ich es hier an Menschen, die längere Arme haben als ich und folglich nicht vollkommen belämmert damit aussehen.
Na, Interesse?
Dann geht es hier an die Bedingungen: Um zu gewinnen, muss man auf diesem Blog bei drei verschiedenen Postings drei verschiedene Kommentare hinterlassen. Wer also schnell und gleichzeitig kreativ ist, bekommt von mir das hübsche Shirt persönlich überreicht (Ort der Übergabe ist Wien). Ausgeschlossen von der Teilnahme sind Bots und Mitarbeiter von www.stefanmey.com (also ich). Ende des Wettbewerbs ist, wenn der erste Gewinner feststeht, spätestens aber Silvester diesen Jahres.
Hier zur Motivation noch eine Großaufnahme vom aufgedruckten Schriftzug:
Wie angekündigt habe ich auf der CeBIT eine Foto von Arnie und Angie gemacht. Und das möchte ich Euch natürlich nicht vorenthalten. Meiner journalistischen Neugierde entsprechend habe ich mich natürlich schon recht früh zum Stand der Software AG begeben, wo die Beiden um 9:30 Uhr aufgekreuzt sind. Somit hatte ich die Chance, relativ weit vorne zu stehen. Ellbogen, die man auf der CeBIT gerne zum Sichern der eigenen Position in der Fotografie-Hackordnung einsetzt, hatte ich nur in den Rippen - Kollegen, die weiter vorne standen, dürften sie auch im Gesicht gehabt haben, als der Nachbarmann die Hände reckte, um schnell einen Schnappschuss vom Terminator zu machen.
Können Sie Arnie auf dem Foto finden? Suchen Sie eifrig; denn irgendwo auf dem Bild, zwischen Handys und Händen, muss er sein. Wer ihn als Erster entdeckt, kann das ja mit der "Kommentar"-Funktion dieses Eintrags kundtun.
Abgesehen davon bin ich mittlerweile wieder sicher in Wien angelangt und habe meine Artikel auf www.wirtschaftsblatt.at publiziert. Hier die Links:
Sodele, mein erster Tag auf der CeBIT nähert sich dem Ende. Und ich muss sagen, dass ich es inzwischen schon ganz gut im Griff habe. Meine erste Reaktion beim Betreten des Geländes mit 200.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche war ja reines Erstaunen, Ehrfurcht und ein Gefühl von Ich-fühle-mich-klein gewesen. Nun, nach den ersten Interviews und PKs, fühle ich mich schon wieder wie zuhause.
Noch ist ja alles im Aufbau. Viele Stände waren noch nicht fertig, als ich durch die Hallen spazierte; und an vielen Stellen blockierten breitschultrige Securities einem den Weg, wenn man einfach nur gemütlich an einem Stand vorbei spazieren wollte. Ich hoffe, dass das alles sauber, ordentlich, aufgebaut und geregelt ist, wenn Arnold und Angie morgen kommen.
Ja, richtig gelesen: Der Terminator und Frau Merkel werden morgen durch die Hallen spazieren und einzelnen Ständen einen Besuch abstatten. Ich werde versuchen, sie am Stand der Software AG abzupassen und ein cooles Foto zu schießen. Hintergrund der ganzen Sache ist nämlich, dass Kalifornien Partnerland der CeBIT ist. Entsprechend wurden beim gestrigen "Chill In" Sonnenbrillen im Terminator-Stil verschenkt; und als Werbefigur dient eine adrette junge Dame mit dem Namen "Kelly Fornia" (sic!). Arnie selbst ist heute auf einer Eröffnungsgala, auf die ich aber nicht eingeladen bin. Leider. Aber dafür darf ich morgen mit Sascha Lobo um die Stände ziehen, was sicher auch sehr lustig wird.
Nun ja. Bis es so weit ist, werde ich mir jetzt noch die Hannover Innenstadt geben. Und Ihnen lege ich währenddessen meine beiden ersten CeBIT-Artikel ans Herz; weitere sollen folgen:
Auch wenn ich meine ethnische Herkunft auf diesem Kanal selten hervor hebe, zu manchen Anlässen muss es einfach sein: Ich bin Rheinländer, oder - wie man in meiner Heimat sagen würde - "Isch binnene kölsche Jong!" Umso mehr leide ich alle Jahre wieder, wenn ich mit erleben muss, wie in hiesigen Breitengraden die heiligen Festtage des Karneval befeiert werden. Nämlich gar nicht. Man könnte ja meinen, ich hätte mich an eine solche Unart nach beinahe 12 Jahre im alpenländischen Exil gewöhnt, doch leider hat das Jahr nun mal 365 Tage - und auch wenn ich jedes Jahr von Neuem enttäuscht werde, so ist spätestens am 11.11. alles wieder vergeben und vergessen, so dass das Schicksal erneut seinen unheilvollen Lauf nehmen kann.
Dieses Jahr hatte ich viel vorgehabt: Ich wollte eine groß angelegte Karnevalsparty starten, sogar inklusive Nubbelverbrennung... Wie, Sie wissen nicht, was ein Nubbel ist? Das ist ein rheinländischer Brauch: Der Nubbel ist eine Puppe, die vor den Kneipen aufgehangen wird und dort während der gesamten Karnevalszeit hängt. Am Ende der Festivitäten wird er aufgebahrt und eine Anklageschrift vorgelesen: "Wer ist Schuld, dass wir unser ganzes Geld versoffen haben? Wer ist Schuld, dass wir fremd gegangen sind?" - und ein Chor aus Zuschauern ruft dann: "Der Nubbel war's! Der Nubbel!". Das ist so effektiv, dass es sogar Eingang in Jens Uwe Meyers Buch "Fest im Sattel - Insider-Strategien zur Jobsicherung" gefunden hat (nebenbei bemerkt angesichts der Krise ein sehr lesenswertes Buch). Der Autor rät, sich im Betrieb nicht zum Nubbel machen zu lassen; sonst wird man schnell Opfer diverser Telekom-Manager.
Doch ich schweife ab.
Tatsache ist, ich bin Österreich schon sehr entgegen gekommen: Ich habe das Wort "Karneval" durch "Fasching" ersetzt und mehrere mögliche Tage zur Auswahl gestellt, gemeinsam mit mir zu feiern; ja, ich hätte sogar Freibier geboten (!!!). Doch am Freitag, dem beliebtesten Ausgeh-Tag des Landes, war Tote Hose wie in Düsseldorf an Aschermittwoch; und auch weitere Versuche schlugen fehl.
Am Ende blieb mir dann nur noch, am Karnevalsdienstag einen letzten, verzweifelten Versuch zu starten. In dem Zuge landete ich im Charly P.'s, Wiens Lieblings-Location für versnobte Möchtegern-Harvard-Trunkenbolde. Die Verkledidungsquote lag bei ca. 10 Prozent; und das beliebteste alter ego war ein Clown - nicht irgendein Clown freilich, sondern der "Joker" aus dem letzten Batman-Film. Das ließ im Anbrat-Prozess Freiraum für Interpretation: Entweder, man war ein lustiger Mensch, der auf Clowns steht - oder eben der BadBoy-Serienkiller. Überflüssig zu sagen, dass ich recht früh wieder zuhause war.
Ich freue mich schon auf nächstes Jahr. Dann mache ich aber wirklich eine Party. Ganz ehrlich. Inklusive Nubbel.
Heute feiern wir den 80. Jahrestag des Valentinstag-Massakers, das am 14. Februar 1929, während der Prohibition in Chicago stattfand. Dabei handelte es sich um eine wilde Schießerei; und obwohl keine prominenten Opfer zu beklagen waren, erreichte das Blutbad auf Grund seiner Brutalität ein starkes Echo in den Medien. So lehrt es die heilige Schrift Wikipedia.
Heute stehen wir, auch wie vor 80 Jahren, vor einer globalen Wirtschaftskrise, deren wahre Auswirkungen wir in Österreich wohl erst zu spüren kriegen. Doch die Tatsache, dass bereits zahlreiche Unternehmen Stellen abgebaut haben, hindert die Player der Marktwirtschaft nicht daran, dieses Fest der Liebenden zur Ankurbelung des Absatzes zu nutzen. War der Valentinstag früher noch ein exklusiver Absatzmarkt für Floristen gewesen, steigen mittlerweile zahlreiche Anbieter auf den Zug auf.
Mir ist etwa von AKG angeboten worden, dass ich meiner Liebsten Kopfhörer schenke - ein skurriler Einfall; denn bei aller Technikverliebtheit kann ich mir romantischere Geschenke vorstellen als ein Kabel mit ein paar Stöpseln dran. Naheligender ist da freilich der SPAM, den man diese Tage bekommt: Heute erhielt ich bereits das zweite Mail mit dem Betreff "Happy Valentines-Daay" (skurrilerweise hatten beide Mails den gleichen Tippfehler), in dem mir das passende Medikament zum Tag der Liebe angeboten wurde.
Und Facebook springt natürlich auch auf den Zug auf. Ich behaupte ja seit Monaten, mit Martin K. verheiratet zu sein, um die Markt-Segmentierung und den Datenhandel bei den Verantwortlichen etwas prickelnder zu machen - schließlich ist der Rest meines Facebook-Profils äußerst heterosexell gehalten. Doch es half nichts: Beim Browsen durch diverse Profile wurde mir gestern nahegelegt, virtuelle Geschenke zu hinterlassen - Männern ebenso wie Frauen, meiner Freundin ebenso wie Menschen, die ich nur flüchtig kenne. Facebook fordert somit quasi zum virtuellen Seitensprung auf. Ist so was eigentlich verwerflich?
Könnte sein, denn die Flirt-Techniken wandeln sich: Gestern flatterte eine WindowsLive-Studie in meine Inbox, nach der sich 70 Millionen Europäer schon mal über das Internet verliebt haben, 5 Millionen Ehen sind daraus hervor gegangen. Die Studie wurde unter 78.000 MSN-Teilnehmern durchgeführt. Eine weitere Aussage der Umfrage ist, dass auf Grund der umhergehenden Angst vor dem bösen Wirtschaftskrisen-Gespenst die Ausgaben für Valentinstags-Geschenke zurück gehen: Letztes Jahr waren es 75 Euro pro Person (!), heuer "nur noch" 65 Euro. Und hier startet Microsoft natürlich auch gleich das "Verkaufsgespräch": Lieber ein MSN-Gespräch über das Web machen als teure Juwelen kaufen; denn das kommt billiger.
Liebe Leute, so ist das halt: Wenn Ihr auf der einen Seite Geld verspekuliert und Mitarbeiter abbaut, dann müsst Ihr auch damit rechnen, dass die Menschen mit ihrem Konsum vorsichtiger sein werden. Der Kreislauf zwischen Betrieben und Haushalten schaut nun mal so aus, dass die Betriebe Arbeitsplätze bieten und Gehälter zahlen, die Haushalte dafür Produkte konsumieren. Wenn das eine nur beschränkt getan wird, wirkt sich das zwingenderweise auch auf das andere aus. In dem Sinne kann es sein, dass die Krise durchaus ihre positiven Auswirkungen hat, die Menschen aufrüttelt: In Zukunft werden wir nicht mehr konsumieren, wenn uns ein Bedürfnis vorgeschrieben wird, sondern nur, wenn wir tatsächlich eines haben. Wir werden nicht mehr auf einen Valentinstag warten, damit wir unsere Liebsten beschenken, sondern es tun, wenn wir es für richtig halten. Und dann werden wir auch keine Kopfhörer, Viagra oder virtuellen Kuscheltiere schenken, sondern etwas, das von Herzen kommt.
Ich jedenfalls besuche heute noch meine Freundin. In echt. Nicht über MSN.
In dem Sinne: Alles Gute zum Massaker-Jubiläum.
Vor 80 Jahren schenkte Al Capone Blei statt Blumen.
Während wir bereits im Freundeskreis eifrig für den großen Monkey
Island Memorial Day werben, stoßen wir immer wieder auf neue Barrieren.
Etwa soll es in dieser Stadt doch TATSÄCHLICH Menschen geben, die die
Titel-Melodie des legendären Computerspiels nicht klar identifizieren
können... Unvorstellbar für einen echten Fan wie mich.
Ich habe für mich selbst beschlossen, mit drei Maßnahmen in dieser Richtung Aufklärung zu bieten:
Ich werde lernen, die Titelmelodie auf Gitarre zu spielen. Und jeder, der bei mir zu Gast ist, muss mir dann zuhören.
Ich poste auf meinem Blog dieses faszinierende Video eines
italienischen Rappers. Über die Titelmelodie des Spiels bringt er
lässig seine Lines, kombiniert mit phaten Latino-Beats... Bam! Die
Handlung des Videos ist auch für Nicht-Italienisch-Sprecher nachvollziehbar.
Alles Gute zum Geburtstag, Herr Darwin: Heute vor 200 Jahren wurde der Mann geboren, der "Die Entstehung der Arten" geschrieben hat und somit den Grundstein für die Evolutionstheorie legte. Auch wenn mir ein befreundeter Wissenschaftler kürzlich erklärte, dass unter "Evolution" heute etwas ganz anderes verstanden wird, bildet es für den Durchschnitts-Aufgeklärten des 21. Jahrhunderts doch die Basis für eine Gewissheit, dass man selbst vom Affen und in letzter Konsequenz von irgendeinem Ur-Schleim abstammt. Die Verwandtschaft mit letztgenanntem wird vor allem immer wieder deutlich, wenn eine Grippewelle über das Land fegt und man... aber Details dazu möchte ich Ihnen lieber ersparen.
Fakt ist: Es gibt noch immer genügend Kreationisten auf diesem Planeten, die eine Diskussion rund um Darwin nicht aus der Mode kommen lassen. Einige US-amerikanische Exemplare sind etwa der festen Überzeugung, dass die Erde nur 10.000 Jahre alt ist. Im (stark umstrittenen) Film "Zeitgeist" werden Kreationisten mit der Frage konfrontiert, wo dann all die Dinosaurier-Knochen her kommen. Plausible Antwort: "Die hat Gott vergraben, um unseren Glauben zu testen."
Der Link des Tages ist heute freilich http://creationiststoday.com/. Da sammelt eine junge Bloggerin allerlei lustige Eindrücke von Kreationisten. Hier ein paar Highlights.
Harry Potter ist der Teufel:
Sie wollte doch nur Liebe predigen... leider falsch:
Andererseits weisen manche Cartoons darauf hin, dass es sehr wohl auch fossile Nachweise für "Intelligent Design" gibt:
Der absolute Hit ist aber die Seite "Tool of Satan", die der Meinung ist, die "Krieg der Sterne"-Filme seien ein Werk des Teufels. Grund dafür ist, dass in Episode 3 das Böse gewinnt. Hier ein paar grafische Highlights der Seite:
Die lieben Leute waren sogar auf der Premiere von "Episode 3", um dort gegen den Film zu protestieren. Interessant sind die Reaktionen der "Star Wars"-Fans - Fanatismus auf beiden Seiten!
Doch keine Sorge: Bei näherem Betrachten stellt sich diese Seite als der Scherz einer amerikanischen Künstler-Gruppe heraus - wie auf http://www.ooze.com/pranks/ gezeigt wird. Wäre schön, wenn sich diese "Offenbarung" auch für ähnlich obskure Ideen zeigen könnte.
Wäh! Derzeit laboriere ich wieder mal an einer fürchterlichen Grippe. Die einzelnen Symptome zu beschreiben wäre an dieser Stelle nicht nur dem Leser unzumutbar, sondern auch vollkommen sinnlos, da sofort neue hinzukommen, sobald die alten zurück getrieben wurden. Wichtiger ist, dass ich nun viel Zeit zuhause verbringe und mich hier im Krankenstand schon sehr nutzlos fühle. Also habe ich mir mal aus gleich doppeltem Anlass die Aufgabe gestellt, der Menschheit zu helfen, indem ich der Frage nachgehe, wie wir aus der aktuellen Grippe-Wellen unsere Lehren zum Überstehen der Finanzkrise ziehen können.
Denn auch wenn das zuerst abstrus klingt: In beiden Fällen sind wir mit etwas konfrontiert, dem wir auf Grund seiner Größe (Viren sind mini-klein und die Finanzkrise unfassbar groß) und Abstraktheit (kaum wer versteht Mikrobiologie oder Geldpolitik wirklich) scheinbar nicht gewachsen sind. Aber dennoch... Die Grippe habe ich nun fast überstanden; und zwar auf Grund folgender Strategien:
Ich habe auf Medikamente nach dem neuesten Stand der Forschung gesetzt und diese der Verpackungsbeilage gemäß eingenommen.
Gleichzeitig habe ich auf altbewährte Hausmittel gesetzt; wie das Kauen von Ingwer und Tee-Trinken.
Meine Mitmenschen helfen mir: Meine Freundin pflegt mich, mein Chef lässt mich von zuhause arbeiten.
Last, but not least: Der eigene Wille zum Überleben zählt!
Dementsprechend lassen sich für das Anlaufen der Wirtschaftskrise, die uns dieses Jahr noch hart treffen wird (nämlich zeitverzögert deutlich später als die USA) folgende Ratschläge ableiten:
Auf die neuesten Technologien setzen. Aber nicht irendwie ohne Hintergrundwissen damit rum hantieren, sondern die Mittel weise nutzen. Facebook kann z.B. ein tolles Tool zur (Selbst-)Vermarktung sein; aber wer nur Fotos von sich selbst beim Saufen am Ballermann rein stellt, dem kann nicht mehr geholfen werden.
Altbewährtes: Der schönen neuen Welt zum Trotz gelten alte Werte noch immer. Mehr denn je sogar: Früher haben faule Elemente in einem Betrieb trittbrettfahren können; so mancher HR-Manager wird auf Grund des Kostendrucks in diesem Jahr aber den Rotstift ansetzen müssen. Daher gilt: Ohne Fleiß kein Preis.
Helfen und helfen lassen: Zugegeben, wenn Ihr Chef sie nach hause schickt ohne dass sie die Grippe haben, dann ist etwas faul - von daher kann man das oben Erwähnte nicht 1:1 umsetzen. Aber es gilt: Auf Freunde ist Verlass. Wohlgemerkt: Auf die echten Freunde, nicht die Speichellecker.
Überlebenswille: Siehe oben. Denn auch wenn man von der auf dieses Land zurollenden Kündigungswelle betroffen sein sollte, wird es mit dem entsprechenden Kampfgeist irgendwie schon wieder aufwärts gehen.
So, und nun geh ich wieder Ingwer kauen. Damit morgen wieder was weiter geht.
Da wir in Zukunft mit den Vorbereitungen für unser Event, den "Monkey Island Memorial Day", starten werden, schulde ich all jenen, denen diese Juwele der Computerspiele-Geschichte entgangen sind, etwas Aufklärung.
Kurz zusammengefasst die Handlung des ersten Teils:
Junger Bursch (Guybrush Threepwood) möchte Pirat werden.
Verliebt sich in die ansässige Gouverneurin Elaine Marley.
Diese wird von einem bösen Geisterpiraten (Le Chuck) entführt.
Le Chuck lebt in einem riesigen Affenschädel.
Den Affenschädel öffnet der Held mit einem riesigen Wattestäbchen, das er von vegetarischen Kannibalen ertauscht.
Er bespritzt den Geisterpiraten mit Malzbier
Der Geist stirbt (äh, ja...)
Happy End.
Das Spiel profitierte vor allem von seinen durchgeknallten Witzen und dem für damalige Verhältnisse revolutionären Soundtrack in Midi-Format. Außerdem stach die Handlung durch obskure Wendungen hervor; wem diese übrigens bekannt vorkommt, dem sei gesagt: Ja, die Fan-Community der Spiele ist fest überzeugt, dass "Fluch der Karibik" sich von "Monkey Island" hat inspirieren lassen.
Klickt auf das untenstehende Video... und lauscht... mehrmals... könnt Ihr es hören? Ja, ganz recht: Die Kaufhaus-Kette "Kohl's" hat sich für einen ihrer Werbespots anscheinend von der LeChuck-Theme des Computerspiels "The Secret of Monkey Island" inspirieren lassen. Ganz sicher ist das allerdings nicht. Oder - um es mit den Worten von Ron Gilbert zu sagen: "I've listened to it several times and it's hard to tell because I keep getting distracted by the great savings at Kohl's."
Nur noch eine Frage der Zeit, bis die Filialen geentert werden, würde ich sagen.
Seit dem gestrigen KickOff-Meeting für unser nächstes großes Event ist das Datum in Stein gemeißelt: Am 23. Mai findet in Wien der "Monkey Island Memorial Day" statt! Das Event wird der inoffizielle Nachfolger der "Monkey Island Revival Party", die wir im Februar 2008 veranstaltet haben. Wer damals dabei war, weiß, dass sich für dieses Event ein Landurlaub allemal auszahlt; die anderen sollten sich auf ein paar wilde Überraschungen gefasst machen... also: Termin unbedingt in's Logbuch eintragen; wer nicht kommt, wird den Haien zum Fraß vor geworfen!
Details zum eigentlichen Event möchte ich vorerst noch nicht verraten; unter der offiziellen Homepage (hier) kann man sich aber nochmal durch die schönsten Momente des letzten Events klicken.
Neben dem auf diesem Kanal bereits kolportierten "Write or Die" sollte auch ein weiteres Tool gegen das Prokrastinieren unter Schreiberlingen und Schreiberlinginnen nicht unerwähnt bleiben: "Sensation".
"Sensation" ist ein Spiel des Tagesspiegel, eines in Berlin ansässigen Zeitung. Hier können Möchtegern-Journalisten selbst bei der Erstellung einer virtuellen Zeitung mit wirken. Die Artikel der Hobby-Schreiber werden innerhalb der Community bewertet; die besten schaffen es auf die Titelseite. Das wäre an und für sich noch nicht besonderes; doch Sensation schafft es, den Stress eines Journalisten-Tags künstlich zu erzeugen.
Denn die Schreiber und Schreiberinnen kriegen eine Headline vorgegeben, sowie vier Wörter, die im Text vorkommen müssen. Klickt er oder sie auf "Start", tickt die Uhr: In nur fünf Minuten muss der Text fertig sein und obendrein nach Möglichkeit auch noch halbwegs Sinn ergeben.
"Sensation" ist auf diese Art ein nützliches Tool, sich selbst die Angst vor dem weißen Blatt zu nehmen (manche Leute haben so was ja); und nach den fünf Minuten Hardcore-Stress kann man sich ganz gemütlich an die echte Arbeit machen. Gewarnt sei allerdings auch vor dem umgekehrten Effekt: Wer nach den ersten Partie nicht aufhört, läuft Gefahr, süchtig zu werden, anstatt Geld zu verdienen. Das ist dann genau so fatal wie stundenlanges, sinnloses Rumsurfen auf Facebook-Profilen.
Sodele, die zwei Tage auf der ITnT-Messe sind nun auch vorüber. Gestern am Nachmittag bin ich nochmal auf's Gelände gefahren, um ein Interview mit dem 3-Chef Berthold Thoma zu machen. Da er mich rund 20 Minuten warten ließ, hatte ich in der Zwischenzeit Gelegenheit, den Gesprächen am äußerst trendy gestalteten Stand zu belauschen. Eher umangenehm war da wohl die genervte Aussage einer 3-Mitarbeiterin: "Wir haben alle keinen Empfang!" Vergleichender Blick auf meine eigenen Handys: Telering/T-Mobile: 3 von 6 Strichen; Orange: Volles Rohr. Kolportierte 98 Prozent Netzabdeckung kommen mir dabei wieder äußerst relativ vor. Rat findet man in solchen Fällen bei einem viel kleineren Aussteller, nämlich Geomarketing, deren Gewschäftsführer mich mal ordentlich über das Thema "Netzabdeckung" aufgeklärt hat (Mehr Infos dazu hier).
Rückschlüsse auf die Netzabdeckung der Mobilfunk-Betreiber sollte man aus meiner Beobachtung allerdings bitte nicht ableiten. Es handelt sich ja um einen rein subjektiven Erlebnisbericht meinerseits; und es kann auch sein, dass ich mich verhört habe - vielleicht sagte die Kollegin ja auch was ganz anderes.
Alles in allem also wieder mal eine lustige Messe. Auch wenn leider diverse Branchengrößen wie Microsoft und Mobilkom abgesprungen sind. Naja, vielleicht sieht man sich ja beim nächsten Mal - wenn man sich verpasst, kann man ja schnell im 98-Prozent-Netz anrufen.
Auf der ITnT bin ich wieder mal in die Falle getappt: Den sympathischen, freundlich lächelnden Promotions-Damen kann man einfach nicht widerstehen, wenn Sie einen zu einem Gewinnspiel einladen, bei dem man einen Blackberry, einen EeePC oder ein Thermenwochenende gewinnen kann (klaro, dass sie sich von gamprigen Messe-Besuchern zu letzterem entsprechende Fragen anhören müssen...). Die Preisfrage "Was erwarten Sie von einem IT-Dienstleister?" ist schnell beantwortet, Name auch angegeben - und dann zögert man, denn es wird freilich wieder eine Telefonnummer verlangt. Das Gehirn sagt: Pass auf, dann rufen Dich wieder massenweise zwielichtige CallCenter-Agents an!
Für solche Fälle - zum Schutz vor Stalkern und Gewinnspielverkäufern - gibt es jetzt telefonpaul.de: Bei der Site bekommt man gratis eine Telefonnummer, die man ab jetzt bei Gewinnspielen angibt. Ruft dann die Nervensäge an und will Bettwäsche verkaufen, hört er oder sie eine freundliche Stimme, dass der gewünschte Teilnehmer Telefon-Paul gebeten hat, mitzuteilen, dass er an einem Gespräch nicht interessiert ist.
Danke, lieber Telefon-Paul. So was war schon lange nötig!
Würden Sie für etwas zahlen, das sie auch gratis haben können? Eben. Ich auch nicht.
Leider gibt es aber Leute, die nicht wissen, was es im Web gratis gibt und was nicht - und das sind die potenziellen "Kunden" des Mannheimer Unternehmens opendownload.de: Diese bieten unter der Domain www.skype.AT den Skype-Client, mit dem man gratis über das Web telefonieren an, zum Download an. Der Haken: Während man beim Original-Anbieter unter der Website www.skype.COM auch die Software selbst gratis bekommt, verpflichten sich laut AGB Leute, die bei skype.AT ihre Daten hinterlassen und das Kleingedruckte überlesen haben, zwei Jahre lang jeden Monat acht Euro zu überweisen - ein ziemlich beschissener Deal, knapp 200 Euro für etwas auf den Tisch zu legen, das wo anders gratis zu haben ist.
Für die weitere Vorgangsweise empfehle ich den Lesern von stefanmey.com Folgendes:
1. Auf keinen Fall einem Vertrag dieser Art zustimmen.
2. Wenn Ihr einen Blog, Twitter-Acount oder Facebook-Profil mit vielen Freunden habt: Warnt Eure Freunde!
3. Falls Ihr schon einen Vertrag dieser Art unterschrieben habt: Auf keinen Fall zahlen. Unternehmen dieser Art drohen zwar gerne mit dem Anwalt, machen aber selten wirklich was - sie wissen ja selbst, dass sie nicht gerade zu den Engelchen des Internet zählen. Stattdessen könnt Ihr auf http://www.ak-konsumenten.info ein Muster-Schreiben für Euren Rücktritt aus der Klaue runter laden.
4. Wenn Ihr die Chefs von Opendownload.de mal auf der Straße trefft: Spuckt Ihnen ins Gesicht und rennt ganz schnell weg.
Skype erwägt übrigens bereits rechtliche Schritte, wie hier nachzulesen ist.
"Prokrastination" ist ein fürchterliches Wort: Es erinnert, wie Markus Kavka in seinem Buch "Elektrische Zahnbürsten" schreibt, einerseits an das Wort "Prostata", andererseits an "Kastration" - zwei unangenehme Aspekte des Lebens, die einem gestandenen Mann die Nackenhaare aufstellen. Tatsächlich bedeutet Prokrastinieren aber, Dinge heraus zu schieben, anstatt sie gleich zu erledigen - die allseits bekannte "Dafür ist morgen ja auch noch Zeit"-Mentalität also, von der Studenten ebenso betroffen sind wie Angestellte in Büros, die sich in der anonymen Grauen Konzernmasse verstecken können und Blogger, denen sowieso kein Chef im Rücken sitzt (Würde ich mein Bloggen nicht prokrastinieren, gäbe es hier deutlich mehr Einträge - Ideen habe ich ja genug...). Nun gibt es ein Tool, das in solchen Dingen hilft: "Write or Die". Die Seite zwingt einen dazu, so schnell wie möglich einen Text herunter zu klopfen, bis eine gewisse Zeit verstrichen oder ein gewisser Word-Count erreicht ist. Schafft man das Ziel nicht, wird man durch nervige Popups oder grässliche Geräusche bestraft.
Ein nützliches Tool. Mehr dazu erklärt das untenstehende Video.
"Lass mich rein, sie sind hinter mir her!"... In letzter Zeit sorge ich mit Aussagen wie dieser für Unverständnis bei diversen Freunden, Feinden und Verwandten. Sprechen sie mich darauf an, wovon ich eigentlich rede, ernten sie nur ein sinnloses Gestammel: "Die Zombies... sie sind hier... in Wien... hunderte... Gehirne.... fressen... sie fressen Hirn...". Auch mein Facebook-Feed litt am Wochenende heftig; Freunde mussten sich Meldungen wie "Hietzing ist bereits vollständig in Zombie-Hand" oder "Noch ist es ruhig - aber meistens kommen sie erst nachts raus" anschauen.
Nun schulde ich den wenigen Freunden, die ich noch habe, eine Erklärung: Seit kurzem teste ich nämlich das T-Mobile G1, das erste Android-Handy der Open Handset Alliance. Besonders cool an dem Gerät ist, dass man im integrierten "Shop" alle möglichen Spiele herunter laden und installieren kann (und auch nützliche Applikationen - aber wer braucht das schon?).
Dort entdeckte ich "Zombie, Run!", das der Programmierer zum Download anbot mit der Erklärung: "Dies ist kein Spiel, es ist echt. Wenn Sie auf "Download" klicken, stimmen Sie zu, dass Sie uns nicht verklagen, wenn Sie von einem Auto überfahren werden."
Tatsächlich funktioniert das System von "Zombie, Run!" in Kombination mit Google Maps und dem im Handy integrierten GPS-Empfänger. Normalerweise sieht sich der Anwender von Google-Maps auf dem Android nämlich als blinkenden Punkt; "Zombie, Run!" fügt dieser Karte nun einen Ziel-Punkt zu, den der Spieler erreichen muss, plus ein paar Dutzend Zombie-Symbole... Das Ziel des Spiels ist nun, den Ziel-Punkt zu erreichen, ohne dass der eigene Punkt einen Zombie-Punkt berührt.
Gesteuert wird die Figur des Spiels - richtig erraten! -, indem man selbst wie ein Wahnsinniger durch die Straßen läuft und zwischendurch den Bildschirm betrachtet, ob ein Zombie gleich um die Ecke kommen könnte. Das Spiel hat somit einen einzigartig innovativen Ansatz der Steuerung, den ich in dieser Form noch nie gesehen habe - hier werden endlich Fiktion und Realität untrennbar miteinander verbunden!
Im Test war aber "Zombie, Run!" gerade im urbanen Raum recht schwer zu spielen. Während die Untoten sich nämlich frei auf der Karte bewegen, ist man selbst an Straßen und Gassen gebunden (es sei denn, man ist leidenschaftlicher Fassadenkletterer, dann kann man auch die Hausdächer nutzen... aber wer ist das schon?). Mein Verbesserungsvorschlag daher: Das Element "Shotgun" integrieren, bei dem der Spieler durch Schütteln des Handys den Ausgeburten der Hölle das Hirn weg blasen kann.
Wie Erfindungen wie diese unser menschliches Zusammenleben auf offener Straße sowie den Generationskonflikt nachhaltig prägen werden, überlasse ich an dieser Stelle der Phantasie des Lesers.
Einen Bericht über weitere Android-Entwicklungen gibt es es übrigens hier, einen Handy-Test hier.
Die Installation soll innerhalb weniger Stunden gelaufen sein; und das Projekt wird schon ein wenig als Vorbote gesehen, dass Asus - welche ebenfalls Mitglied der Open Handest Alliance sind - in Zukunft Netbooks mit dem Android-Betriebssystem raus bringen könnten.
Fragt sich nur noch: Sieht es doof aus, wenn ich damit meine Mama anrufe und mir dabei das Netbook an's Ohr halte?
Nokia hat ja, während andere schon mit Touchscreens um sich warfen, die Presse immer beruhigt mit Aussagen wie: "Wir warten, bis wir's wirklich können - und dann präsentieren wir unser Produkt." Das Ergebnis ist dann ganz okay, haut einen aber nicht vom Hocker. Damit das Display reagiert, muss relativ fest aufgedrückt werden. Das ist zwar einerseits ein Vorteil, da das Problem weg fällt, aus Versehen aufzulegen, wenn man mit der Backe beim Telefonieren ans Display kommt (da gibt es genug Geräte, die damit Probleme hatten...), ist aber manchmal auch lästig: Beim Browsen durch Bilder eifert das Handy nämlich dem iPhone nach - anders als beim Apple-Produkt muss man beim Übers-Display-Streichen aber nun fest aufdrücken, sonst passiert genau gar nix. Außerdem gibt's keinen Multitouch - für ein Produkt vom (Noch-)Branchenführer, der sich extrem viel Zeit ließ, ist das schon eine sehr schwache Leistung.
ScummVM funktionierte in meinem Test nicht - leider; denn ich hätte gerne Monkey Island auf einem Touchscreen gespielt. Dafür ist eine 3D-Touchscreen-Version von Bounce vorinstalliert - wer's braucht... Im Web habe ich mir außerdem ein digitales Piano runter geladen, das mit einer Sekunde Latenzzeit aber ziemlich unspielbar ist.
Anders als andere Musik-Handys hat das 5800 keine mp3-Player-Tasten, was auch noch ordentlich Minuspunkte bringt.
Der Verpackung liegt komischerweise ein Plektron bei. Das ist aber nicht dazu da, um auf dem Handy Gitarre zu spielen, sondern soll wohl dazu dienen, die Sim-Karte zu entfernen, die recht komisch untergebracht ist - in einem Slot wie dem SD-Slot, aber ohne Schnappmechanismus - zur Entfernung muss also der Akku raus genommen und die Sim-Karte über einen Spalt mit dem Plektron raus gefriemelt werden. Komplizierter wäre es wohl nicht möglich gewesen...
Alles in allem: Wer auf Nokia steht und unbedingt ein neues Touchscreen-Handy braucht, findet ein Produkt, das okay ist, aber nicht begeistert. Allen anderen rate ich, entweder auf's N97 zu warten oder sich anderweitig umzusehen.
Sodele, ich hab die Beta-Version soeben mal ein wenig unter die Lupe genommen. Allgemein bin ich recht zufrieden; das Ding sieht so hübsch aus wie Vista, ist aber so flott wie XP - und das ist eine recht brauchbare Kombination. Hoffen wir nur, dass Redmond bis zum endgültigen Release das Produkt noch unnötig "bespeckt" - in der jetzigen Version ist es cool, zu viel zusätzlicher Schnickschnack würde schaden.
So, es ist soweit: Auch Normalsterbliche können jetzt Windows 7 betatesten; seit Freitag Nacht bietet Microsoft die Software unter www.microsoft.com/windows7 zum Download an.
Freitag nacht waren die Server durch die große Nachfrage anscheinend so überlastet, dass vorerst gar nix mehr ging; seit gestern lassen sich aber sowohl 32- als auch 64Bit-Version in deutscher Sprache runterladen. Dazu muss man u.a. seinen Namen und sein Herkunftsland angeben; außerdem braucht man einen gültigen Live- oder Hotmail-Account. Lustig ist, dass sich der Download bei mir via Firefox nicht starten ließ; ich empfehle also das kurzfristige Umsteigen auf den Internet Explorer.
Wer das Ding testet, sollte dafür außerdem einen separaten Computer haben - man weiß ja nie...
Mir ist egal, was andere zum "Wort" und "Unwort" des Jahres erklärt haben - aus meiner Perspektive war "Finanzkrise" jener Ausdruck, der mir im letzten Quartal am meisten zu Ohren gekommen ist. So mancher hat sich hier auch als Experte hervor getan, ohne zu wissen, wovon er wirklich spricht; und auch die Ursachen waren für einige etwas Schwammiges, Abstraktes.
Schön, dass ein amerikanischer Blogger die Ursachen der Krise nun grafisch hübsch aufbereitet hat. Das Fundstück stelle ich hier mal gleich zur Verfügung; schließlich soll man auf stefanmey.com ja auch was G'scheites lernen!
So, das war's: Vor einer Woche habe ich mein Postgraduate-Studium "Public Communication" am Publizistik-Institut der Uni Wien erfolgreich abgeschlossen. Ja, genau, ich bin fertig - finito. Kein Rumsitzen in abendlichen Vorlesungen mehr, keine Lern-Wochenenden, keine Sommerabende, die ich in dunklen Räumen mit dem Schreiben einer Master-Thesis verbringe, während der Rest des Freundeskreises auf einer Wiese in der Sonne sitzt und sich biertrinkend über die neusten Handy-Systeme unterhält.
Die letzte Woche über genoss ich die Freiheit. Ich habe ausschließlich gelesen, was mir Spaß macht - unter anderem habe ich mich dran gemacht, den 1000-Seiten-Wälzer "Shantaram" durch zu arbeiten. Ich habe Musik gemacht - mit meiner neuen Band, die sich konstant verbessert. Und ich habe Zeit mit meiner Freundin verbracht. Und mit meinen Freunden. Denn die mussten die letzten Wochen über schon genug darunter leiden, dass ich kaum Zeit für sie hatte.
Schön, wenn man sich seine Freizeit endlich selbständig einteilen kann. Übrigens: Offiziell darf ich mich jetzt "Mag. Mey MA" nennen. Hurra.
Kommenden Dienstag (11. November) um 20:30 Uhr ist es so weit: Das lang erwartete Finale der in Ein-Jahres-Abständen produzierten Fahrrad-Trilogie wird auf Okto ausgestrahlt. Dem dritten Teil wollte ich ursprünglich den Titel "Episode III - Die Rückkehr der Alu-Rahmen" geben - aber das war mir dann doch zu doof. Dementsprechend heißt das Ding einfach nur "Fahrradfahrer in Wien".Über den Inhalt möchte ich nicht allzu viel verraten. Stattdessen lasse ich den folgenden Trailer für sich sprechen.
Seit gut 24 Stunden bin ich nun wieder in Wien. Das bedeutet: Warme Dusche. Grauer Himmel. Trinkbares Leitungswasser. Keine Stromausfülle. Keine Tiere auf der Straße. Auch nicht in der Kleidung. Und über die Straße geht man nur, wenn die Ampel grün leuchtet. Meistens zumindest; meistens, wenn Kinder zusehen.
Mein Kopf hängt noch ein wenig in Mumbai; denkt an die letzten warmen Tage dieses Jahres. Dort bin ich mit meiner Schwester und einem Aussteiger-Backpacker vor der Universität im Fort-Viertel gesessen, in einem kleinen Park, habe unter der heißen Mittagssonne ein Cricket-Spiel verfolgt, dazwischen in den frisch erworbenen Comics gelesen, die die Geschichten von Ganesh, dem Gott mit dem Elefantenkopf, erzählen. "How culturally immersive is that?" hatte Martin, der Aussteiger, gefragt. Wo er Recht hatte, hatte er Recht.
Am Nariman Point gestanden und die Fischerboote beobachtet, wie sie sich in den Wellen wiegen. Den Marine Drive entlang spaziert und Familien der Neuen Mittelklasse gesehen, wie sie den Abend am Meer verbringen. Nachts über die Chowpatti Beach spaziert; dann einen Kaffee im Coffee Day getrunken, wo sich wohlhabende junge Inder auf einen Plausch treffen. Starbucks-Kopien und Mittelklasse-Familien, relativ wenig Obdachlose - viel ändert sich, wenn man 15 Jahre lang fort ist.
Andere Dinge wiederum bleiben gleich. Die Deutsche Schule Bombay, in der ich die Vormittage meiner Kindheit verbracht hatte, steht noch immer; der Garten ist genau so eine Oase der Ruhe wie damals. Die Nachmittage hatten wir im Breach Candy Club verbracht; auch den gibt es heute noch, und die deutschsprachige Community trifft sich dort täglich. Familien planschen dort im Pool, Kinder lernen Tennis spielen - und das Soda Lemon ist das beste der ganzen Welt.
Die meisten Backpacker bleiben nicht lange in Mumbai, finden die Stadt zu hektisch, sind irritiert durch die Anzug-tragenden Business-Leute, die in Colaba herum spazieren. Aber ich liebe dieses Drecksloch mit seinen 14 Millionen Einwohnern. Denn ich habe gemerkt: Auch Mumbai ist Zuhause. Hier bin ich aufgewachsen, und ich kenne noch immer so manche Ecke der Halbinsel wie meine Westentasche. Sie hat mich geprägt und mich zu einem Teil zu dem gemacht, was ich heute bin. Und das ist gut so.
Zuerst ist es wirklich anstrengend: Bei jeder Gelegenheit kommen sie auf einen zu und beginnen ein Gespraech, meistens mit der Intention, mir etwas zu verkaufen oder mich anderweitig ueber's Ohr zu hauen. Vor allem in den groesseren Staedten Indiens und in den Touristenmagneten sind einheimische Ramsch-Haendler und selbsternannte Fremdenfuehrer eine echte Plage. Aber es gibt auch die andere Seite.
Als ich etwa in Jaipur auf den Zug nach Udaipur wartete. Da kamen nach und nach junge Maenner her und begannen Gespraeche, meist mit oberflaechlichen Fragen der Form "Wie heisst Du?" und "Wo kommst Du her?". Redet man aber etwas mehr mit ihnen, gehen die Gespraeche schnell tiefer. Dann kommen ploetzlich Fragen wie "Glaubst Du an Gott?" und "Hast Du die wahre Liebe schon gefunden?" Beides Fragen, ueber die man im hektischen Wiener Alltag viel zu selten nachsinnt. Ob er an die wahre Liebe glaube, frage ich meinen Gespraechspartner, einen Technik-Studenten, zurueck. "Ja, ich hatte sie gefunden", sagt er' "aber dann wieder verloren." Mit 18 Jahren wurde sie an jemand anders verheiratet.
Ein anderer ist Jus-Student und kennt Wien: "Da sind Teil-Organisationen der UNO." Schoen, dass man das 29-Prozent-Land in Fernost anders kennt.
"In Wien war ich, die sprechen fuerchterliches Englisch", sagt wiederum der Regional-Leiter eines indischen Finanzunternehmens, der mit mir ein Zugabteil teilt. Er war in Wien gewesen und zeigt uns auf seinem HP-Laptop Fotos von Schoenbrunn. Er habe versucht, mit einer Kellnerin zu flirten, aber die habe es einfach nicht kapiert, sagt der Mann, der das Dreifache meiner Koerpermasse hat. Er gibt mir nuetzliche Tipps, sucht mir eine Zugfahrt von Udaipur nach Bombay raus und wird ueberhaupt eine Weisheit los: "Im Sanskrit sagt man, Gaeste seien den Goettern nahe." Deshalb seien alle so erpicht auf Gespraeche mit Auslaendern - Schwarze Schafe gebe es aber dennoch.
In Udaipur angekommen finde ich eine Stadt vor, die viel ruhiger ist als Jaipur. Mit nur rund 500.000 Einwohnern gibt es hier weniger Verkehr, weniger Laerm und weniger Bescheisserei. Mit einem Buchmacher (so etwas gibt es tatsaechlich) habe ich lange Gespraeche ueber Karma und Religion gefuehrt; in einem Tempel kam ich der hinduistischen Religion etwas naeher (Nachtrag zum letzten Eintrag: Der Sonnengott heisst "Surya"). Ausserdem habe ich einen Kurs im Floetenspiel belegt, morgen lerne ich Yoga und das Zubereiten indischer Speisen.
Danach geht es im Zug auch schon zu unserer letzten Station: Bombay - der Ort, an dem ich aufgewachsen bin.
Gewissen Menschen im engeren Kreis wird schon aufgefallen sein, dass Wien seit einigen Tagen in meiner Abweseneheit erglaenzt. Denn statt mich an Regen und Kaelte zu erfreuen, kaempfe ich mich auf der Suche nach mir selbst und etwas interessantem zu essen durch die Strassen Rajasthans. Derzeit weile ich in Jaipur, der Hauptstadt des Wuesten-Bundeststaats Indiens. Das Bild insgesamt: Staubige Strassen, ueberall laestige Haendler und jede Menge Tiere - frei laufende Hunde, Katzen, Affen, heilige Kuehe und sogar Wildscheine, die vor unserem Hotel sich nachts in stinkenden Muell betten, gemeinsam mit den Affen.
Aber es gibt freilich mehr als nur das: Gestern etwa waren wir am heiligen Affentempel, der dem hinduistischen Sonnengott gerwidmet ist (den Namwen habe ich vergessen, laesst sich bei Bedarf via Lonely Planet aber schenll nach recherchiren). Am Fuss des Huegels, den es zu erklimmen galt, trafen wir ein freundliches indisches Ehepaar, das gemeinsam mit uns hinauf zum klettern begann, vorbei an den zugedroehnten Hindu-Priestern, die zu unserer Begruessung erst mal ordentlich auf den Boden spuckten.
Oben angekommen, fanden wir einen kleinen Tempel vor. Wir entledigten uns unserer Schuhe, beruehrten zur Begruessung mit unserer rechten Hand den Boden, laeuteten eine Glocke. eine Priesterin, die rund 100 Jahre alt sein duerfte, bat uns naeher zu treten und uns nieder zu setzen. Vom Strassenlaerm der Grossstadt war hier nichts mehr zu hoeren, stattdessen kuehlte eine leichte Brise unsere erhitzten Koerper, das Licht der untergehenden Sonne tauchte die Szene in sanfte Gold-Toene.
Die Priesterin segnete uns, versah uns mit dem heiligen Mal auf der Stirn. Blumen-Girlanden wurden uns umgehaengt. Wir fuehlten uns erleuchtet, verweilten noch einige Zeit, im Schneidersitz sitzend.
Dann wollten wir aufbrechen, und zum Abschied wollte ich der alten Dame noch 20 Rupien da lassen.
"Nein", sagt die Heilige: "Ich will 100."
Wir feilschten einige Zeit um den Preis der Erloesung und einigten uns schliesslich auf 50 Rupien, sowie einen Kugelschreiber fuer ihren Lehrling.
Auch Spiritualitaet ist in Indien kaeuflich.
Angriff der Affen-Krieger
Das Beispiel ist nur eines von vielen fuer die verrueckten Abenteuer, die man in Indien erlebt. Am Weg zurueck vom Tempel mussten wir gegen eine Horde Affen kaempfen, die uns ansprangen und kratzten, weil sie Futter von uns erkaempfen wollten. Die Horde war nicht zu unterschaetzen - und ich bin froh, dass ich in eine Tollwut-Impfung investiert habe.
Andererseits gewoehnt man sich auch an so manches. Ein beliebtes Fortbewegungsmittel sind Fahrrad-Rikschas, die Fahrer bezeichnen sie stolz als "Indian helicopter". Waehrend unserer ersten Fahrt auf einem solch instabilen Gefaehrt durch Delhis verstopgfte Strassen hatten wir noch Todesaengste gehabt - mittlerweile empfinden wir Gehen im Vergleich als viel zu anstrengend. Rikschas - Fahrrad oder motorisiert - sind angenehme Fortbewegungmittel geworden.
Und auch gegen die Bescheisserei haben wir inzwischen recht gute Karten beeinander. Als uns vor dem Taj Mahal in Agra ein paar falsche Fuehrer "in wenigen Minuten" rein brinen wollten, liessen wir sie links liegen und fanden den zweiten Eingang stattdessen selbst. Auch mit Rikscha-Fahrern handeln wir den Preis aus, bevor wir das Gefaehrt besteigen - damit wird der Geldbeutel deutlich geschont.
Freilich schuetzen solche Taktiken nicht davor, dass man sich - wie vor wenigen Minuten geschehen - auf dem Fahrzeug eines Betrunkenen wieder findet, der das Hotel nicht findet und auf der Suche danach auf einer vierspuriegn Strasse gegen die Fahrtrichtung faehrt.
Oesterreich ist nah
Bollywood-Interessierten kann schliesslich noch der Film "Drona" ans Herz gelegt werden, den wir uns gestern fuer satte 1,30 EUR im groessten Bollywood-Kino Rajasthans angesehen haben. Da alles auf Hindi war, haben wir nur recht wenig verstanden - es ging mal wierder um einen Helden, der gegen einen boesen Zauberer kaempft. Die Handlungsorte kamen uns verdaechtig bekannt vor - als wir schliesslich waehrend einer wilden Verfolgungsjagd im Hintergrund eine rot-weiss-rote Fahne wehen sahen, tippten wir auf den Handlungsort Salzburg.
Morgen werden wir uns in einen Zug setzen und nach Udaipur weiter fahren. Ab dort geht es weiter nach Mumbai, und dann wieder heimwaerts - wo es mildes Essen, trinkbares Wasser und wundervoll kalten Regen gibt.
So, der Herbst hält Einzug, der Sommer ist vorbei - und damit auch die seit März dauernde Sommerpause des Community.talk-Teams. Passend zum (leider abgesagten) PixelGameRevival-Fest haben wir uns in das Land der Pixel-Helden begeben und Interviews mit Gerneral Space Invader, Mag. Pacman, Franz Lemming und Dr. Pong geführt. Dazwischen gibt es einige lehrreiche Informationen rund um das Genre alter Computerspiele.
Also, unbedingt anschauen.... an folgenden Terminen:
Dienstag, 16.9., 20:30 Uhr
Mittwoch, 17. 9., 18:30 Uhr
Donnerstag, 18.9., 16:30 Uhr
Freitag, 19.9., 14:30 Uhr
Samstag, 20.9., 12:30 Uhr
Sonntag, 21.9., 10:30 Uhr
Vorerst exklusiv bei Okto (seit gestern ÖSTERREICHWEIT!) und auf http://www.okto.tv/webstream als Webstream (für die Leser aus der Bundesrepublik, Russland und den USA...). Später werden wir auch DVDs verborgen und vielleicht einen Blip-Upload machen. Vielleicht. Mal schauen.
leider müssen wir das "Pixel Game Revivals"-Fest am 24. Oktober nun doch absagen; Grund dafür sind diverse Uneinigkeiten, die wir außerhalb des Vereins mit sehr schwierigen Partnern hatten. Da wir diese Projekte nebenberuflich und ohne Aussicht auf finanziellen Gewinn machen, mussten wir PixelGameRevivals somit auf Eis legen. Ein Spaß-Projekt ohne Spaß macht einfach keinen Spaß
Vielleicht machen wir im Winter dennoch ein Event dieser Art - anders halt. Fix ist in dieser Hinsicht aber noch nix, wir halten Euch auf dem Laufenden.
Das Schöne an der Veranstaltung von abgefahrenen Festen sind die unterschiedlichen Schritte, die man bis zum eigentlichen Abend durchläuft. Nun, mehr als eineinhalb Monate vor dem eigentlichen Event, bin ich bereits mitten in der Recherche-Phase. Musikalisch habe ich mich dabei an "Sabrepulse" erinnert, der in seiner Heimat Großbritannien auch unter dem Namen "The Nintendo Kid" bekannt ist. Ich habe den quirligen kleinen Kerl aus Aberdeen Ostern 2006 während einer gemeinsamen Performance kennen gelernt, und er hat mein Verständnis von elektronischer Musik grundlegend verändert: Sabrepulse vermischt Nintendo-Melodien mit harten Techno-Beats! Nachzuhören ist das auf: http://www.myspace.com/sabrepulse - viel Spaß damit!
Hurra, da freue ich mich aber: Maja Nizamov tritt dem Organisationsteam von Pixel Game Revivals (ein Fest am 24. Oktober auf der Angewandten) als meine PR-Assistentin bei! Der Beitritt wurde gestern telefonisch abgesiegelt, und ich freue mich wahnsinnig; denn Maja hat so wie ich "Public Communication" studiert und somit die gleiche Elite-Schule durchlaufen - da weiß man doch, was man hat! Außerdem kann Maja texten, da sie eine super-coole Journalistin ist; sie spricht durch ihre multinationale Herkunft extrem viele Sprachen und wird wohl den ganzen Balkan für das Fest zur Wiederbeebung der Computerspiele-Kultur nach Wien bringen; und überhaupt... ist sie ein absoluter Sonnenschein!
Majas Aufgaben werden sich neben diversen Textereien und aktive Präsenz auf dem Fest auch um die Betreuung von Journalisten drehen, wenn ich gerade mit anderen Dingen beschäftigt sein sollte... Zu kompliziert? Sicher nicht für Super-Maja! Herzlich willkommen im Team!
PS: Vorbereitungen für Pixel Game Revivals - das Fest zur Wiederelebung des Geists alter Computerspiele von Pacman bis Lemmings - sind gerade am Anlaufen. Wer noch dem Team beitreten möchte, ist herzlich dazu eingeladen, Majas positivem Beispiel zu folgen.
Da ahnt man nichts Böses, macht sein GMX-Mailfach auf und wird mit einer schockierenden Flash-Animation konfrontiert: Mundgeruchsopfer fordern ihre Rechte! Sie halten ihre Zahnbürsten hoch wie wütende Gewerkschafter ihre geballten Fäuste, Schilder tragen Aufschriften wie "Wir brauchen Zahnhygiene". Klickt man auf den Werbebanner, landet man auf einer Website, auf der ein Redner in Rudi-Dutschke-Manier auf einem Pult steht und die Zuhörer auffordert, sich einer "Revolution für ein ganz neues Putzgefühl anzuschließen. "Entscheiden Sie sich für eine saubere Sache!" fordert er vor der Menge aus Flash-Animanten.
Dann schwenkt Dutschke Zwei um und wechselt zum Kommerz; beschreibt die neue Zahnbürste von Oral B, verrät sich dabei selbt und kommt gleichzeitig zum Punkt. "Denn es ist Zeit für eine neue Bewegung," schließt er.
Oh Mann...Die Rede ist hier von Zahnbürsten... Was kommt als nächstes? Djihad-Videos für Waschmittel?
Früher (also letztes Jahr) war das Schreiben von Diplomarbeiten eine echt zaache Sache: Kumulativ gerechnet haben wir ganze Tage in dunklen, herzlosen Bibliotheken verbracht, die Arbeit selbst haben wir an einem einzigen Computer geschrieben, sichern konnten wir alles bestenfalls auf einem USB-Stick - wenn wir den verloren haben und gleichzeitig die Festplatte hops ging (alles schon mal vorgekommen), sind schnell mal drei Monate Arbeit passé gewesen.
Heute sieht das zum Glück anders aus: Für meine derzeitige Abschlussarbeit werde ich kein einziges Mal in eine Bibliothek schauen; die Arbeit hat mir Google zum Glück abgenommen, indem sie alle wichtigen Bücher eingescannt und auf http://books.google.com zur Verfügung gestellt haben. Zwar kann ich mir hier nichts anstreichen, ausdrucken oder raus kopieren (nicht mal Screengrab kriegt das auf die Reihe, grmpf...), aber dafür überall lesen, wo ich online bin, und gleich in meine Arbeit rein schreiben... Was, gleich rein schreiben? Wie soll das denn gehen? Die ist doch gar nicht immer dabei...
Doch, ist sie. Denn USB-sticks sind voll von gestern, mittlerweile speichere ich meine Daten immer in Office Live Workspace online ab - das gibt es für's neue MS Office sogar als Plug-In; man merkt nicht mal mehr den Unterschied zwischen dem Arbeiten auf der eigenen Platte oder im Online-Ordner. An Fremd-Computern kann ich das gute Stück dann entweder direkt aus dem neuen MS Office öffnen; oder ich verzichte auf etwas Schnickschnack, lade es runter, bearbeite es im gratis OpenOffice und lade es dann wieder rauf. Voilà!
Ach ja, und dann war man ja früher immer an den Schreibtisch gefesselt... Die Zeiten sind auch vorbei dank Laptops, Smartphones und leistbarem mobilem Internet. Wer will, kann seine Arbeit also auch auf dem Handy fertig schreiben, wenn er gerade auf die U-Bahn wartet. Aber man kann's ja auch übertreiben, Pausen müssen ebenfalls sein.
Hurra, das nenne ich mal ein gelungenes Fest! Den Samstag haben wir mit wilden Schlauchboot-Schlachten, am Strand rum liegen und Gitarre spielen am Pier verbracht - ein Kurzurlaub der etwas anderen Art.
Katerbedingt sind Herr N. und ich erst um 16 Uhr aufgekreuzt, zu diesem Zeitpunkt war Captain Toothbrush gemeinsam mit Captain Bob und seiner Crew bereits unterwegs, um Schätze aus der Alten Donau zu fischen - keine Frage, dass die Freihausviertel-Crew da zuschlagen muss; und so entbrannte eine wilde Seeschlacht um das Erbeutete: Schlauchboot gegen Tretboot, Wasserbomben en masse, trocken blieb niemand.
Anschließend: Kostüme auswringen, auf den Strand legen, von der Sonne trocknen lassen. Eine weitere Tour mit dem Tretboot, diesmal bewaffnet mit Gitarre, Trommel und Videokamera, so dass das erste provisorische Musikvideo unserer Band (deren Name noch geheim gehalten wird) gedreht wurde.
Den Abschluss des Tags hatten wir mit einer Nachtwanderung - es ist unglaublich wieviel Insular-Volk von Laternen angezogen wird - und einer Chill-out-session am Pier. Alles in allem ein gutes Fest.
Ihhhhhhhhhhhhh, so ein Ekel-Wetter... Man mag sich fragen, wo der Sommer geblieben ist - und die Antwort habe ich gefunden: In der Infoscreen-Redaktion. Deren Meldungen scheinen nämlich vor Aussendung nicht geprüft zu werden; so konnte ich in meinem heutigen Mond-Kalender am Karlsplatz lesen, ich solle eine Sonnenbrille tragen, um mich vor der hellen Sonne zu schützen. Auch Sport sei ratsam - etwa eine abendliche Radtor. Schön; bleibt eigentlich nur noch die Frage: Sonne, was ist das?
Vor einer halben Ewigkeit habe ich auch im Marketing gearbeitet; und ich weiß, wie schwer es ist, sich etwas Neues einfallen zu lassen. Gerne greift man vor allem im Bereich der Kundenbindung auf altgewährte Techniken zurück. Ich etwa ließ die Kunden damals Punkte sammeln, die sie bei uns gegen Geschenke (tolle Sachen - von Regenschirmen bis Autobatterien) eintauschen konnten. Das Sammeln von Kunndendaten war damals im Konzept noch nicht vorgesehen gewesen - im Gegensatz zu den Ansätzen, die diverse Handelsunternehmen heute haben.
Bei der Bäckerei "Der Mann" werden die Kunden in dieser Hinsicht schon zu früher Morgenstunde zu intellektuellen Höchstleistungen angespornt. Das letzte Mal erhielt ich dort passend zu meiner Melange-Bestellung eine "Kaffee-Karte", die ich mit "Kaffee-Punkten" voll klebe - nach zehn mal kleben kriege ich einen gratis Kaffee. Heute bestellte ich ein Kipferl und wollte den dazu passenden Punkt gleich einkleben, wurde aber zur Vorsicht ermahnt. "Achtung", sagte die Verkäuferin: "Nur die blauen Kaffee-Punkte gehören in den Kaffee-Pass, die roten Verwöhn-Punkte müssen in den Verwöhnpass" Bei Verwechslung droht die Gefahr, den ganzen Pass mit einem einzigen mal Kleben zu versauen.
Seitdem trage ich nun beide Pässe mit mir rum, inklusive der dazu gehörenden Punkte. Beim Verwöhnpass braucht man 30 Aufkleber, um sich anschleißend "überraschen zu lassen". Bei einem Einkauf von 69 Cent erhalte ich einen Punkt, ab 6,99 Euro zwei Punkte. Puh, nicht so einfach - aber das kriege ich schon irgendwie hin. Denn: Wenn ich insgesamt 30 Mal gegen meine Morgenmüdigkeit angekämpft und richtig gepickt habe, kriege ich dafür ein Frühstück. Mit den restlichen 15 Kunden- und Mitgliedskarten in meiner Geldbörse habe ich ähnlich reizvolle Super-Vorteile - da akzeptiert man doch ganz gern, dass man wegen der Karten-Massen in der Hosentasche von hinten so aussieht als habe man ein Furunkel am Allerwertesten.
Wer hart arbeitet (nicht zuletzt an intensiver EM-Berichterstattung), der verdient es, für ein Wochenende die Zelte abzubrechen, sich ins feinste Piratengewand zu werfen und in See zu stechen... und genau dies tun wir! Am 26. und 27. Juli hat jenes Team, das im Februar für die Monkey Island Revival Party verantwortlich gewesen ist den Vienna City Beach Club für ein ganzes Wochenende gepachtet, um dort wilde Pirtatenschlachten zu schlagen... Es wird Rum getrunken und es werden Piratenlieder gesungen - und: Angeblich liegt irgendwo dort ein Schatz versteckt!
Wer mit uns in See stechen möchte, ist herzlich eingeladen, mir unter stefan.mey[AT]gmx.net eine Flaschenpost zukommen zu lassen... Wir freuen uns über allerlei Landratten-Pack!
Auch wenn ich derzeit mehr an meinem EM-Blog schreibe, kann und will ich Euch dieses Video nicht vorenthalten, auf das ich heute über die Homepage des Rolling Stone gestoßen bin. Unglaublich: Radiohead, Götter meiner Postpubertät, spielen eine Cover-Version von Portisheads aktuellem Hit "The Rip" - wunderschön harmlos mit zwei akustischen Gitarren, ohne viel Technik, und natürlich mit Thom Yorkes weinerlicher Stimme. Wer selbst Gitarre spielt und das Lied lernen möchte (ist relativ einfach), sollte einfach mal hier klicken.
Letzte Woche irgendwann hat mich eine gute Freundin auf ein Konzert der Band Hauk geschleppt. Da die Truppe mir unter dem Schlagwort "Mundart" angekündigt worden war, bin ich zuerst skeptisch gewesen - schließlich bin ich als in der Donaumetropole lebender Piefke entsprechend traumatisisiert.
Doch was ich dort erlebte, waren drei Jungs - Gitarre/Gesang, Akkordeon, Schlagzeug -, die astreines Songwriting machen. In Mundart zwar, derbstes wienerisch, aber das war dann auch schon wurscht... oder - wie man so schön sagt - blunzn. Die Lieder handeln von dem, was meine Generation beschäftigt: Verlorene Liebe, gefundene Liebe, die Sehnsucht mach der Ferne... In "A Fremder" beschreibt Sänger Hauki die Begegnung mit einem Menschen, der die Welt bereist hat und im eigenen Land nicht mehr zuhause ist. "Nimm mi mit, host Du vielleicht an Platz frei, des kann doch no ned ois sei, mit auf Deine Reise!" bettelt er dann, und fügt kleinlaut hinzu: "I vasprich da i bin ganz leise".
"Dreierbeziehung" hingegen handelt vom Zusammenhalt der Band - "Es gibt vüle Dinge, die ghean afoch zam, so wie mir drei, des kennts ma glaubn" - man nimmt ihnen gerne ab, dass die Musiker auch außerhalb der Bühne die besten Freunde sind. Viel melancholischer und fast schon ein Gegensatz ist hingegen "Mei eigener Schatten": Das Gefühl, das ein Musiker hat, wenn er einen Abend lang Spaß hatte und Leute unterhielt - überschattet von der Einsamkeit am nächsten Morgen, allein im eigenen Bett.
Ich selbst habe übrigens eine CD von Hauk gewonnen. Weil ich erraten habe, in welcher Tonart der Blues "Wir san fett" geschrieben wurde. Und, was glauben Sie? Richtig: E. Wos eh kloa is.
"Ostalgie" ist der romantische Ausdruck für jenen Gemütszustand, den Menschen wie ich empfinden, wenn sie sich von wildem kommunistischen Ost-Kitsch umgeben fühlen. Dafür fahren wir nach Kaliningrad, Moskau, Kiev oder St. Petersburg. Die Nachbarländer Tschechien und Slowakei haben wir in dieser Hinsicht schon abgeschrieben; denn sie sind moderne EU-Staaten mit einem kräftigen Wirtschaftswachstum, moderner Architektur und entsprechenden Immobilienpreisen. Das stimmt durchaus; bei einem gestrigen Besuch in Bratislava konnte ich mich selbst davon überzeugen, dass es echt fetzige und moderne Architekturprojekte gibt.
Aber: Die Ostalgie gibt es trotzdem noch. Am schönsten ist diese im Hotel Kyjev repräsentiert. Das Gebäude wurde in den 60ern, also im tiefsten Sozialismus, geplant und gebaut; seitdem ist wenig renoviert worden. Einst als hochmodernes Projekt gepriesen, ist es nun ein Ort, an dem die Zeit still gestanden zu sein scheint: Ein fetter Block, eine unansprechende Eingangshalle und sogar unfreundliche Kellner - alles wie vor zwanzig Jahren!
Schön, dass es so was noch gibt. Liebe Stadtplaner von Bratislava: Bitte lasst bei aller Aufschwungs-Euphorie dieses Hotel stehen. Spätere Generationen werden nicht glauben können, dass es so etwas tatsächlich mal gegeben hat.
Bratislava neu: Eine Luxuswohnung mit moderner Architektur.
Manchmal vergisst man, dass Österreich noch etwas mehr zu bieten hat als das MQ, flächendeckendes HSDPA und eine marode Medienlandschaft. Und auch der Ruf Niederösterreichs hat in den letzten Tagen durch einen (durchaus tragischen) Einzelfall sehr gelitten. Um uns wieder in Erinnerung zu rufen, worum es in diesem Land geht, sind wir gestern auf's Windmühl-Fest in Retz gefahren: Ausgezeichneter Wein, eine richtig schöne alte Windmühle und ein weiter Horizont waren unsere Belohnung dafür, dass wir mal vom Schreibtisch aufgestanden sind und den Computer ausgeschaltet haben. Verwirrend war nur, dass man die Hügel nicht anklicken konnte; dafür aktualisiert sich die Realität immer von selbst, ohne dass man auf "Refresh" drücken muss. Toll - habe vollkommen vergessen, dass es so etwas gibt.
Ich hab von der Landschaft mal ein Foto gemacht. Jetzt habe ich sie auch in meiner gewohnten Umgebung, dem Computer-Bildschirm.
Patiocrash war der Name jener wahnsinnig genialen Band, die ich vorgestern im B72 gesehen habe. Die Musik: angesiedelt in jenem Anfang-90er-Jahre-Grunge und -Punk, den man heute kaum noch wo hört. Die Band: Zwei Jungs - aber sie klingen wie vier. Während der gesamten Konzertdauer war ich im Neunten Himmel (dort, wo die guten Gitarristen hin kommen), wurde von der puren Wucht des Lärms weg geblasen, sozialkritische Texte wurden von Sänger und Gitarrist Much V. ins Mikro gebrüllt, hatten aber in der ganzen Aggression und Wut doch ihre eigene Poesie. Kurz gesagt: geballte Energie. Anders sehen das die Jungs: "Wir waren heute eigentlich ziemlich leise", sagen Much und Gixi V., der Drummer. Auf der "Bierwoche", am 7. August in der Arena, werde man noch deutlich mehr aufdrehen.
Das Schöne an Patiocrash ist, dass sie nur zu zweit sind, deshalb weniger Kompromisse eingehen müssen - denn auch bei der Musik verderben zu viele Köche oft den Brei -; dadurch klingt das Ganze so komprimiert. Und verzerrte Staccato-Fetzen sind einfach leichter umsetzbar, wenn man sich nur zu zweit koordinieren muss... Oder haben Sie so was mal bei Arcade Fire gehört? Eben, ich auch nicht.
Dass die Jungs sogar auf einen Bassisten verzichten können, liegt unter anderem daran, dass Much einen Octave-Effekt verwendet; das Gerät legt die Töne um einen Oktave runter und simuliert somit einen Bass. Das wäre an sich nichts Außergewöhnliches (ich selbst ersteiger so ein Gerät gerade auf Ebay), aber Much kann den Effekt auf einzelne Seiten limitieren, also logischerweise auf die A- und E-Seite. Das Gerät selbst hat er im "Klangfarbe" gekauft; es wird nicht mehr produziert und hat einen entsprechenden Wert. "Ich bin wahrscheinlich der einzige Gitarrist, der das noch verwendet", sagt Much.
Und was ein echter Rocker ist, der muss auch das Drumset zerstören; das macht Much mit einem geschickten Rückwärtssalto, Gixi springt rechtzeitig beiseite, beide freuen sich. "Mein Rücken ist voller blauer Flecken", sagt der Gitarrist. Autsch... ich meine: yeah... ROCK!!!
Ich würde mir mehr Musik dieser Art wünschen... bitte weiter machen.
Ich muss mich an dieser Stelle entschuldigen. Dafür, dass bereits den gesamten Monat über dieser Blog recht ausgestorben wirkt. Wer das Wirtschaftsblatt gelegentlich aufschlägt, wird den Grund schnell finden: Derzeit gibt es einiges zu tun, langweilig wird mir nicht.
Lustig ist dabei wohl vor allem das "Mac vs. Windows"-Streitgespräch, das wir vergangen Dienstag auf der IT-Seite geführt haben. Ich persönlich habe für die Vorteile von Windows plädiert (hier klicken); die Pro-Apfel-Argumentation findet, wer hier klickt. War eine recht lustige Geschichte - allerdings formieren sich in meinem Kopf schon wieder neue Gedanken.
Denn ich beobachte mehr und mehr, wie Handys unsere Laptops ersetzen: Auf den Smartphones lesen und schreiben wir Emails, hören Musik und bearbeiten Dokumente. Dazu haben die Geräte ein eigenes Betriebssystem, in meinem Fall Symbian. Und das hätte ich eigentlich ganz gern für meinen PC.
Warum? Dieses Symbian unterstützt die Anwedungen, die der Normalverbraucher auf seinem Laptop durchführt (Emails, Office, Internet), braucht aber deutlich weniger Kapazität als herkömmliche PC-Betriebssysteme (muss ja auf einem Handy laufen) und lässt sich quasi intuitiv bedienen. Außerdem hat es einen eigenen Browser, wir ersparen uns also die leidige Firefox-IE-Safari-Diskussion. Und: Im Gegensatz zu Mac OS behauptet Symbian nicht nur, keine Viren zu haben, es gibt wirklich keine. Obwohl, nein, nicht ganz: Es gibt Symbian-Würmer, die sich über teure MMS verbreiten. Das wäre mir bei meinem Laptop aber natürlich wurscht. Denn im Gegensatz zum Smartphone kann der ja gar keine MMS verschicken.
Achtung, dies ist kein Aprilscherz: In Wien gibt es tatsächlich echte Piraten! Nachts kriechen sie aus ihren Löchern; dann singen sie gemeinsam Piratenlieder, spielen wilde Piratenspiele und kübeln literweise Grog in sich rein… Bisher blieb diese Community Dokumentarfilmern verschlossen; denn einerseits sind die Seemänner und -bräute verschlossen und von außen nicht als solche erkennbar – andererseits, ist ein solches Projekt gefährlich, denn in den finsteren Spelunken sitzt der Rapier locker!
Community.talk aber ist den Schritt gegangen: Wir stachen mit der wilden Meute in See!
Daher… nicht verpassen! Und zwar an folgenden Terminen:
Mit einem 5,4 Milliarden € teuren Terminal am Londoner Flughafen Heathrow sollte mit Donnerstag die Abfertigung beschleunigt werden. Doch am ersten Tag streikte das Gepäckband, 10.000 Passagiere waren von Verschiebungen oder Ausfällen betroffen und fühlten sich wie Tom Hanks im Film „Terminal" - darunter ich.
„Heute fliegen Sie wohl nicht mehr", sagt ein Angestellter am Check-In, der währenddessen mit zwei Handys gleichzeitig telefoniert und heftig schwitzt. British Airways bietet mir an, 100 Pfund für die Übernachtung zu zahlen. Das Problem: Durch die erhöhte Nachfrage kostet ein Hotelzimmer inzwischen 250 Pfund.
Asyl
Da ich keine 150 Pfund für die Fehler anderer zahle, lege ich mich lieber auf dem Teppichboden im Gebetsraum schlafen. An sich nicht unbequem, doch um vier Uhr morgens werde ich durch das Gebetsgemurmel eines Mitarbeiters geweckt. Hoffentlich hilft es, denke ich.
Falsch gedacht: Meinen zweiten, für sechs Uhr morgens angelegten, Flug verpasse ich wegen langer Wartezeiten beim Sicherheitscheck. Als ich zweieinhalb Stunden zum „Rescheduling" anstehe, rede ich mit einer Nigerianerin. „Das habe ich noch nie erlebt", sagt sie, „Nicht mal in Nigeria." Eine von vielen verärgerten Fluggästen. Die werden bei British Airways wohl noch für Köpferollen sorgen.Beim dritten Anlauf lande ich am Freitag um 15 Uhr in Schwechat - nach 22 Stunden. Der Abflug hat sich um eine Stunde verspätet. „Wir müssen noch einen Koffer ausladen", sagt der Pilot. War vermutlich meiner. Denn der kam erst Sonntag abend hierher.
Es ist schon einige Jahre her, dass ich auf Erasmus in Den Haag war. Damals hatte ich begonnen, mich mit kommunikationswissenschaftlichen Theorien zu beschäftigen. Besonders das Modell von Shannon und Weaver hatte es mir angetan: Kommunikation funktioniert so, dass ein Sender durch einen Kanal eine Nachricht an einen Empfänger schickt. "Was", so dachte ich mir, "passiert wohl, wenn man als künstlerische Provokation in diesem Prozess einfach die Nachricht weg lässt?" Man müsste also quasi einfach ein weißes Blatt Papier an die Wand hängen. Die Idee stieß bei Freunden auf Unverständnis: "Und was willst Du dann als nächstes machen? Rein blaue Bilder malen?" scherzte einer. Dass rein einfärbige - "monochromatische" - Bilder ihr Publikum haben, hat Yves Klein schon erfolgreich gezeigt. Anscheinend reicht es, beim Malen einen Smoking zu tragen, um mit solchen Projekten ernst genommen zu werden.
Eine Entdeckung im Centre Pompidou hat mir aber vorgestern klar gemacht: Es geht tatsächlich dreister, und irgendjemand hat mit meiner Idee verdammt viel Geld gemacht, indem er oder sie selbige einfach kopierte. Da hängen sie jetzt: Drei weiße Leinwände. Namen des Künstlers und Datum der Erstellung habe ich mir nicht gemerkt. Einfach aus Verärgerung. Ces salauds. Connards. Putain de merde.
So, nun habe ich zwei Tage in Berlin verbracht. Anfangs schockiert von der Westlichkeit einer Stadt, die im deutschen Sprachraum als Sinnbild für den langsamen Wandel von realem Sozialismus zu freier Marktwirtschaft geshen wird, sehe ich es nun so: Berlin - jene Stadt, die in der Lebenswert-Skala Deutschlands auf Platz 50 rangiert - ist auf meiner Reise der kleine Puffer zwischen dem exotischen Kaliningrad und jener Bobo-Hochburg Europas, in der ich die nächsten sieben Tage verbringen werde: Paris, ich komme!
Immerhin habe ich die letzten Tage über eines verstanden: Ich verstehe Rußland nicht. Und bevor ich auch nur anfangen kann, mich richtig damit auseinander zu setzen, reise ich auch schon wieder ab: Morgen werden wir uns um sieben Uhr morgens in ein Auto setzen, um durch Polen nach Berlin zu fahren. Ich bin mal gespannt, was dort passiert - auch wenn mir der Abschied von Kaliningrad ein wenig weh tut; die Gespräche der vergangenen Tage haben gezeigt, dass es hier noch viel zu erforschen und erkennen gäbe... Könnten Sie sich etwa vorstellen, für den Besuch einer Stadt im gleichen Land ein Transfer-Visum beantragen zu müssen? Eben, ich auch nicht.
Irgendwie hört man hier allerlei interessante Geschichten über das russische Wirtschaftssystem: wie etwa die des hohen Beamten, der dadurch auffiel, dass er von einem Wirtschaftsboss öfters Tortenschachteln überreicht bekam. Als die Schachtel einmal deutlicher unter die Lupe genommen wurde, stellte sich heraus, dass sich darin keine Torte, sondern Schmiergeld befand. Der Mann musste sein Amt nieder legen; das Auffliegen des Komplotts war aber wohl das Ergebnis einer politischen Intrige.
Oder die Gründe für die hohen Immobilienpreise in der Enklave: Sicher einerseits das unasusgeglichene Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage, andererseits sind im Preis von 1500 Dollar pro Quadratmeter auch die Kosten für Korruption mit eingerechnet.
Und schließlich: Vodka. Heute erzählte mir der Besitzer eines landwirtschaftlic hen Betriebs, dass ihm die alkoholisierte Bevölkerung das Diesel aus den Traktoren stiehlt, um sich damit ihre Sucht finanzieren zu können.
Wer mit KadAvia fliegt, der hat in Schwechat schon einen Vorgeschmack auf Ostern, denn der CheckIn-Schalter der russischen Fluglinie ist nicht ausgeschildert, die Suche läßt sich also mit der kindlichen Jagd nach versteckten Eiern vergleichen. Interessant dann: Die Linie hat in Österreich so wenig Personal, dass meine CheckIn-Dame und meine Boarding-Dame die gleiche Person waren - persönlich irgendwie, fand ich nett.
Im Flugzeug selbst: Auffällig, dass alles auf russisch durchgesagt wird; selbst die englische Übersetzung ist nur mit viel Fantasie als eine solche zu erkennen. Ansonsten verläuft der knapp zwei Stunden dauernde Flug ereignislos; es gibt normales Essen - wieder mal mit Jacobs-Löskaffee - und das Personal ist freundlich.
Ganz im Gegensatz zum Flughafenpersonal in Kaliningrad: Da werde ich - auf russisch, welches ich nicht verstehe - mit Fragen zu meinem einwandfreien Pass gequält, ich bleibe aber hartnäckig und schließlich murrt die Grenzbeamtin, tippt etwas in ihren Computer, gibt einen Stempel in den Pass, händigt mir das Dokument aus und schnauzt mich dazu abschließend nochmal an. Wie schön, ich bin zuhause. Ähnliche Situation bei der Sicherheitskontrolle: Damit man aus dem Flugzeug keine Bombe ins Land bringt (sic!), muss man sein Gepäck nochmals auf ein Band legen, damit es durchleuchtet wird. Das Band selbst wird allerdings nicht überwacht. Hm, auch gut.
Außerdem sind alle Kontrollstellen bei der Ankunft gespickt mit Soldaten, die einen in harschem Ton zurecht weisen, wenn man eine gewisse gelbe Linie überschreitet und dem Vordermann somit zu nahe kommt. "Das ist auch wichtig, dass es diese Soldaten gibt", erklärt mir heute der deutsche Handelsdelegierte: "Denn die Russen selbst würden keinen Respekt vor solchen Linien haben." Ihm selbst seien Einheimische mal so eng auf die Pelle gerückt, dass er sich umgedreht und sie mit den direkten Worten "Ich bin doch nicht schwul" zurück gewisen hat. So was wirkt.
Hurra hurra, meine lange erwartete Europa-Reise beginnt in genau drei Stunden! Dann steige ich in ein Flugzeug und fliege nach Kaliningrad, werde dort ein paar Tage verweilen, um ein paar spannende Interviews zu machen und Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Weitere geplante Stationen: Polen, Berlin, Paris und - wenn alles gut geht - London.
Ich werde versuchen, während der kommenden zweieinhalb Wochen regelmässig von meiner Reise zu berichten. Ständige Besuche des Blogs und Überprüfen meiner Einträge zwecks Stefan-Tracking zahlen sich also aus.
Verwertungsgesellschaften rufen für gewöhnlich negative Emotionen hervor - etwa Gedanken an irgendwelche Privat-Goa-Clubbings auf Waldlichtungen, wo plötzlich AKM-Agents in schwarzen Trenchcoats ihre Ausweise zücken, um dem schönen Fest ein jähes Ende zu bereiten. Oder überhaupt: Zahlungen, Zahlungen, Zahlungen... Doch Kreative der schreibenden Zunft haben's eigentlich fein: bis 31. März können wir uns bei der Literatur-Verwertungsgesellschaft Literar - unter www.literar.at - registrieren; als Belohnung gibt es eine Auszahlung gemessen an der Anzahl unserer Anschläge. Denn schließlich werden unsere Texte ja massenhaft kopiert, verwertet und öffentlich aufgeführt - da muss schon ein gewisses Mass an Kohle rausschauen.
Eine feine Sache, muss man schon sagen. Verwertungsgesellschaften sind super. Echt.
Dass Nerds cool sind wissen wir spätestens nach so tollen Events wie der "Monkey Island Revival Party" oder "Maximum Black". Ein weiteres schönes Beispiel für einen Nerd mit Coolness-Faktor ist aber ganz sicher Jonathan Coulton.
Der ehemalige Programmierer hatte irgendwann die Schnauze voll von seinem Daytime-Job, schmiss alles hin und wurde Rockmusiker. Seine Songs handeln von den Quälereien des Office-Alltags: "Code Monkey" beschreibt etwa das Schimpansen-ähnliche Leben eines Programmierers, der von bösen Managern in der Gegend hin und her geschickt wird; "I Feel Fantastic" beschreibt, wie sich Coulton mit verschiedenen Pillen durch den Tag hangelt. Während er die Lieder singt blinzelt der junge Mann durch seine Brillengläser ins Publikum, wandelt in seinem hautengen T-Shirt auf der schmalen Linie zwischen liebenswert-putzig und gewagt-ungewohnt. Und dazwischen verspielt er sich mal; aber das verzeihen ihm die Fans. Weil, hey... er ist ja Programmierer, kein Musiker.
Mein Favorit von Coulton ist das Lied "Re: Your Brains", in dem er folgender Frage nachgeht: Was tue ich, wenn sich der Typ aus dem Office nebenan in einen hirnfressenden Zombie verwandelt hat?
Wie immer gibt's das Video dazu gleich hier zum Anschauen... viel Spaß damit!
Ich habe ein neues Lieblingswort: "Homonym". Ein Homonym ist, wenn zwei verschiedene Dinge den gleichen Namen haben. Also ein Sitzbank und eine Geldbank, die nun mal beide Bank heißen. Alle Banken sind somit homo. Homonyme nämlich.
Wer über zu hohe Rohöl- oder Vodkapreise schimpft, der sollte sich mal die Preise von Druckertinte genauer ansehen... Denn folgende Grafik habe ich heute auf einer namenlosen Website gefunden. Gehen wir davon aus (und das tun wir ja sowieso), dass alle im Internet vorhandenen Informationen der Wahrheit entsprechen, so müssen wir weiters die Option in Betracht ziehen, unsere derzeitigen Jobs hin zu schmeißen, um stattdessen Druckertinte zu schmuggeln und auf dem Schwarzmarkt zu verchecken. Noch sind Profite möglich; und da die hohen Preise sich noch nicht so stark rum gesprochen haben, ist die Konkurrenz in diesem Mafia-Nischenmarkt überschaubar.
Manche Leute werden für Dumm- und Dreistigkeit auch noch belohnt. Beispiel: Der Rechtsstreit zwischen den Wiener Stadtwerken und "Final Fantasy".
Denn das heimische Unternehmen hatte bei der kanadischen Band angefragt, ob sie einen ihrer Songs für einen Werbespot verwenden können.
Owen Pallett, Singer, Songwriter und Kopf der Band sagte "nein", was aber die Wiener nur zu einem Achselzucken mit gemurmeltem "is ja eh wuascht" veranlasst haben muss - denn sie ließen das Lied einfach nachspielen. Dies wiederum bemerkte man jenseits des Großen Teichs und stellte das Unternehmen vor die Wahl: entweder eine saftige Klage... oder Ihr finanziert uns ein Konzert in Wien! Gesagt, getan: gestern spielten neben Final Fantasy auch Bands wie Deerhoof und Six Organs of Admittance in der Wiener Arena auf - und die Wiener Stadtwerke freuten sich, dass sie als Exklusiv-Sponsor Ihre Fahnen und Leinwände aufstellen konnten. Ein Win-Win-Win-Situation also.
Denn der dritte Gewinner des Abends waren wohl wir - die Gäste. Immer schräger wurde, was da vor gespielt wurde. Six Organs of Admittance beschränkten sich etwa instrumental auf zwei Gitarren, die sich in Feedback-Orgien, hübschen Zerlegungen und aggressiven Slides gegenseitig überboten. Klingt anders als auf CD und ist gewöhnungsbedürftig, war's aber wert.
Genau umgekehrt bei "Deerhoof". Deren Wikipedia-Eintrag ist nämlich schon sehr bezeichnend: "Satomi Matsuzakis Gesang ist hell, brüchig und schief. Instrumental bestimmenerschütternde
Beats, stechende Sirenen-Einlagen, eine Gitarrsaite, die wie ein
10-Tonnen-Gewicht auf einem 20-Tonnen-Trampolin landet die Musik Deerhoofs." Sehr treffend beschrieben; denn zuhause ist das Gejaule so gut wie unhörbar - auf der Bühne hingegen sahen wir einen Haufen sympathischer Nerds und ihre Frontfrau; was zuhause nur Lärm ist, das rockt auf der Bühne gewaltig.
Und schließlich als Main-Act: Final Fantasy. Das Besondere an Owen Pallett ist, dass er alleine auf der Bühne mit seiner Geige steht und dennoch so klingt wie ein ganzes Streichorchester. Wie macht er das? Der Trick ist simpel und genial zugleich: er spielt einen Riff, nimmt das mit einem Sampler auf, den er mit den Füßen bedient, looped es, spielt den nächsten Riff über den alten drüber, looped diesen wieder etc. Was anfangs wirkt wie ein Produkt aus dem Laptop entpuppt sich so als das geniale Werk eines einzelnen Mannes mit einer einzigartigen Hand-Fuß-Hirn-Koordination.
Das ist Kunst. Und ich mag es.
Ich selbst habe an diesem Abend übrigens fest gestellt, dass ich gerne wieder Musik in einer Band machen würde. Also raus aus dem eigenen Wohnzimmer und rein in den Proberaum; weg vom Experimentieren mit Cubase und Konsorten und hin zur zwischenmenschlichen Konfrontation! Wer mutig genug ist, mit mir das Experiment einzugehen, der soll sich bitte melden; meine Kontaktdaten findet Ihr im Impressum.
PS: Zum Abschluss dieses Eintrags gibt's noch ein schönes Musikvideo von "Six Organs"... viel Spaß damit!
Das Nachspiel der Monkey Island Revival Party wird mit jedem Tag skurriler: Saskia Scharlau - jene junge Dame, die extra in voller ElaineMarley-Verkleidung für eine Nacht von Hamburg nach Wien gereist ist - hat uns im Interview erzählt, dass sie - als der größte MonkeyIsland-Fan aller Zeiten - sogar ein eigenes Stofftier gebastelt hatte: Mojo, den dreiköpfigen Affen!
Wir haben Grund, stolz zu sein: die MI:R hat Wien zur Zentrale des MonkeyIsland-Fetischismus gemacht, hier laufen die Fäden zwischen der Berühmtheit Ron Gilbert und Fans aus Europa zusammen... Yeah. Und obwohl diesen Eintrag wahrscheinlich nicht mal annähernd so viele Leute lesen wie Rons Blog, so möchte auch ich das Foto von Mojo posten - denn es ist einfach unglaublich putzig!
Ich habe an dieser Stelle ja bereits erwähnt, wie mühsam es ist, in Wien diverse XLR-Adapter zu kaufen (Wie bitte? Sie kennen den Blog-Eintrag nicht? Weil Sie neu hier sind? Sie Schlawiner! Dann mal schnell hier klicken!). Zu meinem großen Bedauern muss ich daher bekannt geben, dass zwar meine Kamera und meine Mikrofone die Monkey Island Revival Party schadlos überstanden haben, aber ausgerechnet diverse Adapter - nämlich "XLR auf kleine Klinke" und "kleine Klinke auf große Klinke" - verloren gegangen sind. Das Zeug ist nicht sehr teuer, aber hey, wenn ich an eine weitere Odyssee über die MaHü denke kommt mir das Grauen...
Nach dem problemlosen Ablauf der Monkey Island Revival Party ist sie doch da: die postnatale Depression. Ich bin fest überzeugt, dass jene Zustände, durch die sich junge Mütter nach der Geburt kämpfen müssen, auch auf Veranstalter zutrifft: das Kind ist geboren, es ist überstanden, nun stehe ich ratlos da und fühle mich eines wichtigen Inhalts meines Lebens beraubt.
Um die Zeit bis zum nächsten großen Event zu überbrücken habe ich gestern allerlei Mist geschrieben und außerdem meinen Bart getrimmt - Resultat: jetzt sehe ich aus wie die Figur aus einem Oswalt Kolle-Film. Auch nicht gerade sexy, zumindest heutzutage nicht mehr.
Was mache ich also jetzt? Wir werden noch ein wenig evaluieren, was wir falsch und richtig gemacht haben; dann uns überlegen, wie wir weiter arbeiten. Bis dahin schreibe ich. Allerlei.
Denn im Endeffekt muss man es mit dem deutschen Philosophen Johann Gottlieb Fichte halten, den ich heute auf www.zitate-online.de entdeckt habe:
„Der Gelehrte vergesse,
was er getan hat,
sobald es getan ist,
und denke stets nur an das,
was er noch zu tun hat.“
In dem Sinne: auf geht's, blicken wir zurück in die Zukunft!
Leute, ich kann es in aller Bescheidenheit sagen: die gestrige Monkey Island Revival Party war spitze; und all jene, die ihr fern geblieben sind, die soll der Seeteufel holen... denn sie haben das wohl schönste Event des (noch sehr jungen) Jahres verpasst.
Den WUK Projektraum hatten wir so richtig schön her gerichtet, mit VJs, Papp-Wolken (im Stil von Monkey Island 3), jede Menge Gemälden und Karikaturen sowie Screenshots des ersten MI-Spiels im Giga-groß-Format. Das gefiel dem Publikum - selbiges war angemessen stark vertreten; der Raum war voll, aber nicht überfüllt. Erwartet hatten wir uns, dass vielleicht 10 Prozent der Gäste verkleidet kommen; doch auch hier wurden wir positiv überrascht: mindestens die Hälfte der Besucher ist mit Verkleidung aufgetaucht, das Spektrum reichte von einer simplen Augenklappe bis zum vollen Geisterpiraten-Outfit. Danke, liebe Gäste: jeder einzelne von Euch hat zur wundervollen Stimmung beigetragen, Ihr seid spitze!
Dass sich das virale Marketing über Facebook und studiVZ ausgezahlt hat, haben uns zwei Geschwister bewiesen: sie haben in voller Piratenmontur in Hamburg (!) ein Flugzeug bestiegen, sind Samstag morgen in Wien angekommen, haben hier den Tag in Kaffeehäusern tot geschlagen, waren dann von Anfang bis Ende auf dem Fest, um dann um 5 Uhr morgens wieder zurück zu fliegen... wow!
Blick in die Zukunft
Und wie geht's jetzt weiter? Die Website www.party.at wird auf jeden Fall noch ein paar Bilder vom Event präsentieren; ein WebVideo-Medium bringt einen exklusiven Beitrag inklusive Interviews; wir werden die nächste Folge von Community.Talk rund um das Thema "Großstadtpiraten" drehen. In Sachen Events wäre es naheliegend, weitere Schritte zu setzen und MI:R zu einem jährlichen Fixum zu machen. Die gestrigen Besucher würden sich das jedenfalls wünschen.
Nur noch zwei Mal schlafen, dann ist es so weit: die große, superböse MONKEY ISLAND REVIVAL PARTY im WUK-Projektraum!
Wie sieht's aus derzeit? Ausgezeichnet, würde ich sagen: die PR ist voll eingeschlagen; wir sind auf allen gängigen Event-Seiten dieser Stadt angekündigt, ebenso in der Online-Datenbank des Falter, in der Print- und Online-Version von "Wohin in Wien", in diversen Gamer-Zeitschriften und in der APA-Termindatenbank (sic!!!!). Nicht zu vergessen: morgen, Freitag, kündigt uns das Gratis-Blatt "Heute" (40% Reichweite in unserer Zielgruppe) mit Foto an; Organisator Martin Kremecek wird am Samstag in einem Radio-Interview auf FM4 zu hören sein.
Das ist mehr PR, als ich mir selbst erwartet hätte. Super.
Tolles gibt es ja auch von der Front des viralen Marketings zu berichten: über die studiVZ-Gruppe haben uns die Computerspiele-Hersteller JoWood erreicht: ein börsennotiertes Unternehmen, das unser Event schön unterstützen wird. Wow.
Besonders stolz bin ich natürlich nach wie vor auf die achtteilige Mini-Serie, die wir speziell für das Event produziert haben. Ursprünglich als drei simple Werbespots konzipiert, hat sich daraus eine epische Saga entwickelt, die den Kampf zwischen zwei Piraten auf der Suche nach dem legendären Schatz "Big WUK" (!) zeigt. Hieran mit verschiedenen Leuten, allen voran Richard N. von nm-8, zu arbeiten, war ein wahrer Genuss.
Und weil's so schön war, hier nochmal ganz exklusiv zusammen gefasst für die Besucher des Blogs: ALLE Folgen der Serie, ungekürzt als Blip-Show:
Bleibt nur noch, ein schönes Fest zu wünschen - ich freue mich auf ein zahlreiches Erscheinen in den wildesten Piraten-Outfits, die dieses verrückte Piratennest je gesehen hat!
Ein Mann kämpft gegen die Stadt: Edwin Lipburger hatte vor rund 25 Jahren mit der "Republik Kugelmugel" seinen eigenen Staat gegründet - eine Kugel, die auf einem Hügel - einem "Mugel", daher der Name - steht. Er stellt eigene Pässe aus und druckt eigene Briefmarken, etwa die ThomasBernhard-Gedenkbriefmarke. Warum? Weil der berühmte Schriftsteller Österreich ebenfalls als kunstfeindlich angesehen haben soll.
Denn Lipburger hat einen Feind: die Stadt Wien, allen voran Ex-Bürgermeister Zilk, den er zum Staatsfeind Nummer Eins erklärt hat. Zilk soll Lipburger nach Wien gelockt haben, mit dem Versprechen, ihm einen Baugrund, Strom und fließendes Wasser zu geben. Nun steht Lipburgers Kugel im Prater, auf Grünland, ohne Strom, Wasser oder Kanalisation. Folglich sind der selbsternannte Präsident und seine Bürger - ein paar hundert - alle ins Exil gegangen. Ein Staat ohne ein einziges Klo ist nun mal nicht so der Knüller.
Doch Lipburger wehrt sich. Seit 25 Jahren. Er war beim VfGH, beim VwGH und bei einem Haufen anderer Gerichte. Aber der Tenor lautete immer: sorry, geht nicht; denn die Kugel ist rechtlich gesehen kein Gebäude - sie hat ja nicht mal ein Dach im herkömmlichen Sinn - und hat somit kein Recht auf einen Anschluss. Außerdem ist der Prater Grünland, da darf gar nichts gebaut werden. Folglich schreibt seine Hoheit Lipburger nun Briefe an alle möglichen Leute: Häupl, Faymannm, sogar an Bundespräsident Heinz Fischer. In einem der Briefe beschreibt er die Kulturpolitik Wiens als "schlimmer als jene zu Zeiten des Dritten Reichs". Aber hallo, so tief wollen wir nun auch wieder nicht greifen... oder doch?
Als ich beim ihm auf Staatsbesuch war und am Schreibtisch seines Regierungssitzes saß, gab er sich - trotz aller Abweisungen durch die Gerichte - siegessicher: "Die werden sich noch alle wundern. Das wird fürchterlich für die Stadt Wien, wenn ich endlich mein Recht bekomme!" Häupl und Fischer sollten gleichermaßen aus dem Amt fliegen, ist der selbsternannte "mächtigste Mann des Landes" überzeugt. Wie er das erreichen wolle? "Notfalls mit Gewalt," sagt der 80jährige. Ängstliche Blicke zwischen meiner Pressefotografin und mir - werden wir zu Geiselopfern eines politischen Komplotts? Doch dann lacht Lipburger: "Geh, i mach ja nur aan Schmäh. Wolln's aan Spritzer?"
Der Wein mundet, ich nippe vorsichtig - kein Gift. Nach einer Stunde intensiver Gespräche passiere ich den Grenzübergang zwischen Kugelmugel und Wien sicher und unbeschadet.
Seit diesem Ereignis habe ich Angst. Wird Kugelmugel eines Tags den atomaren Erstschlag gegen Wien wagen?
Einer der kleinsten Zwergstaaten der Welt: die Republik Kugelmugel.
Anmerkung: der Artikel über die Republik Kugelmugel erscheint am Freitag im Wirtschaftsblatt Kompakt.
Astrologische gegen astronomische Communities – wer sind die “Masters of the Universe”? In der ersten Folge der dritten Staffel unserer Okto-Sendung "Community.talk" statten wir dem astronomischen Institut ebenso einen Besuch ab wie dem Bundessprecher der Astrologinnen und Astrologen; außerdem informieren wir uns im Profi-Shop “Astro-Experts” darüber, was beim Kauf eines Teleskops beachtet werden muss.
Dabei stehen im Zentrum unserer Mini-Reportage die Fragen: was verbindet diese beiden Communities? Was verfeindet sie? Und würde eine Astronomin einen Astrologen heiraten? All diese Fragen beantwortet unsere aktuelle Folge. Daher… unbedingt anschauen - im Wiener Telekabel oder auf www.okto.tv als Webstream!
Viele Techno-Journalisten greifen bei ihren Produktbeschreibungen auf ein leistungsfähiges internes Redaktionslabor zurück, das Hard- und Software bis auf die Knochen testet, dabei den Großteil der Anzeigeneinnahmen verschlingt. "Blödsinn," denke ich mir und mache lieber den Test eigenhändig im freien Gelände: auf dem FM4-Fest vor zwei Wochen versenkte ich mein nagelneues Nokia 6120 in einem Bierglas. Wie dies genau passiert ist, kann und will ich nicht im Detail wider geben; nur so viel sei gesagt: bedingt durch Schockeffekt und die späte Stunde dauerte es einige Schreckenssekunden, bis ich das HighTech-Toy aus der gelben Flüssigkeit gefischt hatte.
Dann hieß es schnell handeln: das Gerät ausgeschaltet, Akku heraus genommen, SD- und SIM-Karte entnommen und abgewischt - das Ganze inmitten pubertierender Alternative-Rocker und ihrer Kräuterzigaretten. Seltsame Blicke habe ich durchaus geerntet, als ich auf meinem Schoss die Einzelteile ausbreitete und liebevoll pflegte...
Es zeigte sich aber: ich habe richtig gehandelt. Nachdem ich das Gerät nun zwei Wochen bei Zimmertemperatur habe trocknen lassen, konnte ich es heute wieder zusammen bauen. Und siehe da: alles funktioniert einwandfrei, Nokias Modell kann also neben MobileOffice- und Web-Funktionen auch mit einer Saufkopf-Festigkeit punkten. Das ultimative Tool also für Geeks, die auch gerne feiern gehen. Einzig schade ist, dass sich das Display nicht abnehmen und säubern lässt; dieses somit von innen durch die vertrocknete Bierleiche verklebt ist. Eigentlich eklig - wenn man so bedenkt, dass man sich dieses pickige Zeug auch hin und wieder in den Magen gießt... prost, auf die Finnen!
Der Life Ball gilt hierzulande als eines der größten Charity-Events, werden doch die Gewinne für die Behandlung von AIDS-Kranken eingesetzt. Stutzig macht auch mich, dass gerade ein solch altruistisch angelegtes Event "Praktika" vergibt: Engagierte Arbeit im Presseteam, ohne Bezahlung oder Sozialversicherung. Nach einem Schulterzucken wandte ich mich jedoch wieder anderen Dingen zu, schließlich ist ein prekäres Praktikumsverhältnis ja kein Einzelfall.
Anders dachte da ein gewisser Herr Mair, den die Janusköpfigkeit der Ball-Organisation so verärgerte, dass er gleich einen offenen Brief schrieb. Dieser erreichte auch meine Mailbox über Umwege; und der schönen Argumentation wegen möchte ich ihn hier gerne ungekürzt veröffentlichen. Viel Spaß beim Lesen!
Guten Tag!
Prinzipiell finde ich das Praktikum bei Life Ball eine interessante Sache. Dass dieses allerdings vollkommen gratis sein soll, finde ich in Anbetracht des zeitlichen Aufwands und der Einnahmen des Life-Balls eine ausgesprochene Frechheit. Mittlerweile befassen sich auch die Europäische Union und das Europäische Parlament mit den aufsufernden, menschenverachtenden, ausbeuterischen Praktiken der unbezahlten Praktika.
Das mindeste was Ihr für einen derart umfangreichen Job zahlen solltet, ist wenigstens eine Anstellung Minimalanstellung mit voller Sozialversicherung (Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Pensionversicherung). Kostenlose Praktika, die mehr als einen Monat dauern, waren bislang in Österreich ausgesprochen unüblich.
Dass ausgerechnet ein Charity-Event, dessen Erlös für an einer Krankheit leidenden Menschen, die aufgrund Ihrer Krankheit oft den Job verlieren, Menschen ohne Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung und Pensionsversicherung arbeiten sollen, halte ich schon für ausgesprochen verlogen. Was passiert denn nun konkret mit Menschen, die am Weg zur unbezahlten Arbeit einen Unfall erleiden, im schlimmsten Falle gar invalide werden? Oder wenn in der Arbeitsstelle bei Ihnen etwas passiert? Auch für ein Charity-Event arbeitende HelferInnen haben ein Recht auf volle soziale Absicherung!
Weiters ist das Angebot der "Mitarbeit in einem jungen Team" altersdiskriminierend (ich bin 43 und werde vermutlich von der "Wirtschaft" bei der Jobsuche oft wegen meinem Alter diskriminiert!), mit der EU-Antidiskriminierungsrichtlinie unvereinbar und auch menschenrechtswidrig. Gegen Diskriminierung homosexeueller Menschen aufzutreten und selbst diskriminierend und ausbeuterisch zu agieren, das finde ich schon ein starkes Stück. Wenn Sie dem Jugendfetischismus fröhnen frage ich mich, ob auch nur junge, knackige Aidskranke vom Erlös des Life Balls ein Geld bekommen ...
Als ehemaliges Mitglied des Vorstands der Journalistengewerkschaft und nunmehriger parteiunabhägiger und kritischer Mandatar der gpa Interessensgemeinschaften work@flex und work@it finde ich die ausbeuterische Praxis des Life-Balls für inakzeptabel, Ich werde beim Forum chefduzen.at eine Kategorie vorschlagen, wo Firmen und Institutionen an den verdienten Schandpranger gestellt werden.
Im Rahmen beruflicher Neuorientierung, die mir wieder einen bezahlten Job ermöglichen soll, mache ich ab Februar in Linz den "Internationalen Lehrgang Technischer Redakteur" mache und noch Geld für die Kurskosten dazu verdienen muss, kann ich es mir einfach finanziell und zeitlich nicht leisten, einen Halbtags- bis Vollzeitjob völlig gratis zu machen.
In Anbetracht der wachsenden Kluft zwischen Oberschichte und Unterschichte halte ich Gratisarbeit für ein Schickeria-Event auch für gesellschaftspolitisch inakzeptabel. Wer Aidskranke Menschen wirklich unterstützten will, kann dies auch ohne Präsentationsbühne der Seitenblicke-Gesellschaft tun. So gesehen ist der Life-Ball aufgrund der enorm hohen Eintrittspreise ein asoziales Event das durch Generierung von medialer Aufmerksamkeit für jene Menschen, die jenes Vermögen besitzen, um sich auf diesem medial gefeaterten "gesellschaftlichen Ereignis" präsentieren zu können die vorherrschende und immer krasser werdende Klassengesellschaft unterstützt.
In Anbetracht der gestellten Anforderungen die sehr umfangreich kann da ja eigentlich nicht mehr von einem Praktikum gesprochen werden sondern von der Umgehung eines regulären Arbeitsverhältnisses. Daher halte ich Ihre Ausschreibung für illegal und menschenrechtswidrig.
Datenschützer ärgern sich über Google hier und Google dort; StudiVZ-Mitglieder treten auf Grund der neuen AGB aus; Facebook macht nach wie vor große Gewinne... Fakt ist: wir geben unsere Daten regelmäßig im Internet preis; mal hier, mal dort. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis eine Suchmaschine her kommen würde, die alle Daten bündelt und auf Anfrage zur Verfügung stellt.
Und hier ist sie: 123people.com! Nach einer erfolgreichen Registrierung (bei der wiederum persönliche Daten angegeben werden) gibt der Nutzer den gesuchten Namen ein und findet:
Bilder der Person über Google, Yahoo und Flickr
Videos über YouTube und Blip.tv
Alle verfügbaren Emailadressen
Postanschrift (!) und Telefonnummer (!) über Herold
Weblinks mit Google-Artikeln zu der Person
Eine Begriffswolke mit jenen Themen, die die Person am meisten abgedeckt hat.
Gruselig, gruselig. Und die Möglichkeiten, die sich für Headhunter und Stalker ergeben sind vielfältig. Andererseits ist das Ganze für den Privatmenschen auch praktisch: nach kurzem Surfen wusste ich, dass meine ex-Freundin noch immer Single ist (das stand auf Ihrer MySpace-Seite), sie noch immer in England studiert und zu Weihnachten in Österreich war. Um das rauszufinden musste ich meine monatelange Kommunikationspause mit ihr nicht mal unterbrechen. Wozu auch? Dafür gibt's ja das Web.
Anbei Episode Drei der Werbevideos, die wir für die große Monkey Island Revival Party am 23. Februar produziert haben.
Wer kennt das nicht? Liebe Gesellschaft, klassische Musik, eine Flasche Rotwein, Ristorante-Pizza, romantische Gefühle... und dann geht plötzlich alles schief!
Am Freitag erscheint im Wirtschaftsblatt mein Artikel über Verschwiegenheitsklauseln. Es geht dabei um zwei Fälle: Georg Nader, ehemals Strategieverantwortlicher der Post, wurde entlassen, nachdem er Bloomberg in einem Interview Informationen verraten hatte, die er nicht hätte preisgeben dürfen. Ironie: kurz davor hatte er mir noch ein Interview gegeben, indem er den Stellenabbau bei der Post gerechtfertigt hatte: der sei nötig gewesen, um die wirtschaftliche Performance des Unternehmens zu sichern. Ein paar müssen gehen, damit die anderen überleben können. Dann traf's ihn selbst. Oh je.
Der zweite Fall ist der Mitarbeiter eines Stahlkonzerns, dessen Namen ich zu seinem Schutz nicht nennen möchte. Ich hatte mit ihm ein Interview geführt und wollte es veröffentlichen. Tags drauf rief er mich an und beschwor mich voller Furcht, ich dürfe auf gar keinen Fall das Gesagte verwenden, es gehe "um die Zukunft meines ungeborenen Kindes". Auch ein Email hat er mir geschrieben. Selbiges würde ich gerne hier in voller Länge veröffentlichen, da es im Wirtschaftsblatt keinen Platz hatte. Das Mail ist meiner Meinung nach ein schönes Beispiel für eine Personalpolitik, dessen Verhältnis zwischen Effizienz und ungezwungener Unternehmenskultur nicht ausgeglichen ist.
"Sehr geehrter Herr Mey!
Ich nehme Bezug auf unser Gespräch XXXXXX in XXXXX am XXXXXX. Ich habe gestern noch mit zuständigen Personen bezüglich der Öffentlichkeitsarbeit gesprochen. Sie haben mir mitgeteilt, dass sämtliche Angaben, die ich gestern gemacht habe, auf gar keinen Fall veröffentlicht werden dürfen. Ich war mir gestern natürlich der Tragweite nicht bewusst. Ich bitte Sie daher inständig meine Angaben für keinerlei Veröffentlichungen heranzuziehen. Die Folgen in diesem Fall wären für mich fatal, sprich ich wäre in diesem Unternehmen nicht mehr lange tätig. Da ich Sie als integren Zeitungsmann einschätze, bitte ich Sie meine Angaben für keinerlei Zwecke heranzuziehen. Es geht hier um meine berufliche Existenz. Selbstverständlich können Sie Informationen über unser Unternehmen über die herkömmliche Stellen beziehen. 1. Ansprechperson wie schon gestern besprochen wäre XXXXXXXXXX.
Ich danke Ihnen im Voraus für Ihr Verständnis und bitte Sie um eventuelle Bestätigung, dass Sie keine meiner Aussagen verwenden werden.
Und wieder ist ein neues Piratenvideo online. Für diesen kleinen Sketch habe ich den Kameramann gespielt, gemeinsam mit Richard N. den Schnitt gemacht und - so wie für alle anderen Sketches dieses Events - das Drehbuch geschrieben.
Manchmal überschlagen sich die Ereignisse: die Deadline für einen Artikel lag nahte, als der Computer plötzlich streikte. Zu allem Überfluss kam auch noch ein Pirat in mein Büro gerannt und setzte der Arbeit ein jähes Ende... oh je...
Sie arbeiten mehr als Vollzeit, bis zu 60 Stunden pro Woche, sind volle Arbeitskräfte, die Pressespiegel erstellen, Recherchen durchführen und Journalistenkontakte verwalten; bezahlt kriegen sie bestenfalls ein Taschengeld. Andere wiederum sitzen jede Woche 40 Stunden in einem Büro ab, drehen Däumchen und sehen keinen Cent Bezahlung, werden meist nicht einmal sozialversichert. "Ist aber eine weitere schöne Zeile im Lebenslauf," begründen sie die sinnlose Tätigkeit. Andere haben ein gar prekäreres Motiv: nach dem Studium entfällt die Sozialversicherung über die Eltern; und wer dann arbeitsloser Akademiker ist, fällt durch's soziale Netz. Die Lösung: rasch einen mies bezahlten Praktikumsplatz annehmen.
Und noch ein drittes Motiv gibt es: die Selbsterfüllung. Denn wer ein Praktikum bei der UNO, dem ORF oder im Weißen Haus gemacht hat, der kann erzählen, er habe da bereits "gearbeitet" - auch wenn die Realität etwas anders aussah (so sehr es mich auch reizt: einen unterschwelligen Witz über Mr. Clinton und seine Praktikantinnen möchte ich mir an dieser Stelle lieber sparen). Mein Interviewpartner Erik Pauer - er hat sich von Praktikum zu Praktikum gehangelt, nachdem er sein Biologie-Studium mit Auszeichnung abgeschlossen hatte - formuliert es so: Jungakademiker des 21. Jahrhunderts sehen ihr erworbenes Wissen als Verpflichtung, etwas Großartiges zu leisten. Wir würden gerne gleich nach dem Studium aufbrechen, um einen Konzern zu leiten und gleichzeitig die Welt zu retten. Nur: leider gibt es keine Stellen für die vielen hellen Köpfe und potentiellen Multimillionäre. Das haben unsere Eltern und Großeltern auch schon gewusst: die wurden Metzger, weil Papa Metzger war, zeugten dann Kinder, wurden alt und das war's dann. Leider hat es irgendwer verpennt, unserer Generation über die mögliche Einfach- und Sorglosigkeit des Lebens zu aufzuklären.
Dass Unternehmen das ausnutzen, versteht sich von selbst. Aber hey, würden Sie etwa für Arbeitskräfte zahlen, wenn sie einen top ausgebildeten Akademiker gratis kriegen? Eben. Als Resultat wirbelt der Jobmarkt total durcheinander: Akademiker kriegen keine Einstiegsjobs, Studenten keine Praktika und überhaupt... eh schon wissen. Gut, dass es daher die von Anna Schopf initiierte Plattform "Generation Praktikum" gibt: Frau Schopf setzt sich gegen die skurrilen Situationen in der Branche ein und hat sogar eine Petition aufgesetzt, die sie im April im Europäischen Parlament einreichen will. Ihr Ziel: ein Ende der Praktika für Akademiker (die können nämlich schon alles und sollen jetzt gefälligst Geld verdienen) und fairere Bedingungen für Praktikanten allgemein.
Ein erster Schritt. Bitte weiter so.
Anmerkung: Der Artikel über unbezahlte Praktika erscheint morgen, 18. 1. 2008, im Wirtschaftsblatt Kompakt.
Das nenne ich mal ein produktives Wochenende: wenn ich nicht gerade in den Vorlesungen meines Postgraduate-Studiums saß, dann drehte ich die Werbespots für die am 23. Februar stattfindende "Monkey Island Revival Party".
Dazu kann nur gesagt sein: lustig war's! Am Set waren: Kameraleute, eine Profi-Visagistin und Schauspieler (von denen einer logischerweise als böser Pirat hergerichtet war). Gedreht wurde: in einem Büro, einer Bar und einer Wohnung. Zerstört wurden: ein Stativ, ein Tischtuch, ein Bierglas, eine Zimmertür (!) und mein alter Laptop.
Als nächstes geht's ans Schneiden; dann können wir die Videos online stellen. Jippiee!
Die Studentenvernetzungsbörse StudiVZ hat mit Beginn des Jahres die AGB verändert. Teil dieser ist neben einer Weitergabe der Daten an die Exekutive auch eine Verwendung der Daten für Marketingzwecke. Das Volk bäumt sich auf und gründet Gruppen mit Namen wie "Stell Dir vor, studiVZ ändert die AGB und keiner stimmt zu"; andere traten komplett aus und gründeten vorher noch schnell die Gruppe "wegen AGB nun weg" (derzeit logischerweise genau null Mitglieder).
Ich habe zugestimmt, da ich vor der Exekutive keine Angst habe (hab ja eine weiße Weste) und von studiVZ versichert wurde, man könne in einer Datenschutzerklärung das Zusenden von personalisierter Werbung verbieten. Für alle, die so lange und verzweifelt gesucht haben wie ich: der Button findet sich ganz unten rechts, gut versteckt, mit dem Namen "Datenschutz". Die Berliner haben Ostern heuer also vorverlegt, hurra.
Die weitere Vorgehensweise:
1. auf der darauffolgenden Seite auf "EINSTELLUNG ZUR VERWENDUNG MEINER DATEN" klicken
2. auf der nächsten Seite alle Häkchen entfernen und speichern.
So behalten wir zumindest Teile unserer Daten für uns. Wenn auch bestimmt nicht alles.
Wann wird es mal wieder richtig Winter? Aus verschiedenen Ecken der Welt - von Kanada bis Kaliningrad - erhalte ich von geliebten Menschen die Kunde, dass sie im Schnee versinken, weil es ein so richtig schöner, kalter Winter mit viel weißer Romantik ist. Auf der anderen Seite: vor ein paar Tagen habe ich in der Außenhandelsstelle in Shanghai angerufen und mich nach dem Wetter erkundigt - dort herrschen bereits angenehme Plus-Grade. Und wo steht Wien? Genau: mittendrin. Hier gibt es zwar keine weiße Winterpracht, dafür ist es aber eklig kalt, die Straßen sind vereist, der Himmel grau, die Grippe-Welle geht um und ich habe wochenlang die Sonne nicht gesehen. Traurig, traurig.
Um dieser grauen, kalten Welt zu entfliehen habe ich beschlossen, professionelle Realitätflucht zu betreiben. Wie das geht: ich ziehe mich auf mein überdimensionales Sofa zurück, setze einen Kräutertee auf und spiele die Spiele der Kult-Computerspielreihe "Monkey Island". Fad und von gestern meinen Sie? Ja, vielleicht; schließlich hatten die Spiele Mitte der 1990er Jahre ihren Höhepunkt, sind in punkto Grafik schon lange überholt. Aber, hey, es geht ja um die Nostalgie... und erwähnte ich eigentlich schon, dass ich die Spiele nicht am Computer spiele?
Ich habe nämlich seit gestern meinen Laptop an den Fernseher angeschloßen, kann somit vom Sofa aus auf dem Großbildschirm zocken. Da mein Laptop von 2007 stammt, mein Fernseher mit dem Geburtsjahr 1990 aber nicht mal einen Scart-Eingang hat, ist der Bildweg natürlich etwas aufwändig: da geht es von S-VHS in einen Scart-Adapter, von dort in einen Scart-Cinch-Adapter und dann via Cinch in den Fernseher - funtioniert tadellos... und ich spiele nun "Monkey Island 2: Le Chuck's Revenge" in einem völlig ungewohnten Ambiente.
Noch skurriler ist, wie ich jetzt das erste Spiel der Reihe spiele: dafür habe ich mir auf mein Symbian-Handy das Scumm-VM geladen (eine Software, mit der alte DOS-Spiele auch unter neuen Betriebssystemen funtionieren; gibt es hier) und kann somit "Monkey Island" spielen, wo ich will: in der U-Bahn, im Café, in der Vorlesung. Super.
Wo und wie ich dann den dritten Teil der Saga - "The Curse of Monkey Island" - spielen werde, weiß ich noch nicht. Aber vielleicht haben die Jungs von Sony ja mal Lust, bei LucasArts anzuklopfen und sie zu bitten, das Spiel für die PS3 zu adaptieren. Ein paar mehr Spiele würden der neuen Konsole ja ganz gut tun.
Infos zur Playstation 3 gibt es im heutigen Wirtschaftsblatt, bzw. hier.
Es hat begonnen: die PR- und Marketingphase für die "Monkey Island Revival Party"!
Hobbys kann man ja bekanntlich nicht genug haben: da ich schon Musiker, Filmemacher, Computerspieler und vieles weitere bin, habe ich Ende vergangenen Jahres beschlossen, mich dem Planungsteam einer Piratenparty anzuschließen. Ziel ist es, am 23. Februar 2008 so viele Leute wie möglich in den Projektraum des Wiener WUK zu locken, so dass sie sich als Piraten verkleidet mit Grog betrinken, Piratenlieder grölen, Piratentänze tanzen und Piratenspiele spielen. Es wird Live-Musik ebenso geben wie einen DJ, der fast ausschließlich Piratenlieder spielt.
Als PR-Mitverantwortlicher habe ich nun den ersten Schritt gemacht, das Event zu pushen: ich bin diverse Gruppen im allseits beliebten studiVZ durch gegangen - die größte Gruppe ist "Urlaub auf Monkey Island" mit 12.676 Mitgliedern - und habe dort einen Link auf die Website geschaltet. Das ist virales Marketing, maßgeschneidert auf die Zielgruppe. Bin mal gespannt, wie das Ganze wirkt.
Es ist wieder so weit: das alte Jahr ist vorüber, ein neues Jahr beginnt. Wir sind voller Pläne, guter Vorsätze und Hoffnungen, dass im kommenden Jahr alles besser wird; gleichzeitig wissen wir: in genau einem Jahr werden wir wieder lang schlafen, irgendwann aufstehen, feststellen, dass es schon dunkel ist und uns überlegen, was wir mit dem ersten Tag dieser neuen Episode unseres Lebens anstellen sollen (schließlich hatten wir ja in der Nacht davor beschlossen, dass alles anders und besser wird). Dann machen wir irgendwas tolles - ich zum Beispiel werde heute noch dem Burgtheater einen Besuch abstatten - und legen uns anschließend wieder schlafen. Die Verwirklichung unserer Pläne verschieben wir auf morgen. Wir haben ja jetzt ein ganzes Jahr Zeit.
Flucht und Migration bedeuten nicht nur ein Überleben in fremder Umgebung und ein Annehmen der dortigen Sitten und Bräuche; es bedeutet auch, die eigene Kultur aufrecht zu erhalten und an die Nachfahren weiter zu geben, auf dass diese sich ihrer Wurzeln bewusst sind. Dies haben die Russland-Deutschen getan: Menschen, die im 18. und 19. Jahrhundert an die Wolga gesiedelt und im Laufe der letzten Jahre nach Kaliningrad (früher: "Königsberg") weiter gezogen sind, haben das Wissen stets an die Nachfahren weiter gegeben. Selbige fühlen sich zwar heute als Russen, treffen sich aber gerne, um sich über die Kultur ihrer Vorfahren auszutauschen.
Dies geschieht unter anderem im "Deutsch-Russischen Haus" in Kaliningrad. Hier waren wir gleich am ersten Tag unseres Aufenthalts zu einer Weihnachtsfeier eingeladen. Ein Unterhaltungsprogramm gab es am ganzen Abend: größtenteils wurden - mit einem für unsere Ohren sehr fremd wirkenden Akzent - deutsche Weihnachtslieder gesungen, zudem - von Teilnehmern, der Vorfahren wohl aus Friesland kamen - ein Tanz mit Holzschuhen vorgeführt und es gab eine Wahl zur "besten Speise des deutschen Sprachraums".
Zum Zweck der Wahl wurden von Präsentatorinnen Zander, Dorsch und - als Vertreter der österreichsichen Küche - Strudel in den Saal getragen. Das Publikum applaudierte den einzelnen Speisen voller Begeisterung, während ich weiter an meinem Vodka nippte. Kaum setze ich das Glas ab, schenkt mir mein Nachbar schon wieder nach. "Mit halb leerem Glas stößt man nicht an," sagt er. Oh je, oh je... während ich mich in Gespräche vertiefe und gleichzeitig vor mir drei Gläser - Vodka, Glühwein und Wasser - stehen habe, kostet sich eine Jury durch die besten Speisen und kürt einen Gewinner - die frohe Kunde für Österreich: der Sieger heißt Strudel.
Die Herzlichkeit in der Runde - die Musik, die Speisen, der Vodka - war bezaubernd; ich habe so etwas lange nicht mehr erlebt, fühlte mich richtig wohl und werde bei meinem nächsten Besuch sicher in das Haus zurück kehren. Frage ist: warum gibt es etwas Vergleichbares eigentlich nicht für die Numerus-Klausus-Flüchtlinge in Wien?
So, Halbzeit. Nach vier Tagen Kaliningrad kann ich nun einen ersten Zwischenstand bekannt geben. Klar ist jedenfalls: kalt ist es hier; und die russische Enklave ist sicher kein Anlaufpunkt für Massentouristen. Aber interessant ist es allemal. Doch fangen wir am Anfang an.
Ganz klassisch meine Ankunft am Flughafen Tegel, Berlin: Koffer weg; Air Berlin hat ihn in Wien gelassen. Begründung: Ich habe zu spät eingecheckt. Resultat: von 9 uhr morgens bis 14 Uhr wartend im Flughafen verbringen, langweilen. Um 14 Uhr schließlich kann ich meinen Koffer beim Zoll abholen, setze mich in den Bus, fahre zum Ku-damm. Dort Rumhängen, Schwester im Hugendubel treffen und ab zum Bahnhof, wo wir in den Zug nach Kaliningrad steigen.
Die Fahrt beginnt um ca. 21 Uhr Berliner Zeit, endet am darauf folgenden Tag um rund 15 Uhr Ortszeit. Der erste Blick in den Zug verrät bereits: hier gibt es einen Hauch von Transsibirischer Eisenahn zu spüren. Alles ist in dunkelblau und silber ausgestattet, am Zimmer gibt es neben zwei Betten einen Sessel, dessen aufklappbare Sitzfläche als Kühlschrank dienen kann und einen Tisch, unter dem sich ein Waschbecken befindet (was für mich aber unnütz war, da ich meine Zahnbürste vergessen hatte). Das Frühstück liegt bereits beim Einsteigen im Zimmer: neben zahlreichen Marmeladen und Schokoriegeln... Kaviar! Überflüssig zu erwähnen, dass ich mich beim Frühstück des nächsten Tages vor allem auf die russische Spezialität konzentrierte, die Fischeier gemeinsam mit Jacobs-Löskaffee genoss.
Nachts war von der Außenwelt freilich wenig zu sehen; einzig auffällig war, dass wir an der deutsch-polnischen Grenze nur wenig Zeit verbrachten (willkommen im Schengen-Raum, geliebte Brüder!). Folglich verbrachten wir den Abend mit Gesprächen.
Da war etwa dieser Berliner Zahnarzt, der ein Forschungslabor in Kaliningrad betreibt. "Denn die haben dort eigentlich sehr gute Forscher", sagt er: "Und das zu deutlich niedrigeren Preisen als bei uns". Auf meinen Hinweis, das sei Offshoring im klassischen Sinne, meinte er nur, den Begriff kenne er nicht; aber es sei eben billiger, und darum gehe es. Als echter Zahnarzt hat er natürlich auch brav die Zähne vor'm Schlafengehen geputzt. Ich nicht. Mist.
Außerdem haben wir einen russisch-stämmigen Deutschen kennen gelernt, der an der russisch-chinesischen Grenze geboren wurde, nun aber in Berlin lebt. Der Rest seines Dorfes ist nicht bis nach Berlin gezogen, lebt nun in Kaliningrad. Zu Weihnachten und Silvester besucht er die ganze Meute. In den Gesprächen sagt er auffällig oft "krass, mann", ist aber ein echt netter Kerl, der mir Videos von seinem Handy zeigt (er hat offensichtlich ein Jamba-Abo) und nachher sogar Bier vorbei bringt. Dann legen wir uns schlafen.
Am morgen: weitere neue Freunde. Während ich an meinem Kaviarbrot knabbere, kommt ein Russe rein und beklagt sich über Kopfweh. "Ja ja, das Wetter", denke ich. Er: "Ich habe letzte Nacht zu viel gesoffen; sie haben mich zwischen den Abteilen aufgeklaubt und in mein Zimmer geschleppt; dort habe ich auf dem Boden geschlafen". Dann stellt er uns sein Baby vor. Reizend.
Nun sehen wir auch schon etwas von der Landschaft: keine Berge, alles flach, verfallene Dörfer, grauer Himmel, Kälte, echt deprimierende Stimmung - im Grunde also vergleichbar mit Norddeutschland, bzw. dem Burgenland. Naja.
Weitere Erzählungen werden in den nächsten Tagen folgen. Noch bin ich ja hier; und es passiert ständig etwas neues. Also: stay tuned!
Heute habe ich endlich meinen Diplomatenpass bei der Deutschen Botschaft in Wien abgeholt - einem Weihnachtsfest in Kaliningrad steht somit nichts mehr im Wege. Der Plan: am Freitag steige ich in ein Flugzeug, fliege nach Berlin, verbringe dort den Tag, treffe meine Schwester, steige in einen Zug, fahre abends in Berlin los und komme am darauffolgenden Tag in der russischen Enklave an. Circa eine Woche werden mein Schwesterchen und ich in der Wohnung unserer Eltern verbringen, dann kommt sie mit mir nach Wien, wo wir Silvester gemeinsam feiern werden.
Selbstverständlich werde ich auch Kamera und ausreichend DV-Bänder mit nehmen; denn meine Eltern haben mir bereits von verfallenen deutschen Kirchen und Glühwein-Ständen an der stürmischen Ostsee berichtet - ohne Zweifel schöne Motive für einen kleinen Filmfreak wie mich!
So kurz vor Weihnachten steht beim Wirtschaftsblatt noch ein Sonderthema an: "Indien". Die vergangenen Tage hat dieser Blog somit ein wenig gelitten, da ich viel Zeit damit verbracht habe, mit PR-Damen des indischen Subkontinents über die Zusendung diverser Unterlagen zu verhandeln. Größtes Problem dürfte meine Emailadresse gewesen sein: Buchstabieren Sie mal "s-t-e-f-a-n-dot-m-e-y-AT-w-i-r-t-s-c-h-a-f-t-s-b-l-a-double-t-dot-a-t", ohne dass die Gesprächspartnerin - in den seltensten Fällen Wirtschaftsflüchtlinge aus Deutschland mit entsprechender Muttersprache - entsprechende Verständnisprobleme hat.
Als die Emails ausblieben, habe ich nach telefoniert; und die Dame war offensichtlich erleichtert: "The Email kept bouncing back all the time," sagt sie: "I am glad you called, because I was really desperate". Warum sie mich denn nicht angerufen habe? Schließlich hatte ich ihr ja zur Sicherheit meine Handynummer gegeben. "In India, we have a saying: If you think of someone he will call," entgegnet sie mit fernöstlicher Weisheit. Gut.
Irgendwann habe ich auch Interviews geführt. Ein Gesprächspartner, der stellvertretende Geschäftsführer der Indien-Niederlassung eines global agierenden Immobilien-Konzerns, erzählt mir begeistert, dass eines der größten Slums von Mumbai niedergerissen wird, um Platz für weitere Büroimmobilien zu schaffen. Die Bewohner der Wellblechhütten werden dann in ein "vertikales Slum", also Hochhäuser, umgesiedelt. Das erzählt er im Plauderton, und es ist irgendwie gruselig.
Als er erfährt, dass ich als Kind in Indien gelebt habe, kommt seine Reaktion wie aus der Pistole geschossen: "You have to come to India and visit me". Na klar, mache ich. Wenn ich das nächste mal mit dem Tramper -Rucksack auf Selbstfindung bin.
Und genau so wie er haben eigentlich auch alle anderen reagiert, mit denen ich telefoniert habe: auf der einen Seite knallhartes Business, auf der anderen wirklich rührende Herzlichkeit. Per Du ist man sehr schnell; und manche haben mehrmals betont, ich solle doch für das Interview ins Büro nach Delhi kommen - meine Antwort, das wäre von Wien doch etwas weit entfernt, konnten und wollten sie nicht verstehen.
Für mich ist also klar: früher oder später steht mal wieder eine Indien-Reise an... wer ist dabei?
Anmerkung: Das Sonderthema "Indien" mit Artikeln über abzureißende Slums, Sweatshops, Erneuerbare Energien in Indien, indische Arbeitskultur und Bollywood erscheint am 20.12. als Beilage zum "Wirtschaftsblatt".
Keine Sorge, hier ist nicht - wie manch übereifriger Zeuge Jehovas frohlocken würde - das Ende der Welt gemeint, sondern ein viel bodenständigerer Abschluß: die Rede ist vom Ende des Steuerjahres.
Wie es alle Jahre wieder geschieht, so bemühen sich auch heuer Unternehmer, die letzten Gewinne noch rein zu waschen, indem Scheininvestitionen getätigt werden. Ich für meinen Teil habe im Lauf des Jahres in einen Laptop, eine Kamera und ein Postgraduate-Studium investiert - Güter und Services, die ich tatsächlich brauche - und steige nun meinem Lebensstil entsprechend aus. Andere hingegen können nicht genug kriegen, und ihr Dezember erinnert eine abartige Parodioe auf das Brettspiel "Mad".
Mein Vermieter gehört vermutlich zu dieser Sorte. Denn seit ein paar Wochen wird unser Innenhof saniert; ein Aushang weist uns freundlich auf etwaige Lärmbelästigung hin. Seltsam ist dabei, dass solche Arbeiten einerseits im Winter durchgeführt werden, wenn fleißige Handwerker-Hände bei der Arbeit fast abfrieren; andererseits ist es durchaus verwirrend, dass ein Innenhof saniert werden muss, obwohl er sich in einem einwandfreien Zustand befindet. Das Stiegenhaus hingegen ist beschmiert und verdreckt; die fast zwei Jahre alten Nazi-Schmierereien sind noch immer nicht entfernt worden. Hier wäre eine Renovierung tatsächlich erwünscht, davon weiß der Hausbesitzer aber nichts. Meine Vermutung: er hat sein "Investitionsobjekt" wohl seit einer halben Ewigkeit nicht mehr von innen betrachtet; und es ist ihm ja auch egal, ob die Arbeiten tatsächlich einen Effekt auf die Qualität des Objekts haben (am Naschmarkt findet man schnell mal neue Mieter), im Vordergrund steht die steuerliche Abschreibung.
Dem ist wohl auch nichts mehr hinzuzufügen. Außer vielleicht ein simples: "Frohe Weihnachten, Mr. Scrooge!". Ja.
Wie den Plakaten unschwer zu entnehmen war, ist der Wiener Community-Sender Okto heuer 20 Jahre alt geworden. Das erfüllt mich ganz besonders mit Stolz; denn ich war ja immerhin von Anfang an dabei. Ja ja, mit einem wissenden Lächeln erinnere ich mich daran, wie ich vor 20 Jahren - also im zarten Alter von fünf Jahren - meine erste Folge von Community.talk drehte; seitdem hat sich so einiges geändert.
Groß ist das Projekt zum Beispiel geworden; das hat man nicht zuletzt bei der Jubiliäumsfeier im OST-Klub gemerkt: gesteckt voll war's, und an der Garderobe bin ich gut 20 Minuten angestanden. War aber halb so wild, denn mit Freude konnte ich schon im Eingangsbereich Programmintendantin Barbara E. ausmachen, die es sich nicht nehmen ließ, ihre Gäste persönlich zu begrüßen - wo sonst findet man eine solche Herzlichkeit?
Bei meinen Streifzügen durch das Lokal finde ich gleich mal Osteuropa-Guru und Vitam-in-C-Chef Stephan T. Er erzählt mir begeistert von einem gewaltigen slowakischen Filfestival - drei Mal so groß wie die Viennale -, das aber hierzulande leider kein Schwein kennt. Schön, dass es Leute wie ihn gibt, die über so was berichten. Komplementäre Berichterstattung vom Feinsten.
Als nächstes: Harald B., Mitbegründer von Butterbrot, und Denis D., Produzent der HipHop-Sendung Fragezeichen. Ein Moment gelebter Diversität: mit Harald rede ich über Screenings im Weltcafé, mit Denis über Zauberflöten. Der Versuch, die beiden zu einem Polylog zu bewegen scheitert leider - naja, es muß ja nicht alles funktionieren.
Stattdessen gehe ich lieber auf das Konzert von Ron Tyler. Die haben allerdings nicht wirklich Lust Musik zu machen und zeigen dem Publikum lieber Fotos vom letzten Jesolo-Urlaub. Ich bestelle mir noch ein Bier, schaue dem Ganzen noch eine Weile zu und beschließe letztenendes, dass ich den Rest des Abends an der Bar verbringen möchte. Auf dem Weg nach hause denke ich mir schließlich: schön war er, unser 20. Geburtstag. Und ich freue mich auch schon auf's nächste Jahr. Dann feiern wir nämlich unseren Dreißiger.
Das Schöne am Internet ist wohl, dass sich Ereignisse und Erkenntnisse innerhalb kürzester Zeit überschlagen können. Somit ging ich heute in die Arbeit, setzte mich an den Schreibtisch, drehte den grauen Kasten auf und las meine Emails. Gleich zu Tagesbeginn eine freudige Nachricht von einer Arbeitskollegin, die wohl anscheinend tatsächlich die im Welpen-Email (siehe vorhergehender Eintrag) angegebene Telefonnummer angerufen hatte. Ihr Recherche-Ergebnis:
Dear all, The person who sent me the email about the dogs just told me that all the puppies were already given this morning, and that they got so many phone calls that they had to cut the lines!!! Sorry for the spam and maybe the false hope then... But the good news is: they have found places where they could stay!
Cheers Nathalie
Somit war ich also vorerst beruhigt - zum Glück bleiben die niedlichen kleinen Hunde also am Leben! Mich nervte jedoch, dass über meine private Adresse nach wie vor Adoptionsaufrufe hin- und hergeschickt wurden; hier hatte sich die freudige Nachricht wohl noch nicht rum gesprochen. Und ich war auch nicht der Einzige, dem die Sache langsam die kostbare Arbeitszeit kostete: eine Bekannte etwa verglich das Mail mit psychischer Erpressung, schließlich könne man ja die Hündin sterilisieren lassen, dann müsse man nicht nachher die ungewünschten Baby-Hunde - immerhin Lebewesen - einschläfern lassen. Kein Zweifel: die Emotionen kochten hier langsam hoch.
Endgültige gelöst wurde die Geschichte aber abends von einer weiteren Bekannten, die den Link zu einer Hoax-Meldung verschickte:
Ein Kettenbrief verbreitet bereits seit November 2001 Fotos von
Hundewelpen, die angeblich getötet werden sollen, wenn sich kein Abnehmer fände. Zunächst (im
Nov. 01) war eine Telefonnummer angegeben, die nur mit der (nicht angegebenen) Ländervorwahl
für Österreich (.at) zum Ziel führen konnte. Im Oktober 2002 tauchte dieser Kettenbrief nahezu unverändert
wieder auf - nur es war als Kontakt nunmehr eine E-Mail-Adresse in der Schweiz (.ch) angegeben,
spätere Versionen enthalten verschiedene deutsche Adressen, vermutlich die von Weiterleitern.
Tatsächlich bestand seitens des Hundezüchters (in Österreich) nie die Absicht die Welpen zu töten.
Was lernen wir daraus? Ganz recht: diese Welt ist böse und gemein; und wenn wir ein Ketten-Email weiter geleitet bekommen, bei dem es scheinbar um die Rettung von Leben geht, dann müssen wir es sofort löschen, ignorieren, seinen Inhalt wieder vergessen. Die Idee von einem kollektiven Gewissen, in dem wir alle an einem Strang ziehen, um einander zu helfen und diese Welt schöner zu machen, die ist wirklich super - aber angesichts solcher Vorkommnisse leider vollkommen utopisch.
PS: Bleibt nur noch die Frage, mit wem meine Arbeitskollegin eigentlich telefoniert hat...?
Da soll noch mal einer sagen, das Internet fördere nicht das Gutmenschentum. Denn Spam aller Art - von dubiosen Viagra-Angeboten bis hin zu nervtötenden Hoax-Meldungen - bin ich ja gewohnt, doch gestern bekam ich auf meine private Email-Adresse folgende Nachricht:
"bitte weiterleiten - Danke !!!
Ihr kennt nicht zufällig jemanden der einen Hund haben möchte?
Die süßen Golden Retriever-Welpen suchen DRINGEND einen Platz!
Falls sie nicht weg kommen, werden sie eingeschläfert!!!
Man müsste auch nichts dafür bezahlen - sie sind zu verschenken!!!
Andreas Frick
Tel: +43 (5572) 501-848
Mobil: +43 (664) 80588-848"
Einge Sekunden später blickte ich in meine berufliche Inbox und entdeckte dort - potz blitz! - haargenau das gleiche Mail. Nun muß man dazu sagen, dass beide Absender einander nicht kennen, nicht einmal aus dem gleichen Land kommen - ganz im Gegenteil, die zweite Absenderin hatte das Mail sogar ins Englische übersetzt, wobei sie für "Einschläfern" den niedlichen Euphemismus "send asleep" verwendet hatte. Man staune also: Adoptionsaufforderungen für kleine, unschuldige Hundebabys verbreiten sich in dieser wundervollen, pinken Blümchen-Welt gar noch schneller als Viagra-Spam. Das finde ich löblich; und sehe es als Grund genug, die Geschwindigkeit des Aufrufs zu ver-2.0-fachen, indem ich ihn auf meinem Blog veröffentliche. Und um das Ganze noch komplett zu machen, hier ein Foto von den kleinen Rackern. Es lebe die Niedlichkeit!
Nachdem ich monatelang morgens zum Aufstehen Ö1 gehört hatte, habe ich mich heute entschieden, den Sender zu wechseln. Der Grund dafür ist kein inhaltlicher, sondern ein technischer; denn in meiner Erdgeschoßwohnung - umzäunt von Betonmauern angrenzender Altbauten - ist der Empfang des Kultursenders einfach zu schlecht, an wirklich üblen Tagen rufen besonders basslastige Stimmen und laute Fanfaren (bei klassischer Msuik nicht gerade eine Seltenheit) beinahe schon körperliche Schmerzen hervor. Ich drehte also am Rad zur Sendereinstellung und landete beim Gute-Laune-Sender Radio Wien. Das bedeutet: die Nachrichten kurz und knackig, musikalisch Evergreens und leicht zu verdauender Kommerz. Schön.
Auf dem Spaziergang zur U-Bahn-Station Karlsplatz blieb ich vor der Secession an einer roten Ampel stehen und sah Promotrinnen, die eben gerade für meinen neuen Lieblingssender Fruchtsäfte verteilten. "Hui, wunderbar", dachte ich mir in meiner Naivität: "Tolle Musik, und dazu gleich eine Vitamindröhnung, um den Winter zu bekämpfen". Doch die netten Damen kamen nicht auf mich zu, also ergriff ich die Initiative und bat freundlich um die Aushändigung eines der Werbeartikel. "Äh, nein, die sind nur für Autofahrer", kam die verwirrte Antwort. Erst auf meinen flehenden Blick hin kam auch ich in den Genuß von Flyer und Getränk.
Auch bei genauerer Betrachtung des Flyers ist mir nicht klar, weshalb die Zielgruppe auf CO2-Schleudern beschränkt werden soll; denn schließlich geht es bei der aktuellen Aktion des ORF-Senders um die Möglichkeit, ein Haus zu gewinnen. Das dürfen Autofahrer schon, Fußgänger aber nicht? Seltsam. Meine Theorie ist, dass sich ein kluger Kopf in der Marketing-Abteilung ausgedacht hat, dass man an der Ecke Wienzeile/Getreidemarkt gut Autofahrer ansprechen kann - selbständiges Denken vor Ort hat man den Promotorinnen leider nicht nahe gelegt.
Nun denn, mir bleibt wohl nichts anderes übrig: ab morgen höre ich wieder Ö1. Auch mit Fanfaren und Bass. Meine Ohren bedanken sich.
Von drauß vom Domplatz komme ich her, und ich muss Euch sagen, es weihnachtet sehr: ja, ganz Recht, am Graben wurde gestern die Weihnachtsbeleuchtung aufgehangen. Damit ist Frau Stenzel nur um wenige Tage später dran als das bei mir um die Ecke gelegene Verkleidungsgeschäft Ed Witte - hier wurden gleich nach Halloween im Schaufenster Zombies gegen Engel ausgetauscht. Beide wiederum können unmöglich mit dem Enthusiasmus des engliches Kaufhauses Harrods mithalten, welches ja bekanntlich schon im Hochsommer Nikoläuse verkauft und dabei englischen Mädels im bauchfreien Top "Let it snow" vorspielt (mehr Infos: hier). Wäre man ein mies gelaunter Komsum- und Kapitalismus-Verweigerer, dann könnte man dies natürlich fürchterlich finden. Tue ich aber nicht; denn als aufmerksamer Leser der Oberösterreichischen Nachrichten kenne ich die Studie, die besagt, dass Linke generell unglücklicher sind als konservative Konsumäffchen. Somitschließe mich dem allgemeinen Trubel an und wünsche allen Lesern dieses Eintrags ein Frohes Fest. Auch gleich schon mal für Weihnachten 2008; man kann ja nie früh genug dran sein.
Die Idee des National Novel Writing Month (kurz: NaNoWriMo) ist gleichermaßen schräg und genial: Aufgabe der Nutzer ist es, innerhalb eines Monats - nämlich vom ersten bis zum 30. November - einen Roman zu schreiben, der eine Länge von 50.000 Wörtern hat. Der Inhalt ist dabei frei wählbar; die Macher freuen sich darauf, dass die Geschichten erst im Laufe des Schreibens entstehen und entsprechend skurrile Ideen an die Oberfläche treten. Und dieses Konzept fährt: am 1. November diesen Jahres hatte die Seite 139,000 Hits; es wurden Spendengelder in der Höhe von $139,413 lukriert. Die Teilnahmeregeln sind in dem Verein sehr streng festgelegt und durch ein FAQ definiert, dennoch kommt der Humor nicht zu kurz. Auf die Frage, ob wirklich jeder teilnehmen kann, sagen die Macher etwa: "Nein. Wer sein Schreiben (und sich selbst) sehr ernst nimmt, sollte
besser woanders hingehen. Alle anderen sind hier jedoch herzlich
willkommen."
Ich hatte schon mehrmals überlegt, mit zu machen; leider ging die Motivation aber jedes Jahr schon nach kurzer Zeit flöten. Mal sehen, vielleicht versuche ich es aber dieses Jahr wieder. Einen Tag habe ich zwar schon verloren, aber wenn ich nach einem inspirierenden Wochenende voller Hirnwichserei erst mal die absolut tolle Über-drüber-Idee für einen Roman habe - na, dann sollte mir eh schon alles quasi von selbst aus den Fingern fließen...
Der Oktober ist eigentlich ein vollkommen unterbewerteter Monat; denn während die Sommer-Palmen-Sonnenschein-Monate Juli und August als die Party-Monate schlechthin gesehen werden, verbinden wir den grauen Herbstmonat eher mit Dingen wie Regen, Nebel und schlechtgelaunten alten Frauen in der U1. Dabei könnten Oktober und seine Kaltfront-Kollegen November, Dezember, Jänner und Februar so einiges aus sich machen: nicht nur, dass einige wirklich schöne Feiertage in diese Zeit fallen (im Oktober etwa: der Nationalfeiertag und Halloween, das wundervolle US-Importgut) - nein, die Kälte entschuldigt uns auch endlich dafür, dass wir wieder Partys in der behaglichen eigenen Wohnung veranstalten, anstatt uns gezwungenermaßen auf irgendwelchen Parkflächen mit lauwarmen Bier abgeben zu müssen.
Und - ja - wir können mit der Entschuldigung à la "Draußen ist's so grauslig, ich möcht nicht mehr raus gehen" uns auch endlich legitim von diesen blöden Partys in gemieteten Lokalen fern halten. Dass mich diese immer schon abschreckten, hat mehrere Gründe. Das beginnt schon mal damit, dass man als Gast oft mit Barhockern und ähnlichem konfrontiert ist, die in Sachen Sitzkomfort einfach mit dem heimischen Sofa nicht mithalten können. Das Ergebnis sind meist schmerzhafte Krämpfe im allerwertesten, deren Härte nur durch die entsprechende Einnahme von Flüssigweizen in Grenzen gehalten werden kann. Zu den physischen Schmerzen gesellen sich die psychischen, wenn die Sitzordnung rund um den quadratischen Lokaltisch einen für den Rest des Abends an irgendwelche Idioten fesselt: da bleiben nur die Gesprächspartner, die Ihnen gegenüber, bzw. links oder rechts von Ihnen sitzen - und wenn sich diese eben aus einem Buchhalter, einer gehalterten Ballkönigin mit Komplexen und einem Düsseldorfer zusammen setzen, dann haben Sie ein Problem. Die Tatsache, dass man dem DJ - dem Großen Diktator - in Sachen Musikwahl an diesem Abend ohnehin hilflos ausgeliefert ist, setzt dem Ganzen dann die Krone auf.
Also bitte: endlich wieder mehr Privatpartys. Auf einer selbigen, und zwar einer netten, war ich nämlich letzten Samstag: nette Gespräche, ein Fass zum selber Bier zapfen und liebe Gesprächspartner. So soll's sein. Der Winter kann kommen.
Langeweile? Dann fahren Sie doch einfach mal samstags zu später Stunde mit einem Bus Ihrer Wahl durch Wiens beliebteste Trink-Bezirke (Bezirke 4 bis 9, auch bekannt als "Bobo-Land"). Das Belauschen diverseer Telefongespräche eröffnet - mit etwas Glück - neue Möglichkeiten der Freizeitgestaltung.
So etwa eine junge Dame gestern im 13A: "Hallo, Du, ich bin's. Du, erinnerst Du dich daran, wie wir mal von der großen Seidl-Tour durch Wien geredet haben? [...] Ja, genau! Ich habe grad drei Burschen getroffen, die das tatsächlich durchgezogen haben. Ja, wirklich, in jedem Bezirk ein Lokal besucht - also insgesamt 23 - und jeweils ein Seidl Bier getrunken... Es ist also möglich! Die haben nämlich gar nicht mal so schlecht ausgeschaut, obwohl sie schon seit 9 Uhr morgens unterwegs sind... ja, man muss wohl nur früh genug anfangen... aber der größte Vorteil von allen scheint zu sein, dass man voll oft von den Wirten eingeladen wird..."
Dann ist sie leider ausgestiegen. Die Idee klingt allerdings nach einem Spaß, der nichts für schwache Nerven ist; denn eine Überschlagsrechnung ergibt, dass es sich um 6,9 Liter Bier handelt - also knapp 14 volle Krügerln.
Hui hui, so schnell kann es gehen: wurden wir - die lieben, unschuldigen Blogger - noch zu Beginn des Jahres vom Time Magazine zur Person of The Year gewählt, so kippt die Stimmung langsam; sehr treffend zusammengefasst wird dies durch einen Artikel des Blogger-Kollegen Levente J. Dobszay. Mit zahlreichen Quellen untermauert der Kollege, dass es vorbei ist mit dem Web2.0, dass auch diese Blase früher oder später platzen wird. Schade, dabei habe ich gerade erst angefangen, mich daran zu gewöhnen, dieser Blog ist ja gerade mal ein paar Monate alt.
Die große Frage, die sich dabei aufdrängt: was passiert dann eigentlich mit den ganzen Daten, die in der kurzen Zeit gesammelt wurden? Denn das wohl Faszinierendste am Web 2.0 war wohl die Tatsache, dass man Menschen nicht mehr ausspionieren musste, sondern diese ganz freiwillig alle geheimen Daten zu Musikgeschmack, Studienrichtung und derzeitigem Beziehungsstatus preisgaben. Das beginnt schon damit, dass bei Online-Radios wie Pandora hinter den Kulissen nachverfolgbar ist, wer auf welche Musikkombinationen steht. Weiter geht es dann bei so genannten Studenten- und Freundesbörsen wie StudiVZ, Myspace oder Facebook. Hier finden sich Bikini-Bilder neben Schnappschüssen von der letzten Coffee-shop-Tour durch Amsterdam; nachdenken tun die entsprechenden Mitglieder vor dem Einstellen des Bildmaterials nicht wirklich - schließlich wird eine scheinbare Privatsphäre vorgegaukelt, die aber nur allzu schnell zusammen bricht.
A propos Facebook: recht geschockt war ich, als ich die Vernetzungsplattform testete und auf "Find Friends" klickte. Denn dann erscheint ein Angebot der Seite, die Suche nach "Freunden" könne erleichtert werden, indem das Email-Adressbuch des Nutzers durchsucht wird. Alles, was dafür nötig sei, sei die Weitergabe von Email-Account und Email-Passwort. Äh.... hallo? Und als nächstes soll ich noch Kreditkartennummer, Adresse meiner Mutter und Grad meiner Körperbehaarung angeben, oder was? Huiuiui... Das Gruselige an der Sache ist allerdings: offensichtlich gibt es Leute, die den Tanz mit dem Teufel mitspielen, denn sonst wäre das Angebot ja mittlerweile entfernt worden.
Die Frage ist nun natürlich, was die Überwachungsindustrie/Marktforschung macht, wenn es wirklich mit dem Web 2.0 vorbei ist. Die alten Daten sichern und für schwachsinnige Direct Mailings verwenden, klar - und dann? Anzudenken wäre wohl die Idee eines "Life 2.0". Dabei werden wir - ganz im Stil des Web 2.0 - darum gebeten, unsere Namen, Studienrichtungen und sexuelle Vorlieben ständig sichtbar an unserem Körper zur Schau zu stellen, und zwar nicht nur auf Studentenpartys und Clubbings, sondern auch in Fußgängerzonen, auf Staatsempfängen und bei Bewerbungsgesprächen. Angelehnt an das Modell von YouTube werden wir alle gebeten, unentgeltlich Fernsehinhalte zu produzieren, die aber allesamt von hundsmiserabler Qualität sind. Jegliche Ansätze, gute Inhalte zu zeigen, werden sofort von den entsprechenden Medienkonzernen unterbunden. Ähnlich wie in Second Life wird es auch irgendeine Möglichkeit geben, dass wir von einem Ort zum anderen schweben, so dass uns der Konsum von (virtuellen und somit nutzlosen) Gütern leichter fällt.
Das Tollste aber ist, dass wir gar keine echten Freundschaften mehr durch das jahrelange Aufbauen von Vertrauen entwickeln müssen; denn ab jetzt kann jeder geistig verwirrte Idiot zu uns hinkommen und fragen, ob wir sein Freund sein wollen. Und wir bestätigen das durch eine simple Fingerbewegung, so wie wir das von StudiVZ und Facebook gewöhnt sind. Oh, schöne neue Welt...
Hurra hurra, der Herbst ist da. Woran ich das merke? Wohl daran, dass mein Körper rebelliert, meine Nase zum Niesen und meine Lungen zum Husten zwingt, und das alles nur, um eins zu sagen: "ARGH, ich will nicht, dass der Sommer aufhört!"
Begonnen hat alles Mitte letzter Woche, als ich anfing, vor mich hin zu husten und niesen. Als urbaner Technik-Freak hört man natürlich nicht auf Mutter Natur und ignoriert die Vorzeichen, in dem (Irr-)Glauben, auf jedes Problem wird es in den Weiten des Internet schon eine Lösung geben. Dass ich somit am Donnerstag abend auf's BWZ-Fest gegangen bin (war fürchterlich), hat meinem Körper dann den letzten Rest gegeben, und somit lag ich schon am Freitag - ausgerechnet zu Seker-Bayran! - flach. Wahnsinnig genug war ich aber dennoch, am Abend des besagten Tages in ein Flugzeug zu steigen, um meine lieben Eltern in Berlin zu besuchen.
Es führte eins zum anderen; und seit Montag liege ich flach, niese und huste vor mich hin; bewege mich zwischen Bett und Computer hin und her. Für diejenigen unter Euch, die das gleiche Schicksal ereilt hat oder zu ereilen droht, hier drei gute Ratschläge, die mir eine ehemalige Mitbewohnerin gegeben hat:
- Ingwer kauen ist zwar ekelhaft, hilft aber gegen Halsschmerzen.
- Thymian-Tee wirkt Wunder; warum, weiß ich auch nicht.
- Vitamine, Vitamine, Vitamine.
So, und nun ab zurück ins Bett. Böse Viren bekämpfen. Grrrrrr.
Die von mir gemeinsam mit Pia Moik (und diversen "freien Mitarbeitern") produzierte TV-Sendung Community.talk hat in manchen Kreisen schon einen gewissen Kultstatus erreicht. Nun ist mal wieder eine neue Folge fällig, die nicht nur auf dem TV-Sender Okto ausgestrahlt, sondern auch öffentlich präsentiert wird.
Hier die Daten:
Wann? Am Montag, 15. Oktober, um 20:30 Uhr
Wo? Weltcafé, Schwarzspanierstr. 15, 1090 Wien (Lageplan: www.weltcafe.at)
Wie? Na, mit möglichst vielen FreundInnen, FeindInnen und VerwandtInnen…
Diesmal widmen wir uns der Community der Straßenkünstlerinnen und Straßenkünstler, beleuchten das Thema mal aus einer anderen Perspektive als der bisher gewohnten. Neues lernt man da auf jeden Fall, und nett wird es sowieso.
Ein Lesen dieses Blog-Eintrags verpflichtet automatisch zum persönlichen Erscheinen.
Die Wiener Linien geben sich doch immer wieder Mühe, das U-Bahn-Fahren so unangenehm wie möglich zu gestalten. Während meine Wenigkeit in irgendeiner warmen Sommernacht unter schwerem Alkoholeinfluss proklamierte, dass man das CO2- und Feinstaubproblem einfach in den Griff bekommen könnte, wenn man es einfach auf die Reihe brächte, dass es in den Öffis nicht mehr stinkt (in Folge wäre umweltfreundlicher Transport wieder angenehm, die Leute ließen ihre Autos zuhause stehen und alle wären glücklich); ja, währenddessen tüftelten ein paar kluge Köpfe beim Wiener Transport-Monopol am nächsten Belästigungspaket: überflüssige Ansagen.
Und so kommt es, dass uns bei jeder Station vorgeschrieben wird, auf welcher Seite wir den Stinkeschlauch zu verlassen haben. Erstens nicht gerade kreativ (Berlin hat das seit Jahren), und zweitens überflüssig. Wer so debil ist, das Gleis nicht zu bemerken, auf das er treten möchte, der sollte ohnehin lieber zuhause bleiben. Vorschlag: Warum keine Aussage, welcher Ausgang sich an welchem Teil des Zuges befindet? Also etwa: "Karlsplatz. Ausgang Oper: vorne. Ausgang Karlsplatz: hinten."? Wäre angesichts der neuen U-Bahnen (jene, die es randalierenden Kiddy-Gangs nun ermöglichen, ihre pubertären Belästigungen auf den gesamten Zug auszudehnen) eine gar nicht so schlechte Idee.
Noch anstrengender freilich: die penetrante Kinderstimme mit der Aufforderung "Bitte lassen Sie Ihre Zeitung nicht im U-Bahn-Zug zurück". Was hat man sich dabei schon wieder gedacht? Nicht gerade eine Charme-Offensive, ehrlich. Kinder sind niedlich (manchmal), gewiss, aber gerade dieser Tonfall erinnert doch mehr an diese verzogenen kleinen Gören, die ihre Mutter anquängeln mit: "Ich will ein Eis! Ich will, ich will, ich will! Jetzt! Kauf mir ein Eis! Ich WILL es!". Anstrengend. Und der Wunsch, laut in den Waggon zu brüllen "GUSCH! Halt die Gosch'n, verdreckstes Rotzbalg!", der überfällt einen jeden Morgen von Neuem. Der erste Amoklauf ist vorprogrammiert.
Ein Blick in die Wiener Zeitung verrät allerdings, was hinter dieser Aktion steckt: "Alleine "Heute" ergibt einen täglichen Papierberg von 15,4 Tonnen". 15,4 Tonnen? Um das ein bisschen bildlicher zu transportieren: das ist 308 Mal das Gewicht eines Stefan Mey. Hui. Nicht gerade wenig, und es möchte entsorgt werden. Am Besten eben von jenen Leuten, die die Zeitung gelesen haben; denn schließlich bekommen sie das Ding ja gratis.
Wirklich gratis? Nein, eigentlich nicht. Der Begriff "Gratis-Zeitung" ist bei "Heute" und Konsorten nämlich vollkommen fehl am Platz. Besser wäre der Ausdruck "werbefinanziertes Tagesmedium" - etwas sperrig, das gebe ich zu, aber treffender. Denn "Heute" wird finanziert durch Anzeigen diverser Konzerne; und dass man im Kapitalismus nichts geschenkt bekommt, das dürfte sich inzwischen rum gesprochen haben. Was machen also die Inserenten? Richtig, sie wälzen die Marketing-Kosten auf die Konsumenten ab. Also auf uns.
Wir zahlen also. Mit jedem Einkauf im Supermarkt, jeder Zahnpasta, jedem Brot. Mit allem. Übrigens auch: mit jedem Fahrschein, den wir kaufen. Und dann soll ich den Dreck auch noch weg räumen? Sehe ich ehrlich gesagt nicht ein. Es wäre also toll, wenn es hier etwas mehr Transparenz gäbe. Wenn also Frau Dichand und ihre Freunde von den Wiener Linien offen und ehrlich zugeben würden: "Okay, wir haben Euch verarscht. Ihr werdet die ganze Zeit gezwungen, für eine Zeitung zu zahlen, die Ihr eigentlich nicht haben wollt. Und wir verdienen uns dumm und dämlich daran. Ach ja: und bitte räumt unseren Mist auch noch weg."
Ja, toll wäre das.
Vielleicht passiert es auch irgendwann.
Wunder soll es ja hin und wieder geben.
Es gibt Dinge, die regen mich auf. Wirklich dilettantisches Networking zum Beispiel. Während unsereins ja stets darum bemüht ist, mit Stil aufzutreten, zurückhaltend zu wirken und nicht gleich mit der Tür ins Haus zu fallen - kurz gesagt: ein gewisses Niveau zu halten -, haben gewisse Menschen einfach eine Fähigkeit zu hundsmiserablem Timing.
So gesehen letztes Wochenende am Tag der Offenen Tür des ARD in Berlin: ein mit Menschen voll gestopfter, kleiner, stickiger Raum; Großmütter drängten sich an Studenten, Männer an Frauen, Ost an West. Der Chef vom Dienst (CvD) der Online-Tagesschau erklärt dem Publikum, wie moderner Journalismus funktioniert, danach sind Fragen erlaubt, die - gereiht, eine nach der anderen - beantwortet werden. Dass dann blöde Fragen ("Wird die Tagesschau auch in diesem Raum produziert?") nerven, versteht sich von selbst. Aber man wartet brav, hat ja immerhin auch eigene Fragen; und die netten alten Damen wollen ja schließlich endlich mal wissen, wie Angela Merkel in die Flimmerbox kommt.
Unangebracht aber: die Frage einer jungen Studentin, ob Bedarf an Wissenschaftsjournalisten bestehe, denn sie - oh, Überraschung - studiere eben Wissenschaftsjournalismus (so was kann man studieren? Oh Graus...). Die ironische Gegenfrage des CvD - "wollen Sie nicht gleich ihren Lebenslauf hier lassen?" - ignoriert sie und hakt gleich mal noch weiter, ob beim ARD Bedarf an freien Mitarbeitern bestehe. Während des "Bewerbungsgesprächs" dürfen rund 50 Leute zuhören und warten.
Mädchen, falls Du das hier liest (was ich eher bezweifle): so geht das nicht. Besser einfach mal zuhören, kurz Namen erfragen und am nächsten Tag anrufen, sich vielleicht auf einen Kaffee treffen. Dann müssen sich andere Leute nämlich nicht über Dich ärgern.
Sind wir alt geworden? Nein, vermutlich nicht - aber erwachsen. Während sich das pubertierende Fußvolk volltrunken im Schlamm wälzte, lauthals Sauflieder grölte und die freundlichen Bediensteten der Ottakringer-Stände am laufenden Band beleidigte - all dies ironischerweise als Teil eines für uns nicht mehr nachvollziehbaren Paarungsrituals -, saßen der Peqer und ich vor unserem Zelt und spielten Schach. Drei Stunden dauerte eine Partie, es ging bis auf's letzte Blut; und währenddessen kamen immer wieder tätowierte Möchtgern-Penner im "Fuck it all"-Pullover vorbei, um anerkennend zu lallen: "Boah, eh, Schach, schooon supa, ne...". Das bestätigte uns nicht nur in unserem ohnehin schon reichlich überzogenen Selbstwertgefühl, sondern half uns auch, die Durststrecken vor den ersten Konzerten zu überleben. Kurz gesagt: wir waren der Musik wegen da, nicht zum Ficken.
Unzerstörbare Ärzte
Und wir sollten nicht enttäuscht werden: dass Tocotronic während ihres - viel zu kurzen - Auftritts auf der Nebenbühne der wichtigste Act des Mittwoch werden, hatten wir eh schon gewusst - nicht zuletzt, weil Tool ja kurzfristig abgesagt hatten. Der Donnerstag wiederum hielt eine Heiß-Kalt-Dusche an Emotionen bereit: angenehm erfrischend der Auftritt der Ärzte, die sich ja im vergangenen Jahr ob ihrer Soloprojekte durch so manches Trennungsgerücht kämpfen mussten. Davon ist nun nichts mehr zu spüren: die Ansagen sind frech und witzig wie eh und je, die Stimmung oben auf der Bühne wie unten im Publikum ausgelassen. Kleiner Malus: gespielt wurden in erster Linie neue, kommerziell erfolgreiche Stücke, die echten Klassiker (mal abgesehen von "Westerland", die DDR-Antwort auf "I am from Austria") wurden ausgelassen. Fazit: ich verspürte den Wunsch, nach den Ansagen zu applaudieren, nicht nach den Songs. Die Berliner sind mittlerweile wohl mehr Comedy als Musik.
Vor den Ärzten: Nine Inch Nails. "They booked us between two German bands", sagte ein sichtlich genervter Trent Reznor - seine einzige Ansage an dem Abend. Ermüdet fragte er weiter: "Who are you here for anyway?". Das war's dann auch schon. Ansonsten wurden die Hits studiogerecht runter gespielt, kaum Improvisationen. Wer sich eine CD kauft, kommt wohl besser davon.
Überraschungserfolg hingegen: The Good, The Bad and The Queen. Natürlich wäre ich versucht, einfach zu sagen: "Das ist das neue Projekt von Blur-Frontmann Damon Albarn". Aber es geht um viel mehr als einen Ex-Britpopper, nämlich um Paul Simonon (Ex-Bassist von "The Clash"), Tony Allen (Schlagzeuger von Fela Kuti) und Simon Tong (Ex-Gitarrist von "The Verve"). Der Begriff "Cool" muss für diese Truppe neu definiert werden: das Intro bringen drei Damen in schwarzen Gewändern, die auf Streichern spielen, daraufhin betritt die Band die Bühne - ebenfalls gänzlich in schwarz gekleidet, Albarn einen Zylinder tragend, Simonon lässig eine Zigarette rauchend und hübsche, junge Mädels im Publikum mit einem durchdringenden Blick fixierend. Musikalisch spielen sie auf mit einem Soft-Rock, der meditative, sich wiederholende Elemente enthält, begleitet von Albarn am Klavier. Künstlerisch das wohl anspruchsvollste, was ich in den letzten Monaten gesehen habe.
Auch erwähnen sollte man die netten, kleinen Bands, die uns den Nachmittag versüßten: Die deutschen "Fotos" etwa, denen ihre Begeisterung, endlich mal vor einem großen Publikum spielen zu können, deutlich anzusehen war. "Könnt Ihr das nochmal machen?" fragt der Sänger ins Publikum als Antwort auf Anfeuerungsrufe aus der Masse. Musikalisch und stilistisch besteht da schon einiges an Wachstumspotential - eine Kategorie, in die andere Anfängerbands (wie "Snow Patrol" oder die "Kaiser Chiefs") wohl ebenfalls gehört hätten.
Jamaica fällt ins Wasser
Und immer, wenn ich Seeed sehen möchte, regnet es. So auch am Freitag. Da ich das letzte Mal (Nuke Festival, 2004) beinahe gestorben wäre, stellten sich der Peqer und ich diesmal die Frage: "Ist es uns das wert? Da stehen in Regen und Kälte - für eine Band, die wir eigentlich doof finden?" Blöde Frage. Somit sind wir schon am Freitag wieder heim gefahren, haben Seeed und ihr 15jähriges, bekifftes Ö3-Publikum alleine im Regen stehen lassen.
Man soll ja gehen, wenn es am schönsten ist.
Letzten Freitag ist im Wirtschaftsblatt mein Artikel "Buzz-Wörter erobern den Zielgruppen-Wortschatz" erschienen. Zur Erklärung, was ein Buzz-Wort ist: das sind jene Ausdrücke, die von Unternehmen geschaffen werden, um bei der Zielgruppe Aufmerksamkeit zu schaffen. "HUI" von One gehört genau so in diese Kategorie wie "BomChickaWahWah (Unilever/Axe) und "Bamboocha" (CocaCola/Fanta).
Laut Unilever-Brandmanagerin geht es bei ihrem Buzz-Wort darum, das "Image von Axe auszudrücken". Das bedeutet: Flirt, Party, Mädchen. Dementsprechend auch die Beschreibung auf der Verpackung des Duschgels: "Lässt Männer sauber und Mädchen schmutzig werden". Ist das eigentlich sexistisch? Laut Unilever haben sich die Feministinnen noch nicht drüber aufgeregt.
Ähnlich bei Coca Colas Kampagne mit "Bamboocha": südländische Immigranten fühlten sich durch die Kampagne nicht gestört, heißt es aus dem Konzern. Schließlich drücke der Spot ja "Lebensfreude und Spontanität" aus, und damit "würde so mancher Europäer gerne tauschen". Auf mich wirken die Protagonisten der Spots ehrlich gesagt eher verblödet und lächerlich - aber das könnte natürlich auch an meiner gestörten Wahrnehmung liegen.
Denn immerhin liege ich mit meinen 25 Lenzen schon am oberen Rand der Zielgruppe solcher Buzz-Wort-Aktionen: Axe zielt nach Eigenangabe auf die 15- bis 25jährigen ab. Das ist einerseits wegen der breit gefächerten Zielgruppe ein harter Job (ich wage mal zu behaupten, dass ich nun reifer bin als ich es in der Blütezeit meiner Pubertät war); andererseits ist es ein aggressiv umkämpfter Markt. Warum eigentlich?
"Weil das Markenbewusstsein im Alter zwischen 13 und 17 Jahren angenommen wird", heißt es von Unilever. Und da muss man natürlich zuschlagen.
Wann und wo? Na, während der eigenen Veranstaltungen: die "Axe-Exams" sind Events, bei denen die jungen Männer mit Axe-Models flirten müssen, der Beste gewinnt. Wenn sie dann so richtig gamprig sind, fährt die Werbung entsprechend ein.
Was wir davon halten? Das soll jeder für sich entscheiden; mir bleibt nur noch, darauf zu verweisen, dass der entsprechende Artikel online beim Wirtschaftsblatt und hier auf www.stefanmey.com als PDF erhältlich ist.
Es ist ja nicht wirklich eine Neuigkeit, wenn Bands die Lieder ihres neuen Albums zum 30-Sekunden-probehören auf die Homepage stellen - denn die "try before buy"-Mentalität ist nicht zuletzt ein netter Marketing-Gag, mit dem wir zum Kauf überredet werden sollen. Das ist nett, aber es ist noch bedeutend mehr möglich.
So etwa das, was Nine Inch Nails mit ihrem neuen Album "Year Zero" anstellen: auf der Unterseite http://yearzero.nin.com stehen der Großteil der Songs nämlich als Multi-Track-downloads zur Verfügung. Das bedeutet: die Dateien werden runter geladen, können dann in Cubase, Logic oder Garageband importiert werden; anschließend kann der begeisterte Hobby-Musiker damit machen, was er will: Tracks löschen und durch eigene ersetzen, neue hinzufügen und am Ende natürlich alles exportieren.
Finde ich lustig. Beispielsweise könnte man die (bei NIN immer extrem verzerrten) Gitarren-Riffs durch Akustikgitarren ersetzen - oder gleich durch ein Didgeridoo? Und mit den Stimmeneffekten von Garageband könnte Trent Reznors verzerrtes Gejaule zum Beispiele auf Soul, Gospel oder Funk getrimmt werden. Die Möglichkeiten sind vielfältig - und teils gruselig.
Innovationen sind gerade im Rock-Bereich in der Vergangenheit leider rar geworden; und dass sich Musiker gerne auf ihr "geistiges Erbe" setzen wie eine Henne auf ihre Eier ist auch bekannt. Ansätze wie diese zeigen aber, dass Offenheit und Bereitstellung der Schnittstellen und Inhalte zur Weiterverwertung durch Dritte (ja, genau: die Verbindung zum Konzept von OpenSource-Software ist da...) die Beliebtheit eines Musikers durchaus erhöhen können.
Denn ich freue mich jedenfalls schon drauf, den depressiven Computerfreak mit seinem Elektro-Rock am diesjährigen Frequency-Festival live zu sehen. Dafür zahle ich gerne 93 Euro Eintritt - ein bedeutend höherer Betrag als jener, den ich für's Album gezahlt hätte.
Für die kommende Folge von Community.talk waren wir gestern in der Kletterhalle Wien und haben dort nicht nur wirklich spannendes Filmmaterial gesammelt (erstmals kamen wir in den Genuss, mit zwei Kameras gleichzeitig zu drehen, was im Endprodukt interessante Perspektivenwechsel ermöglichen wird), sondern haben auch einen Schnupperkurs im Klettern besucht.
Fazit dazu: Klettern macht Spaß. Und es ist ein angenehmer Ausgleich zum Büroalltag, durch welchen die eigene Wirbelsäule mehr und mehr die Form eines Halbmonds anzunehmen scheint...
Eifrige können sich somit schon mal vormerken: die nächste Folge von Community.talk läuft am 20. August um 20:30 Uhr im Weltcafé und am 21. August um 20:30 Uhr auf Okto, dem Wiener Community-Sender. Nerds und Soziophobe können sich das Ganze natürlich auch zeitgleich als Webstream auf der Homepage des Senders ansehen.
Ich liebe Feiertage. Besonders dann, wenn ich nichts besonderes vorhabe, mich folglich also endlich mal dem ausführlichen Geländetest des Nokia N95 (freundlicherweise von Hutchinson 3G zur Verfügung gestellt) widmen kann.
Aufgestanden bin ich - wie es sich an Feiertagen so gehört - um circa 12 Uhr mittags. Um meinem Image als Hardcore-Nerd gerecht zu werden, schleppte ich mich erst mal zum Computer und öffnete meine Inbox. Erfreuliche Feststellung: das am Vorabend via N95 auf Ebay ersteigerte XLR-Mikrofon (ja, genau, passend zum Adapter...) ist lieferbereit. So viel sei also mal gesagt: der Browser des N95 funktioniert einwandfrei, nur bei einigen Exoten-Seiten gibt es Probleme; besonders aber der hemmungslose Konsum über Ebay und Konsorten wird nun auch mobil unterstützt. Na fein.
Daraufhin versuche ich, das neue Album der "Manic Street Preachers" auf das Handy zu überspielen; das Gerät zickt aber herum, will nicht so wirklich; und da ich dann schon los muss, um ein hübsches Mädel zu treffen, muss ich nehmen, was derzeit auf der internen Festplatte gespeichert ist: ich habe die Wahl zwischen "Snow Patrol" und "Björk". Beides nicht gerade Gute-Laune-Musik für den Sommer, aber was soll's.
Während des Treffens mit dem Mädel lasse ich das Handy lieber im Rucksack (allen urbanen Legenden zum Trotz ist es einfach unattraktiv, ständig mit irgendwelchen IT-Tools rum zu spielen. Außerdem: warum telefonieren, wenn man ja ohnehin in netter Gesellschaft ist?). Erst um circa 15 Uhr bin ich wieder alleine und kann meine depressiven mp3s hören - zu diesem Zeitpunkt war der Batteriestand bei rund 50 Prozent, obwohl zu Tagesbeginn noch frisch aufgeladen.
Mit meinem alten Freund Braunbär treffe ich mich am Schwedenplatz, um gemeinsam das GPS-System und die Skype-Funktion des Handys zu testen. Zum Thema Skype: ich habe es bis heute nicht geschafft, mich einzuloggen und dann auch meine komplette Kontaktliste zu sehen, das war irgendwie buggig; über Braunbärs LogIn haben wir mit seiner Freundin telefoniert, das war ganz okay. Leider fehlen aber beim mobilen Skype die InstantMessaging-Funktion und der Dateiversand. Also alles, was Skype theoretisch besser macht als Jahjah.
Auch das GPS ist eher eine Enttäuschung: in der Marc-Aurel-Straße vor dem Pickwicks konnte das Gerät nicht genügend Satelliten finden; wir mussten also zur Tankstelle vor gehen, wo es dann nach langer Zeit endlich den eigenen Standort gefunden hat. Dann war der Spaß aber auch schon wieder vorbei; denn es war circa 18 Uhr, und nach rund sechs Stunden Laufzeit musste der Akku nun mal kapitulieren.
Schließlich sind wir also zu Braunbär gefahren, um dort das Handy aufzuladen; auch hier wurden wir leider enttäuscht: Nokia hat neue Ladegeräte entwickelt, die mit den alten Anschlüssen nicht mehr kompatibel sind. Echt schade, denn bisher war ich den Finnen immer treu gewesen, weil einfach jeder meiner Kumpels irgendwo noch ein altes Ladegerät liegen hatte. Das war ebenso verbindend wie praktisch gewesen; dieser Wettbewerbsvorteil ist nun leider weg.
(aus dem gleichen Grund halte ich Apples iPod übrigens für Schrott: warum sollte ich mir einen mp3-Player mit proprietärem USB-Anschluss kaufen? Das ist vergleichbar mit einem LKW, dessen Laderaum sich nicht öffnen lässt...).
Großes Fazit: das N95 wäre interessant gewesen als GPS-Gerät für ausgedehnte Fahrradtouren. Wenn ich aber mit meinem Rad irgendwo in Bosnien stehe, das Ding ewig lange seine Satelliten sucht und schließlich den Geist aufgibt, fällt mir dazu nur noch eins ein: Dovidjenja.
Für die Tätigkeit hatte ich eigentlich nur eine halbe Stunde eingeplant; denn ich war davon ausgegangen, dass Konsum von unserem System ausreichend unterstützt wird, man folglich auf keinerlei Probleme stößt.
Zwei Dinge galt es auf der Mariahilfer Straße (von Einheimischen gern als "Mahü" bezeichnet) zu besorgen:
1. Einen Adapter XLR auf kleine Klinke, damit ich mein Mikrofon endlich an meine Panasonic-Kamera anschließen kann.
2. Das neue Tocotronic-Album "Kapitulation"
Da es sich einerseits um Technik und andererseits um Musik handelte, führte mich mein Weg in den Cosmos. Dort ging ich - da es sich ja schließlich um Videoequipment handelt - in die Videoabteilung. Die dort zuständige Dame verwies mich aber rasch in die PC-Abteilung, die hätten "die ganzen Kabel".
Dort angekommen, musste ich schon recht bald erkennen, dass der Zuständige über die neueste Tarnkappen-Technologie verfügt: einem Stealth-Bomber gleich erkennt er, wenn sich ein übermächtiger Feind (nämlich ich, der Kunde) nähert. Ich wartete rund 20 Minuten, irgendwann fand ich ihn, an einem PC stehend, Arbeit vortäuschend.
Ob er einen XLR-Adapter habe?
"XL-was?"
Ich bleibe geduldig: "XLR. Das Format für Mikrofone."
"Und auf welche Klinke?"
"Kleine"
"Sie brauchen also kleine Klinke auf Cinch?"
"Nein. XLR auf kleine Klinke."
"Dann müssen sie in eine andere Abteilung, zwei Stockwerke höher."
Da war ich dann auch. Fand lange niemand, schließlich doch, der hatte auch keine Ahnung. Also ging ich wieder.
Ähnliche Erfahrung in der CD-Abteilung:
"Haben sie das neue Abteilung von Tocotronic?"
Er kennt die Tocos nicht: "Wie schreibt man des?"
Ich buchstabiere: "T - O - C wie Cäsar..."
"Zwei C?"
"Nein nur eins", meine ich, schon ein wenig gereizt.
Er schaut in seinen Computer und meint triumphierend: "Käpitülejschn?". Man darf dem guten Mann seine Bemühungen, "Kapitulation" so amerikanisch-englisch wie möglich auszusprechen, nicht übel nehmen. Schließlich braucht er als Angestellter einer Musikabteilung wirklich nicht die prägendste deutsche Band der Gegenwart kennen. Interessiert ja keinen.
Ähnliche Erfahrungen machte ich in rund sieben weiteren Geschäften, allesamt Outlets großer Konzerne. Man muss das so sehen: an und für sich hätte ich das Album natürlich auch bei Amazon bestellen können - aber ich ziehe beim Musikkauf nun mal vor, das Ding in der Hand zu halten, bevor ich dafür zahle, mit den Verkäufern vielleicht ein wenig zu plaudern, dann zuhause triumphierend die Plastikverpackung herunter reißen und genießen. Hätte ich nun doch online bestellt, so hätte Sänger Dirks Text zu "Kapitulation" wohl eine neue Bedeutung für mich bekommen.
Fündig geworden bin ich dann aber doch im Saturn, die das Album gleich in Normal- und Limited-Edition hatten, sowie auf Vinyl. So wünsche ich mir das; ach ja: und den XLR-Adaper hatten sie auch. Das Glücksgefühl nach rund fünf Stunden Suche lässt sich kaum beschreiben.
Warum ich das jetzt hier niederschreibe: ich möchte eine Verschwörungstheorie in den (virtuellen) Raum stellen. Nämlich, dass diese Odyssee organisiert gewesen ist. Denn der Kapitalismus hat kapiert, dass Produkte alleine nicht reichen, Marketing und Marken im klassischen Sinn lassen ebenfalls nach. So wurde der "Erlebniseinkauf" auf Basis eines Odysseus-Scripts geschaffen: wir suchen ewig, und wenn wir schließlich ans Ziel kommen, kriegen wir deswegen fast einen Orgasmus und sind folglich auch noch dankbar dafür, dass wir Geld dalassen dürfen.
Mag sein, dass diese Theorie Schwachsinn ist.
Aber andenken wollte ich zumindest mal.
Man weiß ja nie...
PS: Das Album ist super. Kauft es Euch - bevorzugt in einem dieser kleinen CD-Läden, von denen in den letzten Jahren leider viel zu viele zusperren mussten.
Ja, hier ist er, frisch und online: mein Blog. Was hier genau stehen wird, ist noch unklar - zu erwarten wäre aber, dass neben persönlichen Neuigkeiten auch jene Texte ihre verdiente Beachtung finden, die es nicht in ein kommerzielles Medium geschafft haben. Technik-Gesuder, Gedanken zur Welt und natürlich jede Menge Wien-News.