Monday, June 30. 2008Das Fazit zum Finale"Es war ein blödes Tor". Das war der Gedanke, den ich hatte, als das spanische Goal irgendwann in der ersten Halbzeit fiel, ich mitten in der Fanzone, umgeben von Deutschen, Spaniern und sonstigen, auch Österreichern. Begeisterung bei den Spaniern, Enttäuschung bei den Deutschen, aber bis zur letzten Minute die Hoffnung, Jogis Mannschaft könne das Schicksal doch noch wenden. Ich war ein Fan, das ganze Spiel hindurch, das war ich über die letzten Wochen hinweg langsam geworden, ohne es selbst zu merken. Das wurde mir während dieser 90 Minuten klar. Aber es half nichts. "Es war ein blödes Tor", dachte ich mir auch, als der Schlusspfiff ertönte, die Spanierinnen und Spanier zu Jubeln begannen, die kleine blonde Deutsche neben mir so niedergeschlagen dreinblickte wie ich mich fühlte. Eine sms an meine Mutter: "Es war ein blödes Tor", schrieb ich. Kurz darauf ihre Antwort: "Die Spanier haben es verdient, sie waren einfach die bessere Mannschaft." Und ich denke mir: Ja, sie hat Recht. Und der Sportsgeist sagt: Respektiere die Gewinner. Denn schließlich bin ich ja doch ein Gewinner, denke ich mir. Ich stehe mitten auf der größten Party des Jahres, die in Wien - meiner Stadt! - stattfindet. Und das ist toll. Als wir über den Stephansplatz spazieren, sehen wir Deutsche und Spanier, die gemeinsam in die Brunnen klettern, um sich in der heißen Sommernacht wilde spaßige Wasserschlachten zu liefern. Mädchen werden auf Schultern herum getragen und kreischen vor Freude, Feuerwerke überall. Ja, verdammt, das ist eine wirklich gute Party. Die Deutsche, Spanier, Österreicher und alle anderen friedlich miteinander feiern. Klar habe ich mir heute noch ein paar blöde Sprüche anhören müssen. Aber sie waren halbherzig; und wer jetzt noch mit irgendwelchen hirnlosen Parolen kommt, der kann mir nur leid tun. Es war eine tolle Party - der ganze Monat! - und darüber freue ich mich. Fazit - was habe ich gelernt? Ich habe gelernt, dass es beim Fußball um mehr geht als um die Marketingaktivitäten drum herum. Dass es um einen wirklich anstrengenden Sport geht, bei dem die Spieler Höchstleistungen bringen, teils schwere Verletzungen erleiden. Für die Zuschauer aber geht es um Emotionen; und diese sind - entgegen meiner Annahmen vor dem EMbedded-Projekt - positiv. Es geht um Euphorie, um Mitfiebern, um Anfeuern, um Freundschaft. Es geht auch um Nationalstolz, und dieser geht leider machmal zu weit: Dann gibt es diese paar Idioten, die unbedingt rassistische Parolen von sich geben und sich am Schwedenplatz dreschen müssen. Die dunkle Seite. Aber das gestrige Beispiel hat auch gezeigt: Es geht auch anders - Völkerverständigung. Und wie geht es jetzt weiter? Werde ich ab jetzt zum Fußballfan? Nein, vermutlich nicht. Die Bundesliga werde ich mir trotzdem nicht ansehen, und selbst Kicken ist mir zu anstrengend. Stattdessen werde ich diesen Blog noch eine Woche online lassen, mich dann wieder anderen Projekten widmen: Schreiben, Musik, Events, Filmen. Wer gerne auf dem Laufenden bleiben möchte, kann sich unter stefan.mey[AT]gmx.net für meinen Newsletter anmelden. Über den werde ich aber vorerst nichts raus schicken, denn jetzt fahre ich erst mal ins Ausland. Wohlverdient, nach über 50 Einträgen in nur einem Monat. Es hat Spaß gemacht, diese größte Party des Jahres. PS: Vielen Dank an jene, die mir mit dem Blog geholfen haben - allen voran Birgit, Mathilde und Flo für die Texte, Claudia für des ersten Impuls in Sachen Leserbriefe, Braunbär für das Aufpeppen der Grafik, Anita für den tollen Beitrag im ORF... und vor allem möchte ich meiner Familie für die Unterstützung danken - das wollte ich schon immer mal sagen. Und jetzt... viel Spaß mit dem Abschlussvideo! Sunday, June 29. 2008Der Tag vor dem Finale
Heute habe ich ausgeschlafen, mir einen Kaffee (mit Betonung auf der ersten Silbe) gemacht, eine Folge South Park angeschaut, geduscht, eine schwarze Hose und ein rotes T-Shirt angezogen, meine Steuererklärung für das letzte Jahr gemacht, zu mittag gegessen und mit meinen Eltern telefoniert. Ich versuche mit allen Mitteln, mich von heute Abend abzulenken, aber vergebens: Ich bin wirklich schon ganz kribblig und aufgeregt!
In nur wenigen Stunden wird Deutschland auf Spanien treffen, und eine der beiden Mannschaften wird als Sieger hervor gehen. Dann ist es vorbei; dann ist die ganze EM vorbei. Die Fanzonen werden abgebaut, dieser Blog wird geschlossen, und die Ausländerfeindlichkeit pendelt sich wieder auf ein für hiesige Verhältnisse normal hohes Niveau ein. Bis dahin ist aber noch Ausnahmezustand. Ich werde jetzt mal durch die Innenstadt spazieren gehen. Saturday, June 28. 2008Fußball-VasenUnd nochmal eine tolle NGO: Das Geschäft Gabarage in der Schleifmühlgasse lässt ehemalige Drogensüchtige aus Abfall Kunstgegenstände fertigen. Dazu gehören Geldbörsen aus Saft-Packungen ebenso wie Lampen aus Infusionsschläuchen. Zur EM basteln sie Blumenvasen aus Fußbällen (siehe Foto). Irgendwie stilvoll. Und damit das gefundene Fressen für die im Bezirk lebenden Bobos.
Der Größte Schuhkarton der WeltDa weder heute noch gestern Spiele waren, möchte ich die letzten Tage des Ausnahmezustands noch nutzen, um mich ein wenig über Marketing-Aktivitäten auszulassen. Besonders ins Auge springt dabei die Aktion von Adidas in der Fanzone. Am Heldenplatz befindet sich nämlich ein riesiges Gebilde mit der Aufschrift "Enjoy the biggest shoe box in the world". Das macht neugierig - ein riesiger Schuhkarton ist änhlich skurril wie das "Größte Wollknäuel der Welt" im LucasArts-Adventure "Sam&Max". Betrete ich das Gebäude, werde ich über enge Gänge an historischen Fußbällen und aktuellen Dressen vorbei geführt. Dann stehe ich plötzlich in einem Adidas-Schufgeschäft - doch bevor ich mich über plumpe Keilerei ärgern kann, piepst schon mein Handy: Via Bluetooth wird mir ein Adidas-Spot mit David Beckham in der Hauptrolle zugespielt. Fazit: Lustig und irgendwie cool, was sich der Konzern da ausgedacht hat. Marketing-Guru Christian Mikunda hat damit sicher auch seine helle Freude - falls er es nicht gar selbst entworfen hat?
Mein unentschlossenes FahrradIch habe mein Fahrrad umlackiert. Es sollte schwarz-rot-golden ausschauen, aber leider sieht das Gold mehr nach Gelb aus, und das Schwarz ist auch nicht wirklich sichtbar - somit wirkt es mehr nach Rot-Gelb-Rot; selbst mein eigenes Fahrrad hat sich also gegen mich gewandt. Ein böses Omen für das morgige Spiel.
Quantitative MarktforschungGestern habe ich meinen neu erworbenen Hut eingeweiht, bin mit ihm ein wenig durch's MQ spaziert. Die Gelegenheit nutzte ich, um eine quantitative Umfrage zu machen; ich befragte die jungen urbanen Wiener, wer ihrer Meinung nach die EM gewinnen soll. Ergebnis: Von 22 Befragten hält nur einer zu Deutschland - und das bloß, weil er am Sonntag seine Schwester im Nachbarland besuchen fährt. Ich bitte zu bedenken, dass dieses Ergebnis auf Grund der kleinen Stichprobe nicht repräsentativ ist; für Sonntag hoffe ich, in meinem weit gefächerten Bekanntenkreis doch noch vereinzelte Verbündete zu finden. Aber auch da schaut es mager aus: "Wir kommen mit - aber nur, weil wir Dich verlieren sehen wollen", war eine Aussage, die die Grundstimmung sehr gut widerspiegelt. Solte jemand mit mir in die Fanzone mitkommen wollen - bitte melden. Meine Kontaktdaten habt Ihr ja. Friday, June 27. 2008Mein neuer HutVermutlich spielte der Kollege aus dem Gewinnspiel an jene Kopfbedeckung an, die ich mit gestern nach dem errungenen Sieg über die Türkei im Sewa gekauft habe (Sewa... ist das eigentlich was Schlimmes? Die wollen den Weltfrieden oder so, wenn ich mich recht erinnere...). Ich habe beschlossen, diesen Hut am Sonntag zu tragen. Allen Anfeindungen zum Trotz.
Gewinnspiel: Die Plätze 2 und 3Mit etwas Zeitverzögerung folgten zwei weitere Emails zum großen Deutschland-Gewinnspiel; auch diese möchte ich hier veröffentlichen. Als Trostpreise winken zwei Getränke Eurer Wahl. Aus dem Billa um die Ecke. Ersteres widmet sich liebevoll einer Stefan-Raab-Hommage: "Ich liebe Deutsche Land, ich liebe Deutsche Land, ich - iiiebe - Deutsche - Land!* (*entlehnt aus einer der unzähligen Shows von Stefan Raab auf Pro 7, dort gesungen von einer Afro-Amerikanerin)" Zweiteres spielt auf meine neue Kopfbedeckung an: "mir fällt natürlich prompt was Positives zu Deutschland. also naja, aber... vielleicht. na gut. also dann aber jetzt: Deutschland-Fans haben die schönsten Hüte. Ausser sie lassen sie irgendwo liegen." Gewinnspiel: Die Siegerin steht festDas erste Mail zum Deutschland-Gewinnspiel kam von Birgit - herzlichen Glückwunsch, Sie sind stolze Besitzerin eines Döners mit Scharf! Hier ist ihr Mail: "Deutschland hat einen weiblichen Bundeskanzler und Hamburg ist eine sehr sehenswerte Stadt. Wie wahr! Uns als sei das noch nicht genug, schießt sie gleich noch eine Liste mit Stereotypen nach, die ich hier ebenfalls ungekürzt veröffentliche... DANKE! You know you´re German when... Thursday, June 26. 2008"Putinka"Damit durch das zuvor gestartete Gewinnspiel nicht der Eindruck von Ethnozentrismus entsteht (ich wünsche mir ja bloß ein wenig Zuneigung...), möchte ich das aktuelle Match Russland gegen Spanien verwenden, um tolle Dinge über Russland los zu werden. Russland hat nämlich nicht nur eine rapide wachsende Wirtschaft und hübsche Einwohnerinnen, viel Platz, eine spannende Kultur und das höchste Gebäude Europas - Russland hat auch einen Vodka, der so ähnlich heißt wie der Präsident: "Putinka". Das finde ich toll, deswegen möchte ich es erwähnen. Warum gibt es in Österreich eigentlich keinen Gusenbauer-Wein? Achso, stimmt: Schlechte Umfragewerte. In dem Sinne: Allen Beteiligten ein schönes Spiel! PS: Spanien ist auch okay.
GewinnspielEigentlich hatte ich ja heute über meinen gestrigen Freudentaumel ob des Siegs der deutschen Mannschaft schreiben wollen, eventuell hätte ich auch ein paar Anmerkungen über das katstrophale Wetter, sintflutartige Regenfälle (um eine sinnlose Worthülse zu verwenden), sowie die Ausfälle und Hoppalas des ORF schreiben wollen. Aber nun sehe ich einen viel akuteren Handlungsbedarf. Denn irgendwie mag sich in diesem Land niemand mit mir über das kleine Erfolgerlebnis freuen. Ganz im Gegenteil werde ich von Medien, Freunden und so weiter beschimpft, Deutschland habe den Einzug ins Finale gar nicht verdient. Aber hey: Was bitte kann ich dafür, dass unsere Juugend auf Grund der katastrophalen Wirtschaftslage die Zeit lieber im Bolz-Käfig verbringt, anstatt einen anständigen Beruf zu lernen? Wir sind ja nur deswegen gut im Fußball, weil wir sonst zu nichts zu gebrauchen sind - kann man uns nicht wenigstens dieses kleine Glücksgefühl gönnen? Ich rufe daher zu einem Gewinnspiel auf: Der Erste, der mir an stefan.mey[AT]gmx.net etwas Nettes über Deutschland schreibt, kriegt von mir einen Döner gezahlt - als Hommage an das gestrige Spiel, wahlweise mit oder ohne Scharf. Mitarbeiter dieses Blogs (also ich) sind von der Teilnahme ausgeschlossen, ebenso wie der Rechtsweg. Der Gewinn ist steuerfrei. Wednesday, June 25. 2008Das heutige Spiel: Deutschland gegen TürkeiEndlich, heute wird wieder Fußball gespielt! Nach tagelanger Abstinenz (es kommt mir vor wie eine Ewigkeit!) stelle ich fest, dass mir das Runde Leder tatsächlich schon abgegangen ist. Vorbei sind die Zeiten, in denen ich im Fußball nur 22 Idioten sah, die einem Ball nachliefen. Vorbei auch die Zeit, in der Fußball schauen für mich ein Synoym war für Hooligans und betrunkene Proleten. Inzwischen habe ich gelernt, dass es Spaß machen kann, Fußball zu schauen, wenn man von den richtigen Leuten umgeben ist - eben welche, die sich für den Sport an sich interessieren, dabei nationalisch angehauchte Stereotype beiseite lassen. Deswegen freue ich mich auch auf das heutige Spiel Deutschland gegen Türkei. Weil es mir nämlich eigentlich nach wie vor egal ist, wer gewinnt. Ich freue mich einfach darauf, guten Sportlern bei der Arbeit zu zuschauen - und natürlich auf das wilde Gestikulieren des türkischen Trainers. Und natürlich bin ich gespannt, was die Zeitungen morgen schreiben. Denn dass sich Österreichs Boulevard, der sonst vor Rassismus strotzt, plötzlich mit den Türken solidarisiert, hat ja nur eine Erklärung: Deutschland ist böse, weil sie gut Fußball spielen; deswegen muss man über sie schimpfen. Bei aller Euphorie über den tollen Sport, das teils sehr gelungene Marketing und die größte Party des Jahres machen leider gerade solche Dinge die ganze schöne Stimmung kaputt. Idioten. PS: Mich findet man heute ab 20 Uhr im Bierkonsulat, meiner Stammkneipe im 18. Bezirk. Moskau (3): "Wie im Zweiten Weltkrieg"Weil es bei der Weltmeisterschaft 2006 beim Public Vieweing in Moskau schwere Randalen mit Verletzten gegeben hat, ist es heuer verboten. In den Kneipen darf aber dennoch geschaut werden - und das mit einer gewissen Inbrunst. Ein Artikel in der Moscow Times erregte meine Aufmerksamkeit, der mit "Russia Fans See Symbolism in Win" getitelt war. In der Reportage wurde berichtet, wie dort Symbolismus herrscht. "Das Spiel symbolisiert die politische und wirtschaftliche Rückkeher Russlands", sagt ein Zuschauer zum Spiel gegen Schweden. Er fügt hinzu: "Unsere Spieler sind wie alle Russen; sie entwickeln eine Stärke, wenn sie mit dem Rücken gegen die Wand stehen." Und dann platzt die Bombe: "So war's auch im Zweiten Weltkrieg." Ein anderer Fan wurde gesehen, der sich "1709" auf den Kopf gemalt hatte - das Jahr, in dem Peter der Große die Schweden bei der Schlacht von Poltava besiegt hatte. Uff, das ist schon harter Tobak. Und ein pazifistischer Anti-Patriot wie ich weiss nicht wirklich, was er davon halten soll. Am besten gar nichts. Tuesday, June 24. 2008Moskau (2): Jogis EngelsstimmeAls Deutschland Portugal besiegte, stand ich über den Dächern Moskaus in einer Hotelbar. Dort trank ich sündhaft teuren Vodka und bildete Netzwerke mit der Wirtschaftselite. Ich muss gestehen, dass ich nervös war. Dass mich das Spiel nicht kalt liess. Dass ich es kaum erwarten konnte, mich in mein Hotelzimmer zurück zu ziehen, um am Fernseher zumindest noch die Kommentare zum Spiel mit zu bekommen, wenn schon nicht das Spiel selbst. Angeheizt wurde mein Interesse vor allem durch den in Österreich neu aufgeflammten Deutschenhass. Songs nach dem gescheiterten Cordoba II mit Texten wie "Bald kommt Portugal, schalalalala" sind noch harmlos. Aber muss ich mir wirklich überall, wo ich hinkomme, anhören, dass ich ein "Scheiß-Piefke", "deutsches Arschloch", und "Hartz IV-Empfänger" bin? Finde ich ziemlich primitiv; durch solche verbalen Attacken stellt sich Österreich nur als schlechten Verlierer dar, was schade ist. Auch ein österreichischer Geschäftsmann in der Moskauer Hotelbar hält es an dem Abend für nötig, mir Geschichten über "Euch Deutsche" im Zweiten Weltkrieg zu erzählen. Mir reicht es, ich ziehe mich auf mein Zimmer zurück, schalte den Fernseher ein, der Kommentator gratuliert dem Jogi. Von dessen engelhafter Stimme lasse ich mich in den Schlaf wiegen. Schön. Mehr und mehr wird mir klar: Fußball ist eigentlich eine tolle Sache. Schade, dass er so oft zum Ausleben von Nationalismen und Ethnozentrismus missbraucht wird. Monday, June 23. 2008Moskau (1): FußballmuffelAm Mittwoch abend setzte ich mich in ein Flugzeug und flog nach Moskau. Dort verbrachte ich vier Tage (ja, ich hab Euch reingelegt: Die während diese Zeitraums veröffentlichten zeitlosen Texte waren vorgeschrieben). Im Flugzeug wird das Ergebnis des Fußballspiels Russland - Schweden bekannt gegeben. Zuerst auf deutsch, einer klatscht vereinzelt. "Gut, der Rest hat's wohl sprachlich nicht verstanden", denke ich mir. Dann die gleiche frohe Nachricht über den Sieg der Russischen elf in der Landessprache. Resultat: Absolute Stille. Anders als hierzulande scheint der Ball russische Manager kalt zu lassen. Während in Österreich und Deutschland Parlamentssitzungen früher beendet werden, damit der Anpfiff nicht verpasst wird, denken russische Oligarchen lieber über Öl und Gas nach. Wirtschaftswachstum Russland: 8,1 Prozent. Österreich: 3,4. Sunday, June 22. 2008Im AuslandDer geneigte Leser mag sich fragen, warum gestern und heute keine Einträge geschrieben wurden. Der Grund war, dass ich mich im Ausland befand. Genauer gesagt: Moskau. Zwecks Recherche. Die Geschichten dazu werde ich morgen veröffentlichen. Friday, June 20. 2008Der peinlich-lächerliche Canon-TunnelManche Presseaussendungen strotzen einfach nur so vor Eigenlob. So jene von Canon, offizieller Sponsor der EM, über die Sponsoring-Aktivitäten, insbesondere den Canon-Tunnel. Gleich in der Headline ist von "Canon am Puls der Emotion" die Rede; im Fließtext spricht der Konzern von einer "wirklich fulminanten Inszenierung"; den 17 Meter langen Tunnel beschreiben die PR-Bosse als "multimediales Ereignis der Extraklasse". 12 der emotionalsten Bilder von historischen Fußballmomenten sollen gezeigt werden. Die gute Nachricht zuerst: Das mit den Bilder stimmt. Ansonsten sei aber gesagt, dass ich mich für den Tunnel hochmotiviert angestellt habe, dann aber enttäuscht wurde: Bilder, ja. Und Ton. Das war's dann auch schon. In mir hat es ehrlich gesagt keine emotionale Regung verursacht; somit wurde der Canon-Tunnel in der Fanzone in meine "Liste der unwichtigsten Dinge, die ich je gesehen habe" aufgenommen - dort steht er nun gleich neben "Fluch der Karibik 3".
Thursday, June 19. 2008Das Radio für echte FansHabe ich eigentlich schon erwähnt, dass ich anlässlich der EM meine Radio-Gewohnheiten geändert habe? Dass ich in meiner Wohnung einen schlechten Empfang habe, ist ja durch Einträge in meinen herkömmlichen Blog bereits allseits bekannt; umso mehr freue ich mich, vollen Empfang von "Fanradio" (online erreichbar unter www.fanradio.at) zu haben: Ein Radioprojekt der Kronnen Zeitung, das sich ausschließlich dem Thema EM widmet. Die Nachrichten auf Fanradio widmen sich schwerpunktmässig noch mehr als herkömmliche Sender dem Runden Leder, Musik kommt von Opus ebenso wie von Die Fraktion. Faszinierend ist auch der investigative Ansatz, so wurde ein Fehler im Panini-Album aufgedeckt! Da soll noch mal einer sagen, bei dieser EM gäbe es keine echten Skandale. Wednesday, June 18. 2008Schlechte Zeit für Trix und FlixIrgendwie setzen sich Trix und Flix nicht so richtig durch. Die laut Kronen Zeitung in 4000 Arbeitsstunden aus 100 Varianten hervor gegangenen Figuren hätten bei der Euro "sehr präsent" sein sollen - ich selbst habe davon ehrlich gesagt noch recht wenig gemerkt. In der Fanzone ist in Sachen Trix und Flix tote Hose - dort ist Anubis die auffälligste Figur -, auch an den inoffiziellen Orten sind die beiden nicht zu finden. In der Werbung dominieren ebenfalls reale Personen wie das ÖFB-Team oder der Herr Krankl. Auch im privaten Bereich, als lustige Begleiter in Form von Stofftieren, haben sie sich nicht so durchgesetzt - vielleicht haben die Fans noch lieber alte Fix und Foxi-Puppen aus dem Keller gekramt, bei flüchtigem Hinschauen fällt der Unterschied ja nicht so auf. Das endültige Abseits (haha, Wortspiel!) kündigt sich bereits an; Billa hat die Preise für die Puppen der beiden mittlerweile um 50 Prozent reduziert. Zuschlagen lohnt sich nun - vielleicht haben die beiden ja mal einen ähnlichen Sammlerwert wie die teuersten Computerspiele aller Zeiten.
Tuesday, June 17. 2008Der morbide Wiener HumorWien trauert bereits. Um einen verloren Freund. Den Nachruf, der heute in meine Mailbox flatterte gibt es hier. Keine Randalen?Gestern war es ruhig? Keine Randalen? Der junge Deutsche auf dem Bild unten ist vermutlich anderer Meinung. Da will man in aller Ruhe sein Geschäft verrichten, wenn plötzlich das Mobiklo umkippt... grauslich. Deutlich verwirrt schaut er ja aus - aber wenigstens hat sein Freund links am Bild seinen Spaß an der Sache. Danke an Florian Liehr für das tolle Foto.
Wien ist nicht CordobaFür das gestrige Spiel habe ich Fußball-Asyl bei Schweizer Freunden bekommen (hach ja, die ewig neutrale Schweiz...), nachdem Fanzone und Swiss Beach vollkommen überfüllt gewesen sind. Vermutlich wird von mir nun erwartet, dass ich das Spiel kommentiere. Dass ich gemein bin. Dass ich über Österreichs Fußball schimpfe. Aber das werde ich nicht tun. Stattdessen gebe ich die Frage wider, die der ORF-Moderator Bundeskanzlerin Angela Merkel gestellt hat: "Wie geht's jetzt weiter? Kann Deutschland noch Gold... äh, ich meine... den Pokal holen?" Dem ist nichts hinzuzufügen.
Monday, June 16. 2008Leserbrief zu Cordoba II (2)Und noch ein Leserbrief von einer eifrigen Leserbrief-Schreiberin. Die Meinung der Autoren... bla bla bla. "Hallo Stefan, Musik/Cordoba - Deutschland schlägt zurückFür die Leser aus dem nördlichen Nachbarland gibt es natürlich ein musikalisches Gegenstück zum Mambo Kurt:
Aufklärung im Fall CordobaEin wenig Aufklärung im Fall Cordoba gibt uns Mambo Kurt mit einem passenden Musikvideo. Ich kenn mich trotzdem nicht aus. Es bleibt dabei: Heute wird abgerechnet. Leserbrief zu Cordoba IIUnd wieder mal ein Leserbrief... an dieser Stelle möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass Fremdbeiträge nicht zwingend die Meinung der Redaktion widerspiegeln müssen. "Wir sind Fußball! Ich war vergangenen Samstag auf einem Konzert der anderen Wer ist Herr Cordoba?Österreich gegen Deutschland. Heute. Ich bin Deutscher. Aber ich bin überzeugt: Heute muss Österreich gewinnen. Warum? Weil ich inzwischen elf Jahre in diesem Land lebe, und immer wieder von einem Cordoba zu hören kriege... Wer ist dieser Herr Cordoba? Was hat er gemacht? Irgend etwas tolles? Es muss wohl mit Fußball zu tun haben, sonst würden derzeit nicht so viele Österreicher mantra-artig seinen Namen wiederholen. Und vermutlich hat er mal irgendwas gegen die Deutschen gesagt oder getan - irgendwann. Wann? Um Gottes willen... WANN? Es muss schon ewig lang her sein, denn ich kann mich nicht daran erinnern. Etwa Mitte des vergangenen Jahrhunderts, nehme ich mal an. Doch Herr Cordoba ist noch präsent, gibt Interviews in Zeitungen, hat zahlreiche Werbeverträge. Nun wird es Zeit, dass Herr Vastic endlich Herr Cordoba ablöst. Denn ich kann Cordoba nicht mehr sehen. Er geht mir auf die Nerven. Ich war damals nicht dabei als er sein Tor schoss und alle narrisch wurden. Das Jetzt ist Jetzt; und daran werde ich mich erinnern können. Herr Cordoba kann dann endlich in Pension gehen. Deswegen, und nur deswegen, unterstütze ich heute den Sieg der österreichischen Nationalmannschaft. Sunday, June 15. 2008Gesucht: Die EM-Kuh
Die Omnipräsenz des Fußballs bringt die Kommunikation in dieser Stadt langsam aber sicher komplett zum Erlahmen. Ein schönes Beispiel: De gestrige SMS eines Freundes, sie seien "in einem Lokal in em kuh nähe". Die EM-Kuh? Was ist das denn? Ein Café? Das Sponsoring-Projekt eines Schokoladen-Unternehmens? Weit gefehlt: Nach stundenlangem Grübeln verstand ich erst, dass "em kuh" lautschriftlich interpretiert werden muss - gemeint war das MQ.
Ein Treffen mit alten Freunden
Es ist immer wieder schön, alte Freunde zu treffen. Nachdem wir uns am Donnerstag einen Vorgeschmack auf die Apokalypse gegeben hatten (siehe vorheriger Eintrag), haben wir uns doch lieber wieder nach Bobo-Land begeben - man will ja bei allem journalistischen Eifer doch ganz gern einen Abend unter seinesgleichen verbringen. Und wen sahen wir dort, während wir an unseren Ausnüchterungs-Bieren nippten? Keinen geringeren als Bela B. und Rodrigo González, Drummer und Bassist der Punkrock-Band Die Ärzte
Eine gute Gelgenheit, sich einerseits ein Autogramm zu holen (siehe verschwommenes Foto unten) und gleichzeitig zu Plaudern - über die Selbstdefinition der Bobos, und natürlich über Fußball. Dabei ließ Drummer-Gott-Urgwalt Bela B. anklingen, dass er Karten für das morgige "Cordoba II" hat - wer also ins Stadion schaut, der ist in guter Gesellschaft. Zum Abschied wünschte der beste Schlagzeuger der Welt uns - also Österreich - noch viel Glück für das morgige Spiel. Auf unser freudiges "Ja, super, danke!" meinte er nur trocken: "Das war ein Scherz". Denn bei Fußball-Patriotismus machen auch gestandene deutsche Regime-Gegner nicht Halt.
Saturday, June 14. 2008"I bin goa nix. I woa selbst amoi a Kicka"Auch ich muss natürlich noch vom schicksalhaften Vorgestern berichten. Wie angekündigt habe ich mich in die Swiss Zone zurück gezogen, um dort unter meinesgleichen zu sein. Doch statt einer stillen Spiel-Beobachtung mit Schweizer Depression stellte ich fest, dass der Standard mit seinem Artikel vom 7. Juni Recht gehabt hatte: Die Österreicher sind auf eine irgendwie krankhafte Art und Weise Ultra-Patrioten. Die Deutschen hatten ihr Spiel noch einfach gebannt verfolgt, dazwischen mal "Mensch, Jens!" gerufen; aber als die Österreicher ins Stadion einliefen, wurde sich am Donaukanal erhoben, um gemeinsam die Hymne zu singen und wild die Fahnen zu schwenken - ich habe das mal in einem Video festgehalten, das zwar nicht die gewohnte Qualität meiner anderen Produktionen hat, aber die Stimmung doch recht gut widerspiegelt. Und dann: Das Unentschieden in der 93. Minute. Andere Länder freuen sich über einen Sieg, Österreich freut sich gleich drei Mal so viel über einen Ausgleich. Es ist genau dieser "Aber trotzdem"-Patriotismus, von dem der Standard schreibt: "Ja, irgendwie sind wir scheiße, wir haben nicht wirklich viel geschafft, aber wenigstens darauf sind wir stolz." Die gestrigen Medienberichte waren entsprechend. Relativ wenig fand sich in den Medien, was nachher am Schwedenplatz geschah. Wir sahen Gruppen von Jugendlichen, die lauthals "Hooligans! Hoologans!" brüllten; und ein junger Mann mit einer Austria-Jacke lag plötzlich mit blutendem Hinterkopf am Boden. Wir riefen die Rettung; auch die Polizei war schnell da - einige von ihnen marschierten mit dem Mann davon; drei Beamte blieben zurück, um den Blutfleck zu bewachen. Überall hörten wir Polizeisirenen; wir wussten nicht mehr, wo es sicher ist und wo Schlägereien stattfinden. "Des san die deppaten Austrianer; immer wann's gwinnan mochens aan Terror", sagt ein Typ am Würschtelstand. Wir fragen ihn, ob er Rapidler sei. "Na, i bin goa nix," beteuert er: "I woa selbst amoi a Kicka". Könnte es vielleicht sein, dass Fußball ein Sport wie jeder andere ist? Der gar keinen Fanatismus braucht? Keinen Patriotismus? Keinen Missbrauch? Vielleicht. Aber die Frage soll jeder für sich selbst beantworten. Friday, June 13. 2008Leserbrief zu Ivos TorSchön, wenn man sich auch über die kleinen Dinge des Lebens freuen kann - zum Beispiel ein Ausgleichstor. Der folgende Leserbrief stammt von einem guten Freund, der gestern wohl seine Leidenschaft für's Runde Leder entdeckt hat:
"Frenetische Siegesfeiern – Österreich Das Spiel Österreich-Polen war Ein guter Freund hat gestern gemeint: Aber zurück zum eigentlichen Laaaaaaange Gesichter und Resignation Thursday, June 12. 2008Eine Hommage an gesternGestern habe ich, selbstverstänlich aus reinem rein beruflichen Blogger-Interesse, das Spiel Schweiz/Türkei mit seinen anschließenden Diskussionen verfolgt. Schockierend: Nach der Niederlage ist die Pro-EURO-Stimmung im Käseland am Tiefpunkt! Die Fans sind traurig, wollen nicht mehr, etc. Zu meiner Schande muss ich nun gestehen, dass ich noch nicht wirklich Gedanken an die Schweizer Fanzonen verschwendet habe... hatten die überhaupt welche? Was passiert jetzt mit denen? Werden es ähnliche Geisterstädte sein wie die unsrigen? Denn so richtig scheint die Stimmung in Wien ja noch nicht anzulaufen, die Wirte beschweren sich über schwachen Umsatz, die meisten Fans würden erst abends kommen... ja nonaned: Wenn die Spiele erst abends beginnen, werde ich mir wohl nicht extra Urlaub nehmen, um in einer Hochsicherheitszone wartend meine Freizeit zu verbringen, gell? Erst recht nicht, wenn das Bier 4,50 Euro kostet, meine Lokalpatriotismus nicht befriedigt und von WeißGottWoLand angekarrt werden muss (Stichwort: CO2. Schon mal gehört?). Zumindest von den Preisen her kommt man dem Publikum nun entgegen, vormittags soll das Bier einen Euro weniger kosten. Super, Bravo - bei solchen Dumpingpreisen kann der Supermarkt um die Ecke ja gar nicht mehr mithalten. Angst herrscht wohl auch, dass das heutige Österreich-Spiel Wien in eine ähnliche Depression stürzen könnte wie das gestrige Desaster den westlichen Nachbarn. Dementsprechend die Medien: Titelte am Samstag Österreich noch mit "Heute müsst Ihr gewinnen", schießt heute die Krone mit "Heute MÜSST Ihr gewinnen" (in Majusklen, und unterstrichen) nach. Man ist sich des Ernstes der Lage wohl bewusst. Mich findet man heute übrigens ab 18 Uhr auf der Swiss Beach. In gewisser Weise als Hommage an ein Land, das sich der Euro ab jetzt (wenn auch unfreiwillig) verweigert. Und schon wieder ein LeserbriefUnd hier kommt schon wieder ein netter Gastbeitrag / Leserbrief; diesmal von einer Freundin, die für ihre guten Partys bekannt ist: "Vor zwei Jahren erlebte ich die WM in Deutschland. Wednesday, June 11. 2008Mein erster Fanzonen-BesuchGestern war ich wie angekündigt das erste Mal in der Fanzone. Gleich zu Beginn werde ich von meiner Lieblings-Tageszeitung "Heute" enttäuscht: Entgegen der Berichterstattung werde ich nicht 30 Sekunden abgetastet, sondern deutlich kürzer. Mit meinem Rucksack wird auch eher schlampig verfahren: Kurz aufmachen und reinschauen; ich habe ein Billa-Sackerl dabei, das ich dem Security mit den Worten "Da sind Weintrauben drin" entgegen halte. Öffnen muss ich es nicht, werde durch gewinkt. Anscheinend sind die Kontrollen doch nicht so streng; wobei noch zu erwähnen wäre, dass die guten Herren von der Sicherheit beim gestrigen Match Griechenland-Schweden sicher nicht so sehr unter Zeitdruck standen, wie sie es beim angekündigten "Cordoba II" am kommenden Montag sein werden. Drinnen angekommen kaufe ich mir ein Bier um 4,50 Euro und ungesalzene, trockene Pommes um 3 Euro. Damit bewaffnet genieße ich das Match inmitten Fans aller Nationalitäten, während hinter dem Rathaus sich der Himmel verfärbt, Dämmerung, die Lichter des Stadt-Herzes werden eingeschalten. Es ist schön, ruhig, angenehm. Gestört wird die Idylle nur durch das beunruhigende Gefühl, wenn mehre Polizisten hektisch in eine Richtung rennen; kombiniert mit den betrunkenen (offensichtlich-)österreichischen Fans, die lautstark eine Schein-Melodie mit dem Text "Wien wird Cordoba, shalalalalaaa" grölen. Super. PS: Details zu Marketing-Projekten innerhalb der Fanzone gibt es im Lauf der kommenden Tage.
EM-Verweigerer im Fernsehen"Es ist alles voll gepisst", beschwert sich eine junge Dame zu später Stunde im ORF. Schön, dass auch das Fernsehen das Thema EM-Verweigerer behandelt. In der ZIB 24 gab es gestern einen entsprechenden Beitrag. Demzufolge sind Alternativen zum Wahnsinn das MQ, der Platz vor der Karlskirche, diverse sportliche Aktivitäten wie Klettern, bzw. das Ausleben der Frühlingsgefühle. Zum Anschauen des Beitrags on-demand einfach hier und anschließend auf "ZIB 24 on demand" klicken. Es lohnt sich. Tuesday, June 10. 2008Mit Karli wieder vertragenBekannterweise hat mich das neue Äußere von Charlie P. schockiert; mit seinem österreichischen Pendant Karli - "Karli P.s irisches Beisl" - konnte ich mich beim besten Willen nicht anfreunden. Doch es gibt ja immerhin zwei Weisheiten, die hier zum Tragen kommen: 1. Alte Liebe rostet nicht. 2. Es zählen die Inneren Werte. Und da mich und das Irish Pub schon eine recht lang anhaltende Liebe verbinden, habe ich beschlossen, mir beim Karli - passend zum gestrigen Match Niederlande/Italien - ein Grolsch zu genehmigen. Und - was soll ich sagen? - ich habe dem Lokal unrecht getan: Noch immer wird U2s "Bloody Sunday" gespielt, noch immer wird man auf englisch angequatscht und die Bierliste wurde auch noch nicht durch Melange und Kipferl verdrängt. Auffallend ist einzig, dass nun überall Flaggen verschiedener Nationalitäten prangen (siehe Bild). Außerdem läuft alle paar Meter ein Fernseher, auf dem das aktuelle Spiel dokumentiert wird. Viele Kroaten waren da, die grölten, obwohl ihre Mannschaft gar nicht spielte. Weil man das auf dem Foto nicht sehen kann, habe ich es in einem Sound-File festgehalten. Heute schaue ich übrigens in die Fan-Zone. Ohne Vibrator uns Bengalische Feuer. Bin mal gespannt. ![]() Gefährliche Vibratoren in der Fanzone!So, und hier kommt - wie versprochen - Teil zwei des Leserbriefs. Nicht gerade unspannend, wonach die Securities in der Fanzone suchen müssen; laut Qualitäts-Tageszeitung "Heute" werden pro Besucher 30 Sekunden Abtasten aufgewandt. "Und Monday, June 9. 2008Panini-sammelnde AnwälteUnd schon wieder habe ich interessante Post bekommen. Diesmal ist es ein Email von einer Freundin, die in einer Anwaltskanzlei arbeitet; ihr Freund ist Security in der Fanzone. Ich splitte das Mail in zwei Teile: den ersten Teil über ihre eigenen Erfahrungen gibt es gleich jetzt; den zweiten Teil über die Erfahrungen ihres Freundes im täglichen Umgang mit schwitzenden Proleten gibt es morgen. "Doch Neues Titelbild - Danke!Mein guter Freund Bernhard "Braunbär" B. hat freundlicherweise das Titelbild dieses Blogs grafisch etwas aufpoliert - vielen Dank dafür! Sunday, June 8. 2008Es geht auch andersKlar, dass bei der gestrigen Geburtstagsparty auch das Thema EM nicht ausgespart werden konnte. Als der Lebensgefährte einer guten Freundin sich in ein separates Zimmer zurück zog, um sich eines der gestrigen Spiele in der Schweiz anzusehen, schloss ich mich an; man will ja was haben, worüber man bloggen kann. Ich erwartete Grölen. Ich erwartete blöde Sprüche. Ich erwartete Macho-Gehabe. Stattdessen sassen wir aber einfach nur da, nippten an unserer Bowle und sahen uns das Spiel an. Ab und zu ein paar analysierende Aussagen, und auf all meine Fragen - "Wer sind die Roten?" - wurde mit Ruhe geantwortet; bei der Gelegenheit habe ich auch endlich die Abseits-Regeln erklärt bekommen und verstanden. Hier ging es nicht um eine Selbstdarstellung, um machoeskes Auftreten, um Kommerz oder Mitläufertum - hier ging es um die Liebe zum Sport an sich. Vielen Dank dafür! PS: Der Heimweg führte unter anderem an der Fanzone vorbei. Dort war der Uringestank bereits wahrnehmbar. Saturday, June 7. 2008Mariahilfer HilfeUm mich von dem ganzen EM-Trubel so weit wie möglich abzulenken, bin ich heute - es ist ja immerhin Wochenende, und ich wollte ein wenig abschalten - über die Mariahilfer Straße spaziert. Ein schlechter Plan: Zum einen wurde ersichtlich, dass bereits die ersten Fans eingetroffen sind (rot-weiße Schwitz-Shirts ließen schon erahnen, was erst morgen los sein wird), andererseits hat sich natürlich auch die Produktwelt verändert. Den Vogel schießt hierbei das Einrichtungs- und Krimskrams-Geschäft BUTLERS ab, das Fußmatten im Design eines Spielfelds vertreibt. Eigentlich putzig, denke ich mir: In meiner Wut auf den ganzen Trubel und Kommerz kann ich dann immer meinen Dreck an etwas abstreifen, dass als Zitat des großen Fußballplatzes fungiert. Handtücher vertreibt BUTLERS auch, aber dazu fällt mir leider gerade kein blöder Spruch ein. Ich jedenfalls werde für heute flüchten, für eine Geburtstagsparty auf's Land fahren. Sucht mich nicht; denn Ihr werdet mich auch nicht finden. Dem Trubel des Eröffnungsspiels möchte ich vorerst fern bleiben. Morgen kehre ich zurück - um vom ersten Österreich-Spiel berichten zu können.
Friday, June 6. 2008Mein erster LeserbriefHurra, ich habe meinen ersten Leserbrief bekommen! Natürlich wird er hier ungekürzt hin gestellt. Weitere Briefe sind willkommen; und natürlich könnt Ihr auch die "Kommentar"-Funktion am Ende jeden Artikels nutzen.
Die Prostata am SpielfeldNichts läge mir ferner als das Implizieren von Kausalität in Bezug auf diesen Blog und den Rest der Welt. Aber nachdem ich gestern NGOs aufgefordert hatte, die EM stärker für Ihre Marketing-Aktivitäten zu nutzen, flattert heute eine Pressemeldung des WWF in meine Mailbox. Titel: "Rote Karte für Männlichkeit auf Kosten der Natur" Ebenso wie Nokias Werk hat auch diese Aussendung mit Fußball genau gar nichts zu tun. Stattdessen geht es um seltene asiatische Heilpflanzen, die durch die extreme kommerzielle Nutzung in ihren Beständen dezimiert werden. Besonders gerne werden die Pflanzen zur Behandlung von typisch männlichen Beschwerden verwendet, was die NGO auch gleich zu entsprechenden Zwischentiteln veranlasste: "Ankick für die Potenz" und "Prostata im Abseits?" sind doch recht kreative Ansätze. Ich habe AngstIch habe Angst. Angst vor morgen. Angst vor dem, was kommen wird. Angst vor der Zukunft. Angst vor den Fans. Besonders vor den Betrunkenen. Angst vor Anfeindungen gegen Deutsche nach dem Spiel Deutschland-Österreich. Angst vor Entzugserscheinungen, wenn ich am Ring weder Käsekrainer noch Ottakringer kaufen kann. Angst vor Klagen gegen Fans, die Tickets auf Ebay ersteigern. Angst vor der UEFA, allgemein. Gestern bin ich bereits von einem Fan angefeindet worden. Ich sei ein "Trittbrettfahrer", der sich den Sport nur zunutze mache, um ein riesiges Tamtam zu machen und meinen eigenen Profit daraus zu schlagen (ja, ganz recht, mit diesem Blog verdiene ich bereits Millionen von Euro...). Ich solle dem Ganzen doch fern bleiben, denn ich verstehe ja gar nichts von Fußball. Auf Abschaum wie mich könne er verzichten. Nochmals: Ich habe Angst. Doch wenigstens bin ich nicht allein: In meiner SPAM-Box fand ich heute den Offenen Brief einer Bürgerinititative, die Sachschäden durch Vandalismus fürchtet. In gewohnter Blog-Manier stelle ich den Brief hier in voller Länge ein. Das verdient er. Ich habe Angst. Sehr geehrter Herr Bundeskanzler! Aus Anlass der bevorstehenden Fußballeuropameisterschaft 2008 sehen wir uns auf Grund unklarer Aussagen diverser EM-Veranstaltungsträger veranlasst, nun folgende Anfragen zu stellen: 1.. Werden öffentliche Plätze und die div. Kleingartensiedlungen rund um das Stadion von Exekutivbeamten kontrolliert und ist in den Einzugsgebieten zum Stadion, vor allem in der Stadionallee, für die Sicherheit planmäßig vorgesorgt? 2.. Wer trägt die Verantwortung und wer haftet für eventuelle Schäden an Privateigentum und öffentlichen Eigentum, die im Rahmen der Euro 2008 im Umfeld der Veranstaltungsorte (Stadion und Fanmeile) durch „Randalierer“ entstehen? Denn, es kann nicht sein dass: 1.. Eventuelle Schäden an Privateigentum von den Geschädigten selbst getragen werden sollen, bzw. dass Privatpersonen angehalten werden sich gegen Vandalismus zu versichern und sich somit in Unkosten zu stürzen, 2.. während eine Großveranstaltung wie die Euro 2008 für die Veranstalter einen Millionenertrag einbringt, Zu den Gewinnen wurde in der Fernsehsendung ORF IM Zentrum von So. 02.12.2007 von Bundeskanzler Dr. Alfred Gusenbauer diesbezüglich eindeutig darauf hingewiesen dass: 1.. Die Wirtschaft und die Touristik durch die EM 2008 Gewinne erzielen werden. 2.. Ein Werbeeffekt durch die Einschaltquoten im Ausland für Österreich längerfristig weitere Gewinne einbringen wird. Weiters in derselben Sendung von Teamchef Josef Hickesberger: „Diese EM ist ein Geschenk für jeden einzelnen Österreicher!“ Diesbezüglich gehen wir davon aus dass für die Sicherheit gesorgt, und für eventuelle Schäden an Privateigentum Schadenersatz durch die Veranstalter bzw. die Profiteure geleistet wird. Anton Wendrinsky Sprecher der Bürgerinitiative Erholungs- und Landschaftsschutzgebiet PRATERAUEN, HAUPTALLEE & WASSERWIESE Tel. 0676 571 04 80 e.mail: anton.wendrinsky@gmx.at Färöer - das Cordoba der Intellektuellen
Die österreichische Seele blutet noch immer wegen eines Länderspiels gegen die Färöer-Inseln. Wen die Details dazu interessieren, der kann das unter diesem Link nachlesen. Um die Schadenfreude der Fußballverweigerer und Kunstinteressierten für die Selbstvermarktung zu nutzen, hat das Leopold Museum einen genialen Coop gelandet: Die Ausstellung "Moderne Kunst der Färöer Inseln". Da wird allerlei moderne Kunst des kleinen Landes gezeigt; manches davon hat mit dem Runden Leder zu tun, anderes wieder nicht (siehe untenstehende Bilder der Werke).
Ich freue mich. Wenn draußen auf den Straßen die betrunkenen Massen grölen, werde ich mich ins Museum begeben, moderne Kunst genießen und mich in Schadenfreude suhlen. Färöer - das Cordoba der Intellektuellen.
Thursday, June 5. 2008Böse Bälle"Was geht denn da ab, bitteschön?", wird sich so mancher gedacht haben, der heute in der früh durch den Weghuberpark im siebten Bezirk spazierte. Ein Haufen seltsamer Leute mit weißen Masken spielte sich mit Nähnadeln und Garn - sehr skurril. Die Antwort: Das waren Aktivisten und Aktivistinnen, die anlässlich der EM auf die katastrophale Situation von Fußballproduzentinnen und -produzenten aufmerksam machen wollten. Laut Presseaussendung verdienen die Näherinnen und Näher in Pakistan 20 bis 50 Cent pro Ball, schaffen maximal vier Bälle pro Tag. Hierzulande würde das Einkommen also nicht mal für einen Döner reichen, in Pakistan kriegt man dafür ebenfalls nicht gerade viel. Kommerziell wird die EM schon zu genüge ausgeschlachtet. Gestern bekam ich eine Aussendung von Nokia mit dem Namen „Nokia Business Mobility: Ankick für neue Lösungen“- bei genauerem Betrachten hatte der eigentliche Inhalt der Aussendung aber weder mit Kicken noch sonst irgendwie mit Fußball zu tun, sondern ausschließlich mit Nokias Produkten. Dass eine NGO hier ihr Kerngeschäft mit der größten Marketing-Veranstaltung des Jahres koppelt, ist erfreulich. Was kommt als nächstes? Greenpeace mit "Eisbären im abseits"? Würde mich freuen.
Fotocredit: Klaus Bock Wednesday, June 4. 2008They killed Charlie! You bastards!Das "Charlie P.'s" galt in der cosmopoliten Wiener Fortgeh-Szene stets als Institution. Hier spielte englische und irische Musik, die Kellner ließen sich bereitwillig auf englisch anreden und die Bier-Liste war gewaltig, beinhaltete Gerstensäfte verschiedenster Herkünfte. Heute jedoch spazierte ich an dem Etablissement vorbei und musste mit Erschrecken feststellen, dass sich Charlie in "Karli" unbenannt hat, und das Lokal heißt nun auch "Karli P's irisches Beisl". Das irische Grün wurde durch rot-weiß-rot bemalte Außenwände verdrängt, über dem alten Wirtshaus-Schild prangt nun eine Österreich-Flagge. Ich werde dies nicht weiter kommentieren. Nein. Nein, nein, nein. Der Charlie muss selbst entscheiden, was er mit seinem Laden macht.
![]() Was zum Kuscheln, Beißen und HauenBrrrr, grauslich, wie verregnet und grau es da draußen ist... Da freue ich mich doch, dass heute das HEFEL Fan-Kissen bei uns Laut Presseaussendung Hinzuzufügen wäre da nur noch, dass eine Kissenschlacht mitten in der Fanzone unter tausenden Betrunkenen wohl nur mit dem echten EM-Kissen Spaß macht. PS: Ein besonderes Branding hat das Kissen übrigens nicht; es ist einfach nur weiß. Finde ich aber auch angenehm, denn die omnipräsenten Fußball-Symbole gehen mir eh schon schwerstens auf den Senkel.
Die Geteilte StadtGestern nacht bin ich um die Fan-zone herum geschlichen, um mir mal ein paar erste Eindrücke zu verschaffen. "Gruselig, Gruselig", war das, was mir durch den Kopf schoss, als ich zu später Stunde undurchsichtige Wände, Gitter, Scheinwerfer und Sicherheitspersonal an den Eingängen sah. Ich komme aus einem Land, das jahrzehntelang geteilt war. Durch unsere Hauptstadt lief eine Mauer. Ich floh nach Wien, um zu vergessen. Nun kommt mein Trauma wieder hoch. Da fällt mir nur ein: "Wir sind das Volk. Die Mauer muss weg." Andererseits: Wenn die Hooligans mal hier sind, wird wohl sowieso alles anders aussehen.
Tuesday, June 3. 2008Es riecht nach Tod"Wow, that's great, look at the giant cat", sagt eine Amerikanerin heute um 21:43 Uhr am Eingang zum Wiener Heldenplatz. Beinahe richtig: Denn bei dem Viech handelt es sich nicht um eine Katze, sondern um die Statue des ägyptischen Gottes Anubis. Sie stand schon einige Zeit dort, als Werbefigur für die Tutanchamun-Ausstellung im Museum für Vökerkunde. Nun, anlässlich des allgemeinen EM-Trubels, wurde dem 7,5 Meter hohen Koloss ein ÖFB-Teamdress über gestreift. Corporate Identity muss sein, auch wenn sich die Mischung aus uralter ägyptischer Hochkultur und beinahe so altem Ballsport schon ein wenig beißt. Ziel des Götterkults ist, der österreichischen Mannschaft Glück zu bringen. "Mit dem Schutz von oben wird unsere Mannschaft ihr volles Potenzial ausschöpfen", wird Ex-ÖFB-Tormann Michael Konsel (hier putzig posierend mit dem schakalköpfigen Wesen) in einer Presseaussendung zitiert. Böse Zungen mögen nun daran erinnern, dass Anubis der ägyptische Totengott gewesen ist - ein weiteres Beispiel für den recht eigenwilligen, äußerst morbiden Wiener Humor. Recherchen ergeben jedoch, dass Anubis die ehrenvolle Aufgabe hatte, die Toten ins Jenseits zu geleiten. So lehrt es zumindest die Heilige Schrift Wikipedia. Mit Scheitern, Tod und Versagen hat das alles also absolut gar nichts zu tun. Und mit Katzen erst recht nicht. Bestenfalls noch mit der TV-Serie Stargate.
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